Vita Vitrenko
„Ich bin müde vom Weinen“
Die Ukrainerin Vita Vitrenko (45) lebt seit neun Jahren in Villach. Im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“ erzählt sie von ihrem seelischen Leiden, während ihre Heimatstadt Kiew von Russland angegriffen wird.
Seit Donnerstag um vier Uhr morgens ist in der Ukraine nichts mehr, wie es war: Russlands Präsident Wladimir Putin gab das Signal für den Angriff auf die Ukraine. Seitdem sind tausende Menschen auf der Flucht. Jene, die nicht flüchten können, suchen in U‑Bahn-Stationen, in Bunkern oder in den Kellern ihrer Wohnhäuser Unterschlupf.
Die Familie
Exil-Ukrainer sind beim Anblick der Bilder aus ihrer Heimat von Sorgen und Tränen geplagt. So ist es auch bei Vita Vitrenko, die mit ihrem Mann Oleg sowie den Kindern Andrey (22) und Sofia (12) in Villach lebt. „Ich habe in der Nacht nicht gut geschlafen, weil es schreckliche Stunden für meine Heimatstadt Kiew sind. In der ganzen Stadt sind bei den zerstörerischen Angriffen der Russen Bomben gefallen, auch über dem Flughafen Kiew-Schuljany. Das ist der Flughafen, den wir bei unseren Heimatflügen immer von Wien aus anfliegen. Ich bin ständig am Weinen, ich kann nicht mehr“, ist Vitrenko erneut den Tränen nahe.
Die Verwandten
Ihre Mutter und eine Schwester leben in Kiew. „In ihrer Nähe gibt es keinen Bunker oder eine U‑Bahn-Station, wo sie in der Nacht unterkommen können. Sie schlafen im Badezimmer in einem Schlafsack auf dem Boden, weil davor gewarnt wird, in der Nähe von Fenstern zu schlafen. Freunde von mir schlafen mit ihren Kindern in den U‑Bahn-Stationen und Kellern“, erzählt Vitrenko im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“. Noch ist der Kontakt nach Kiew möglich.
„Mit meiner Mutter schreibe ich einmal am Tag für ein paar Stunden, ich will bei ihr für keine zusätzliche Panik sorgen. Mein österreichischer Handy-Anbieter hat mich verständigt, dass ich kostenlos in die Ukraine telefonieren kann. Dafür bin ich sehr dankbar. In Kärnten bekomme ich von den Menschen sehr viel Mitgefühl. Das tut gut und dafür bedanke ich mich sehr. Meiner Mutter und meiner Schwester haben wir bereits vor Wochen mehrfach angeboten, Flugtickets nach Österreich zu kaufen. Sie haben abgelehnt. Sie wollten bleiben, weil sie einen Krieg nicht für möglich gehalten haben. Und jetzt liegen sie am Boden im Badezimmer“, kann es die Ukrainerin nicht fassen. Die Verwandten von Ehemann Oleg wohnen in der Nähe der Stadt Kirowohrad (230.000 Einwohner) 300 Kilometer südlich von Kiew.
Die Verpflegung
Noch sind in Kiew Lebensmittel verfügbar. „Meine Mutter hat noch genug zu essen, weil sie rechtzeitig für Vorräte gesorgt hat. In den Geschäften ist allerdings nicht mehr so viel zu kaufen, alles ist sehr teuer geworden. Bürgermeister Vitali Klitschko warnt die Bevölkerung außerdem davor, sich auf den Straßen aufzuhalten, weil es sehr gefährlich werden kann“, berichtet Vitrenko.

Demonstrationen für den Frieden
Im Westen sind indes allerorts Friedenssymbole verbunden mit der ukrainischen Flagge zu sehen. „Es ist schön zu wissen, dass die Menschen auch hier in Kärnten mit Friedenskundgebungen ihre Solidarität mit meiner Heimat zeigen. Eine findet wieder morgen um 15 Uhr auf dem Neuen Platz in Klagenfurt statt. Auch in Graz gibt es welche“, schildert Vitrenko. Tochter Sofia (12) weiß über den Krieg Bescheid und leidet mit ihrer Familie und dem ukrainischen Volk. „Sofia malt gerade Transparente für Friedensdemonstrationen. Wir dürfen keine Gelegenheit auslassen, um den Menschen zu verstehen zu geben, welches Unrecht gerade in der Ukraine geschieht“, betont Vitrenko.

