Industriellenvereinigung Kärnten

Stand­ort Kärn­ten könn­te wirt­schaft­li­chen Anschluss ver­lie­ren

"Wir brauchen strukturpolitische Impulse!" Das sagt Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Kärnten, nach einem "Standort-Check" des Forschungsinstituts Economica

IV Kärnten Claudia Mischensky, Anna Kleissner (Bildschirm) und Timo Springer (von links)

© IV Kärnten

"KLICK Kärnten" auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen
Anzeige

Bei der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz der IV Kärn­ten prä­sen­tier­te Anna Kleiss­ner von Eco­no­mica Kärn­ten Ergeb­nis­se aus der Begleit­for­schung zum Wirt­schafts­be­richt des Lan­des – ein “Stand­ort-Check”. Nach der Finanz­markt-Kri­se, also bereits vor der Coro­na-Kri­se, habe Kärn­ten den eigent­lich mög­li­chen wirt­schaft­li­chen Wachs­tums­pfad nicht erreicht und blieb auch unter dem Öster­reich-Schnitt. Der Wert­schöp­fungs­an­teil Kärn­tens in Öster­reich liegt unter dem Bevöl­ke­rungs­an­teil (5,4 zu 6,3 Pro­zent). Eine über­durch­schnitt­li­che Ent­wick­lung gab es nur bei der “Her­stel­lung von Waren”. Hier zei­ge sich, dass sich die Schwer­punkt-Set­zung auf Mikro­elek­tro­nik aus­zahlt.

Gerin­ger Spe­zia­li­sie­rungs­grad

Obwohl Kärn­ten im Jahr 2020 ver­gleichs­wei­se gut durch die Coro­na-Kri­se gekom­men sei, bestehe die Gefahr, dass der wirt­schaft­li­che Anschluss ver­lo­ren geht. “Es fängt beim gerin­gen Spe­zia­li­sie­rungs­grad an, setzt sich im hohen Anteil wachs­tums­schwä­che­rer Sek­to­ren fort und reicht schließ­lich bis zu den unge­nutz­ten Poten­zia­len in Wert­schöp­fungs­netz­wer­ken. Dazu kommt die schrump­fen­de Bevöl­ke­rung und die Abwan­de­rung der Jun­gen”, begrün­det Kleiss­ner. Daher müs­se Kärn­ten sei­ne Poten­tia­le mehr nut­zen.

“Think Car­in­thia” ins Leben geru­fen

Emp­feh­lun­gen von Eco­no­mica decken sich mit For­de­run­gen der IV Kärn­ten. “Wir brau­chen drin­gend neue struk­tur­po­li­ti­sche Impul­se”, for­dert IV-Kärn­ten-Prä­si­dent Timo Sprin­ger. Er freut sich, dass eine Anre­gung der IV – der Think Tank “Think Car­in­thia” – durch Wirt­schafts-Lan­des­rat Sebas­ti­an Schu­sch­nig gehört wur­de. Die­ser pro­mi­nent besetz­te Think Tank wird Vor­schlä­ge für die Poli­tik erar­bei­ten, wie Kärn­ten sei­nen Weg aus der Kri­se fin­den könn­te.

Pro­fil bil­den und Poten­tia­le nut­zen

Zwei Punk­te sind dabei für Sprin­ger ganz beson­ders wich­tig: Es gehe ers­tens um eine Spe­zia­li­sie­rung und Pro­fil-Bil­dung. Anbie­ten wür­den sich laut Eco­no­mica die Bran­chen Elek­tro­nik, Lebens- und Nah­rungs­mit­tel, Forst- und Holz­wirt­schaft, Stei­ne und Erden sowie Ener­gie-Erzeu­gung. Gute Ansät­ze gibt es laut Sprin­ger bereits – etwa das neue Stand­ort­mar­ke­ting oder den gemein­sa­men Zen­tral­raum-Ver­ein von Kla­gen­furt und Vil­lach, der eine Chan­ce sei, die Attrak­ti­vi­tät Kärn­tens für inter­na­tio­nal Stu­die­ren­de, For­scher und Schlüs­sel­ar­beits­kräf­te zu erhö­hen. Eine kon­kre­te Zen­tral­raum-Stra­te­gie geht Sprin­ger noch ab. Außer­dem erneu­ert er die For­de­rung nach einem gemein­sa­men Uni-FH-Cam­pus.

Der zwei­te Punkt ist eine Nut­zung der Poten­tia­le ent­lang von gesam­ten Wert­schöp­fungs­ket­ten und ‑netz­wer­ken.

Anzei­ge
IV Kärnten
Aktu­el­le Kon­junk­tur­um­fra­ge der IV Kärn­ten
© IV Kärn­ten

Aktu­el­le Kon­junk­tur-Umfra­ge der IV

IV-Kärn­ten-Geschäfts­füh­re­rin Clau­dia Mischen­sky erläu­ter­te heu­te auch noch die aktu­el­le Kon­junk­tur-Umfra­ge der IV Kärn­ten des ers­ten Quar­tals 2021. Dar­an nah­men 60 Unter­neh­men mit ca. 19.400 Mit­ar­bei­tern teil. Die Umfra­ge zei­ge, dass sich die Kon­junk­tur wei­ter erholt. “Alle Signa­le wei­sen auf einen kurz­fris­ti­gen Auf­schwung hin”, so Mischen­sky, die das an fol­gen­den Punk­ten fest­macht: Geschäfts­la­ge und Auf­trags­be­stand wer­den der­zeit zu 69 bzw. 77 Pro­zent als “gut” (oder stei­gend) ein­ge­schätzt.

Bemer­kens­wert sei die Ein­schät­zung des Beschäf­tig­ten-Stan­des in drei Mona­ten: 46 Pro­zent wol­len neue Mit­ar­bei­ter ein­stel­len – ein Zehn-Jah­res-Hoch.

Bei den Ertrags­er­war­tun­gen zei­ge sich auf­grund der stei­gen­den Roh­stoff­prei­se ein ver­hal­te­ne­res Bild: Ein Vier­tel spricht der­zeit von einer guten, auf den Herbst ange­spro­chen ist es nur noch ein Fünf­tel. Auf den Herbst ange­spro­chen, zeigt sich die Unsi­cher­heit der Unter­neh­men: Nur 21 Pro­zent der Befrag­ten erwar­ten in sechs Mona­ten eine gute Geschäfts­la­ge.

27.04.2021 15:15
Anzeige
IV Kärnten Claudia Mischensky, Anna Kleissner (Bildschirm) und Timo Springer (von links)

© IV Kärnten