Daniel Mylow

„Ich bin von der Herz­lich­keit in Kärn­ten begeis­tert“

Daniel Mylow (57) erreichte mit dem Text „Vigo“ beim Kurzgeschichten-Wettbewerb „WortReich“ den zweiten Platz. Im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“ erzählt er vom wahren Kern seines Texts und spricht über die Bedeutung des Lesens für junge Menschen.

„Ich bin von der Herz­lich­keit in Kärn­ten begeis­tert“ Autor Daniel Mylow lebt in Wangen am See in Baden-Württemberg (Deutschland).

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Als Erich Wim­mer („KLiCK Kärn­ten“ berich­te­te) das Boot zur Über­fahrt in Rich­tung des Insel­ho­tels Faa­ker See betrat, bestieg auch der 57-jäh­ri­ge Autor Dani­el Mylow das Boot. „Wir kann­ten und sahen uns zuvor noch nie, aber wir kamen sofort ins Gespräch. Was den Stand­punkt zu sozia­len Netz­wer­ken und Smart­phones betrifft, haben wir eini­ges gemein­sam“, erin­nert sich Mylow an den Tag des Wett­be­werbs in Kärn­ten zurück. Er lebt mit sei­ner Frau in Wan­gen am See in Baden-Würt­tem­berg (Deutsch­land). Am Anfang war es nur eine Traum­vor­stel­lung, als Autor Tex­te zu publi­zie­ren, jedoch kon­kre­ti­sier­te sich die­ser Wunsch in den Jah­ren der ers­ten Publi­ka­tio­nen immer wei­ter. Sein Lieb­lings­zi­tat „Dich­ter wird man als Kind“ von Mari­na Zweta­je­wa beschreibt auch Mylows Wer­de­gang gut.

Ein auf­merk­sa­mer Mensch

Bereits in sei­ner Zeit als Volks­schü­ler begann Mylow regel­mä­ßig, zu Stift und Papier zu grei­fen. „Mei­ne Leh­re­rin erlaub­te mir, selbst­ge­schrie­be­ne Tex­te ein­mal pro Woche vor der Klas­se vor­zu­tra­gen. Das war im Alter von neun bis elf Jah­re“, erzählt Mylow. Zu Hau­se führ­te sei­ne Lust am For­mu­lie­ren zu einer prall gefüll­ten Map­pe voll eige­ner Geschich­ten, die sei­ne Eltern für ihn auf­be­wahr­ten. Als ein gut zuhö­ren­der und nach­fra­gen­der sowie auch eif­rig Zei­tung lesen­der Mensch ist Mylow für das Erzäh­len von Geschich­ten beson­ders emp­fäng­lich. „Ich lese jeden Tag zwei bis drei Zei­tun­gen und archi­vie­re auch Tex­te, die mir inter­es­sant erschei­nen. Es ist wich­tig, dass sie mich bewe­gen und berüh­ren“, sagt der deut­sche Autor. Auf die­se Wei­se ent­stand auch sein Roman „Grei­sen­kind“, der auf einen „Spiegel“-Artikel beruht und auf Mylows Wei­se ver­dich­tet wur­de.

Auf­ar­bei­tung der DDR-Zeit

„Vigo“ und auch sämt­li­che ande­re Kurz­ge­schich­ten schreibt Mylow in der Regel mit einem Blei­stift, ehe er die Tex­te in digi­ta­le Form am Com­pu­ter über­trägt. „Ich war ziem­lich rasch mit ‚Vigo‘ fer­tig. Für die ers­te Fas­sung brauch­te ich zwei bis drei Tage“, erzähl Mylow im Gespräch mit „KLiCK Kärn­ten“. Auch Schreib­pau­sen leg­te der Autor regel­mä­ßig ein. Eben­so wich­tig sind das Lie­gen­las­sen und das Gewin­nen von Distanz zum Text. „Vigo“ ent­hält einen wah­ren Kern, wie Mylow ver­rät. „Mei­ne Ver­wandt­schaft leb­te, wie vie­le Bekann­te und Freun­de auch, in der dama­li­gen DDR. Ich führ­te vie­le Gesprä­che mit ihnen. Dar­aus nähr­te sich unter ande­rem die Kurz­ge­schich­te“, ver­rät der Autor sei­nen Schreib­an­lass. Er ver­such­te sich an einer Auf­ar­bei­tung eines ein­zel­nen Schick­sals, das einer­seits als Ver­tre­tung für vie­le steht und das ande­rer­seits damals so vie­le Men­schen heim­such­te. Dabei ist „Bless“ der tat­säch­li­che Name sei­nes Groß­va­ters. „Es ist wich­tig zu sagen, dass die Wen­de nicht ein­fach war und die Men­schen vie­len Brü­chen gegen­über­stan­den“, erzählt Mylow.

Sich sei­ne Hei­mat schrei­ben

In der Regel ist es der Schreib­tisch mit moti­vie­ren­dem Blick auf den Boden­see mit sei­ner ver­än­dern­den Ober­flä­che, der inspi­riert. „Der See bringt mich in den Fluss des Schrei­bens“, schmun­zelt der 57-Jäh­ri­ge. Jedoch stell­te er mit der Zeit fest, dass er sowohl am Schreib­tisch in Wan­gen am See als auch über­all sonst sei­ner Schreib­ar­beit nach­ge­hen kann. „Ich schrei­be auch sehr ger­ne in Hotel­zim­mern. Schließ­lich schreibt man sich sei­ne Hei­mat“, ist Mylow über­zeugt. Schreib­blo­cka­den begeg­net Mylow mit Prak­ti­ken, die er als Poe­sie­päd­ago­ge erlern­te. Er kann sich so selbst über­lis­ten, was jedoch nicht oft vor­kommt. „Eigent­lich sind es nicht die Schreib­blo­cka­den, son­dern viel­mehr die feh­len­de Zeit für das Schrei­ben, was mich auf­hält“, offen­bart er.

Fas­zi­na­ti­on am Schrei­ben

Mylows Fas­zi­na­ti­on am Schrei­ben kreist um zwei Ebe­nen. Einer­seits ist es die Auf­lö­sung von Zeit und Raum, die wäh­rend des Schrei­bens in der Gegen­wart statt­fin­det. „Auf der ande­ren Sei­te ist es die Ver­mi­schung von Raum und Zeit, von Wirk­lich­keit und Fik­ti­on, auch das Ein­schrei­ben in fik­ti­ve Cha­rak­te­re in einer Geschich­te“, erklärt Mylow, der sich als einen Mor­gen­men­schen bezeich­net. Sein Schreib­tag beginnt früh am Mor­gen, um vier oder fünf Uhr. „Danach schrei­be ich rund fünf Stun­den am Stück. Hin und wie­der schrei­be ich auch abends und dann bis in die Nacht hin­ein“, sagt der Autor. Nichts­des­to­trotz greift er gewöhn­lich zu sei­nem Blei­stift, „wenn das Licht kommt“ und der Tag sich ankün­digt. Manch­mal sind es sei­ne Frau, sei­ne Freun­de oder auch der Ver­lag, die sei­ne Erst­fas­sun­gen zu lesen bekom­men. Dabei gibt es auch Tex­te, die nie­man­den für einen ers­ten Lese­durch­gang vor­ge­legt wer­den.

„Es ist reiz­voll, in den Vor­ga­ben und Zie­len eines Wett­be­werbs zu ver­sin­ken und mit einem geschrie­be­nen Text den Sprung auf das Podi­um zu schaf­fen. Mit der Zeit ist aber auch das Fin­den von neu­en Lesern eine gro­ße Moti­va­ti­on für mich“, erklärt der Autor.

Lau­fen­de Pro­jek­te

Die­sen Som­mer schreibt Mylow an einem Roman über einen däni­schen Maler. Nächs­tes Jahr erscheint ein Band mit Geschich­ten über ver­ges­se­ne Dich­ter, an dem Mylow vie­le Jah­re geschrie­ben hat. „Der Band ent­hält Minia­tur­ge­schich­ten von Dich­tern, dich ich ver­dich­te. Ein Text dar­in ist bis zu zwan­zig Sei­ten lang“, ver­rät er. Für Mylow muss ein guter Text unter­hal­ten und erzäh­len kön­nen. Außer­dem sind dem Autor eine schö­ne Spra­che, sinn­li­che Bil­der und auch die Mög­lich­keit, zwi­schen den Zei­len lesen zu kön­nen, wich­tig. „Sind die­se Aspek­te nicht vor­han­den, dann wer­de ich nicht berührt“, erklärt Mylow ernst.

Ers­tes Mal in Kärn­ten

Zuvor war der 57-jäh­ri­ge Autor noch nie in Kärn­ten. „Ich war beein­druckt von der wun­der­ba­ren Loca­ti­on des Wett­be­werbs und begeis­tert von der Herz­lich­keit in Kärn­ten“, freut sich Mylow, der auch regel­mä­ßig in Vor­arl­berg Urlaub mit sei­ner Frau macht. Eben­so die Erin­ne­run­gen an die schö­nen, kur­zen Gesprä­che und dass die Land­schaft die Men­schen in Kärn­ten durch­aus prägt, nahm Mylow mit nach Wan­gen zurück. Daheim ange­kom­men fand er in sich eine Lee­re vor. „Daheim war die Eupho­rie des Wett­be­werbs dahin und es pack­te mich eine gewis­se Melan­cho­lie. Man weiß, dass die Erleb­nis­se fort sind und nur die Erin­ne­run­gen blei­ben“, sagt der Autor.

Rat­schlä­ge für jun­ge Men­schen

Jun­gen Men­schen, die mit dem Schrei­ben begin­nen, rät Mylow, es auch ein­fach zu tun und den Geschich­ten ihren Raum zu geben. „Es ist wich­tig, eine Ver­trau­ens­per­son zu haben, die einem die Wett­be­wer­be ver­mit­telt und zeigt, was für jun­ge Men­schen so alles im Lite­ra­tur­be­trieb exis­tiert“, gibt Mylow einen Rat­schlag. Um einen eige­nen Stil zu prä­gen und die Fan­ta­sie anzu­re­gen, hat der Autor nur einen Tipp. „Lesen, lesen und lesen“, lacht Mylow, der ange­hen­den Schrift­stel­lern „Madame Bova­ry“ von Gust­ave Flau­bert ans Herz legt, eben­so Erzäh­lun­gen von Gabri­el Gar­cía Már­quez. Weil Mylow die ame­ri­ka­ni­sche Lite­ra­tur schätzt, emp­fiehlt er etwa Autoren wie Paul Aus­ter („Nacht des Ora­kels“), James Sal­ter („Cha­ris­ma“) oder Denis John­son („Train Dreams“). Auch das Buch „Die Pest“ von Albert Camus oder jene von Richard Ford, Chris­toph Rans­mayr, Edgar Law­rence Doc­to­row, Jean Paul und Nova­lis soll­te man gele­sen haben.

Online: „Vigo“ von Dani­el Mylow. Der Kurz­ge­schich­ten-Wett­be­werb „Wort­Reich“ ist eine Koope­ra­ti­on zwi­schen dem Kärnt­ner Bil­dungs­werk und der Markt­ge­mein­de Fin­ken­stein am Faa­ker See.

07.08.2022 17:00 - Update am: 08.08.2022 11:44
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„Ich bin von der Herz­lich­keit in Kärn­ten begeis­tert“ Autor Daniel Mylow lebt in Wangen am See in Baden-Württemberg (Deutschland).

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