Der Nachtwächter
Führungen vom Bürger für Bürger
Der Nachtwächter zieht heute wieder seine Runden durch die Klagenfurter Innenstadt. Horst Ragusch über die geführten Rundgänge im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“.
Auf Nachtwächter-Rundgängen durch die Klagenfurter Altstadt erleben Teilnehmer eine Reise ins Mittelalter der Stadt (siehe Termine unten). Horst Ragusch, Türmer und Nachtwächter zu Klagenfurt, bietet diese seit Juni der Vorjahres an. Bisher gab es rund 60 Termine, die von Klagenfurtern aber auch Touristen gut angenommen werden. Die Führungen erfolgen auch mehrsprachig. „Es handelt sich um Führungen von einem Bürger für die Bürger. Man erlebt die Stadt, wie man sie einfach nicht mehr sehen kann“, erklärt Ragusch im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“.
Ragusch gehört der Gilde der Nachtwächter an. Die Gilde hat Mitglieder in Österreich, Deutschland und Frankreich. Das Regionaltreffen mit rund dreißig Mitgliedern aus Österreich findet heuer von 7. bis 9. Oktober in Klagenfurt statt.
Unterm Stadtturm aufgewachsen
Bei den Nachtwächter-Rundgängen führt Ragusch in historischer Gewandung durch die Klagenfurter Innenstadt. Zu Beginn erscheint er mit einer Schüssel selbstgebackenem Brot und Salz für die Besucher. Die Route startet um 19.30 Uhr, bei Einbruch der Dunkelheit, am Spanheimerbrunnen auf dem Arthur-Lemisch-Platz und führt durch die Altstadt von Klagenfurt. Ragusch berichtet dabei über Fakten und Geschichten aus Klagenfurt. Oft bindet er das Publikum auch in das Geschehen ein. Ragusch selbst studierte Geschichte. Er wuchs quasi unterm Stadtpfarrturm auf: Seine Eltern führten jahrelang das „Lindwurmstüberl“, das heutige „Augustin“.
Einziger Türmer Österreichs
Ragusch ist auch der einzige Türmer Österreichs. Der Stadtpfarrturm St. Egid ist aktuell noch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, diese gehen jetzt aber in die finale Phase. „Mit der Wiedereröffnung ist im Mai zu rechnen”, verrät Ragusch. Dann finden auch wieder Turmführungen statt. Vor der Pandemie gab es auf dem Stadtpfarrturm rund dreißig Veranstaltungen im Jahr, auf die sich Ragusch bereits wieder freut. „Der Stadtpfarrturm lädt oben zum Verweilen ein. Er ist auch die erste Anlaufstelle für die Klagenfurter, wenn sie eine Krise haben“, schildert Ragusch.
Die letzte offizielle Türmerin war Helene Reichelt. Bis 1966 wohnte sie mit ihren sechs Kindern im Stadtpfarrturm. Trotz Armut hatten alle Kinder einen Bildungsabschluss. „Die Geschichte über die Türmerin erzähle ich sehr gerne, weil sie für Kinder sehr aufbauend sein kann, wie man es mit Bildung aus der Armut schafft“, erzählt Ragusch.
Ehrenhafte und unehrenhafte Berufe
Die Nachtwächter-Führungen sollen kein bloßes Abarbeiten von historischen Fakten sein. „Mich berührt es, wenn die Besucher mitfühlen. Die Vielfalt macht es umso spannender. Die Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Schichten und Ländern“, berichtet Ragusch. Sie erfahren viel über vergangene Seuchen in Klagenfurt, über ehrenhafte und unehrenhafte Berufe. „Damals war der Henker beispielsweise ein Gesundheitsberuf. Das konnte ich zuerst selbst nicht glauben“, verrät der Türmer.
Neben den Nachtwächter-Rundgängen steht auch die City-Tourenwoche vom 23. bis 29. Mai 2022 in Klagenfurt auf dem Programm. In dieser Woche werden fünf Führungen pro Tag angeboten.
Zurück ins 13. Jahrhundert
Der Nachtwächter begrüßt die Besucher mit mittelalterlicher Labung und erzählt in altertümlicher Sprache, wie es einst in der Stadt war. Es geht zurück bis ins 13. Jahrhundert und führt bis ins Jahr 1903. „Da ist das Licht in der Stadt an- und die Ära der Nachtwächter zu Ende gegangen“, blickt Ragusch zurück.
Die Termine
Nachtwächter-Rundgänge
- 15. April 2022, 19.30 Uhr
- 6. Mai 2022, 19.30 Uhr
Treffpunkt: Spanheimerbrunnen auf dem Arthur-Lemisch-Platz
- Die letzte offizielle Türmerin Helene Reichelt mit ihrer Familie.
- Teilnehmer am Nachtwächter-Rundgang durch das historische Klagenfurt
- Heute beginnen in Klagenfurt wieder die Nachtwächter-Rundgänge mit Horst Ragusch.
- Horst Ragusch haucht als Türmer auch dem Stadtpfarrturm Leben ein.