Günther Albel
„Noch nie war in Villach so viel Bewegung im Thema Verkehr“
Villach stellt seinen Busverkehr auf Takt um. „KLiCK Kärnten“ sprach mit Bürgermeister Günther Albel über die Verkehrszukunft seiner Stadt. Und „testete“ sein eigenes Öffi-Verhalten.
Bürgermeister Günther Albel: „Die Bustaktung betrifft fast alle Linien, ist also für Villach ein großer Schritt.“© Theresa Pewal
KLiCK Kärnten: Villach stellt den Busverkehr auf Takt um. Warum eigentlich erst jetzt?
Bürgermeister Günther Albel: Eine Stadt kann ihren öffentlichen Verkehr nicht alleine finanzieren, das klappt einfach nicht. Und in der Vergangenheit haben Land Kärnten und Stadt Villach dem Thema sicher zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Mit meinem Stadtverkehrsreferenten Gerald Dobernig und dem Landesverkehrsreferenten Sebastian Schuschnig gibt es Einigkeit, dass hier mehr passieren muss – und passiert! In einem ersten Schritt haben wir nun selbst mehr Geld in die Hand genommen und auch vom Land Kärnten mehr Geld erhalten. Die Bustaktung betrifft übrigens wirklich fast alle Linien, ist also für Villach ein großer Schritt.
Sind damit Villachs Öffi-Ziele erreicht?
Nein. Das ist ein Prozess, der vermutlich nie fertig sein wird. Verbesserungen im Öffi-Bereich sind ja nicht nur für die Umwelt gut, sondern auch eine soziale Frage. Immer weniger Menschen können oder wollen sich ein Auto leisten. Da ist ein gut ausgebautes Öffi-Netz unverzichtbar.
Fahren Sie eigentlich selbst mit Öffis?
Ja, ich habe eine Jahreskarte und bin oft mit dem Bus unterwegs. Ich versuche aber überhaupt, meine individuellen Auto-Kilometer zu minimieren. Zu Auswärtsterminen fahre ich oft mit der Bahn, innerstädtische Termine erledige ich gerne mit meinem E‑Bike. Ich glaube ja, dass wir nur durch das Zusammenspiel aller Möglichkeiten eine sozial und ökologisch sinnvolle Verkehrszukunft erreichen werden.

Was heißt das konkret für Villach?
Dass wir nicht nur auf den Ausbau des Busnetzes setzen. Wir haben auch gemeinsam mit den ÖBB um 1,3 Millionen Euro eine Stadtbahnstation im Stadtteil Landskron errichtet, damit die Menschen in diesem rasch wachsenden Stadtteil binnen Minuten per Zug in die Innenstadt kommen. Wir haben erstmals Sharing-Modelle in der Stadt ermöglicht, es gibt zum Beispiel Carsharing-Anbieter. Oder denken Sie nur an den Radverkehr: Villach gilt als fahrradfreundlichste Stadt Kärntens. Wir haben die gesamte Innenstadt für den Radverkehr geöffnet, auch den Hauptplatz. Man sieht, dass immer mehr Menschen auf das Rad umsteigen. Wir investieren Millionen in den Ausbau der Rad-Infrastruktur. Busse, Bahn, Räder, Sharingmodelle – noch nie war in Villach so viel Bewegung im Thema Verkehr wie jetzt.
Stichwort Umwelt: Wie stellt sich Villach der Abgas-Thematik?
Grundsätzlich durch Alternativen zum motorisierten Individualverkehr. Das habe ich bereits erwähnt. Ich darf aber zusätzlich darauf verweisen, dass in Villach Österreichs erste Wasserstoff-Tankstelle umgesetzt wird. Dabei wird der Wasserstoff, den Infineon für die Produktion benötigt, quasi ein zweites Mal verwendet. Die ÖBB-Postbusse haben bereits die ersten fünf Wasserstoff-Busse für den Raum Villach bestellt. Ich halte es für denkbar, dass in absehbarer Zeit ein Großteil des Busverkehrs in und um Villach emissionsfrei funktioniert. Das wäre ein großer Schritt. Und würde einmal mehr die Hightech-Vorreiterstelle der Stadt betonen.

