Industriellenvereinigung Kärnten
Standort Kärnten könnte wirtschaftlichen Anschluss verlieren
"Wir brauchen strukturpolitische Impulse!" Das sagt Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Kärnten, nach einem "Standort-Check" des Forschungsinstituts Economica
Bei der heutigen Pressekonferenz der IV Kärnten präsentierte Anna Kleissner von Economica Kärnten Ergebnisse aus der Begleitforschung zum Wirtschaftsbericht des Landes – ein “Standort-Check”. Nach der Finanzmarkt-Krise, also bereits vor der Corona-Krise, habe Kärnten den eigentlich möglichen wirtschaftlichen Wachstumspfad nicht erreicht und blieb auch unter dem Österreich-Schnitt. Der Wertschöpfungsanteil Kärntens in Österreich liegt unter dem Bevölkerungsanteil (5,4 zu 6,3 Prozent). Eine überdurchschnittliche Entwicklung gab es nur bei der “Herstellung von Waren”. Hier zeige sich, dass sich die Schwerpunkt-Setzung auf Mikroelektronik auszahlt.
Geringer Spezialisierungsgrad
Obwohl Kärnten im Jahr 2020 vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen sei, bestehe die Gefahr, dass der wirtschaftliche Anschluss verloren geht. “Es fängt beim geringen Spezialisierungsgrad an, setzt sich im hohen Anteil wachstumsschwächerer Sektoren fort und reicht schließlich bis zu den ungenutzten Potenzialen in Wertschöpfungsnetzwerken. Dazu kommt die schrumpfende Bevölkerung und die Abwanderung der Jungen”, begründet Kleissner. Daher müsse Kärnten seine Potentiale mehr nutzen.
“Think Carinthia” ins Leben gerufen
Empfehlungen von Economica decken sich mit Forderungen der IV Kärnten. “Wir brauchen dringend neue strukturpolitische Impulse”, fordert IV-Kärnten-Präsident Timo Springer. Er freut sich, dass eine Anregung der IV – der Think Tank “Think Carinthia” – durch Wirtschafts-Landesrat Sebastian Schuschnig gehört wurde. Dieser prominent besetzte Think Tank wird Vorschläge für die Politik erarbeiten, wie Kärnten seinen Weg aus der Krise finden könnte.
Profil bilden und Potentiale nutzen
Zwei Punkte sind dabei für Springer ganz besonders wichtig: Es gehe erstens um eine Spezialisierung und Profil-Bildung. Anbieten würden sich laut Economica die Branchen Elektronik, Lebens- und Nahrungsmittel, Forst- und Holzwirtschaft, Steine und Erden sowie Energie-Erzeugung. Gute Ansätze gibt es laut Springer bereits – etwa das neue Standortmarketing oder den gemeinsamen Zentralraum-Verein von Klagenfurt und Villach, der eine Chance sei, die Attraktivität Kärntens für international Studierende, Forscher und Schlüsselarbeitskräfte zu erhöhen. Eine konkrete Zentralraum-Strategie geht Springer noch ab. Außerdem erneuert er die Forderung nach einem gemeinsamen Uni-FH-Campus.
Der zweite Punkt ist eine Nutzung der Potentiale entlang von gesamten Wertschöpfungsketten und ‑netzwerken.

Aktuelle Konjunktur-Umfrage der IV
IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky erläuterte heute auch noch die aktuelle Konjunktur-Umfrage der IV Kärnten des ersten Quartals 2021. Daran nahmen 60 Unternehmen mit ca. 19.400 Mitarbeitern teil. Die Umfrage zeige, dass sich die Konjunktur weiter erholt. “Alle Signale weisen auf einen kurzfristigen Aufschwung hin”, so Mischensky, die das an folgenden Punkten festmacht: Geschäftslage und Auftragsbestand werden derzeit zu 69 bzw. 77 Prozent als “gut” (oder steigend) eingeschätzt.
Bemerkenswert sei die Einschätzung des Beschäftigten-Standes in drei Monaten: 46 Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen – ein Zehn-Jahres-Hoch.
Bei den Ertragserwartungen zeige sich aufgrund der steigenden Rohstoffpreise ein verhalteneres Bild: Ein Viertel spricht derzeit von einer guten, auf den Herbst angesprochen ist es nur noch ein Fünftel. Auf den Herbst angesprochen, zeigt sich die Unsicherheit der Unternehmen: Nur 21 Prozent der Befragten erwarten in sechs Monaten eine gute Geschäftslage.

