Polizei Kärnten
Wandert „Cobra“-Außenstelle in die Steiermark ab?
Medialen Berichten zufolge könnte eine Strukturreform des Innenministeriums Kärnten treffen. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) setzt sich dagegen zur Wehr. Laut ÖVP-Clubobmann Markus Malle steht die „Cobra“-Außenstelle nicht zur Diskussion.
© BMI/Gerd Pachauer
Laut medialen Meldungen soll das Innenministerium eine Strukturreform planen. Davon wäre auch die Polizei in Kärnten betroffen: Im Zuge dieser Strukturänderung soll es zu einer Verlagerung der Außenstelle der Spezialeinheit „Cobra“ von Klagenfurt nach Graz kommen.
Jährlich rund hundert „Cobra“-Einsätze
„Unter dem Deckmantel ‚Synergien nutzen‘ könnte Kärntens Außenstelle künftig von Graz aus mitbetrieben werden“, reagiert Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) auf erste Details, die in einer Tageszeitung zu lesen waren. In Kärnten gibt es jährlich rund hundert „Cobra“-Einsätze, die dann von der Steiermark aus „bedient“ werden müssten. Die „Cobra“ zeichnet sich vor allem durch rasches Eingreifen im Fall von schwerwiegender Kriminalität aus. Der Einsatz binnen Minuten zur Unterstützung der Exekutive ist, so Kaiser, nicht nur für die Sicherheit der Kärntner, sondern auch für die Kräfte der Landespolizeidirektion wichtig.
Kaiser: „Inakzeptable Pläne“
Für den Landeshauptmann sind diese Pläne inakzeptabel. Die „Cobra“-Außenstelle in Klagenfurt ist vom Standort Kärnten nicht wegzudenken. „Es gilt, mit allen Mitteln den bestmöglichen Schutz der Kärntner und aller in unserem Bundesland lebenden Personen aufrechtzuerhalten. Und dazu zählt nun einmal die Schnelligkeit, mit der die Beamten im Ernstfall vor Ort sein können“, betont der Landeshauptmann.
Angespannte Personallage
Die ohnehin angespannte Personallage bei der Spezialeinheit würde sich durch diese Vorgehensweise weiter verschlechtern. „Ich stehe allen vernünftigen Plänen, um Synergien zu nutzen, positiv gegenüber. Der Schutz der Bevölkerung und auch die durch die ‚Cobra‘-Spezialeinheit so effektive Unterstützung des Bodenpersonals muss dabei aber an oberster Stelle stehen und jederzeit gewährleistet sein“, stellt Kaiser klar. Er kündigt an, sich diesbezüglich mit Innenminister Gerhard Karner auszutauschen.
Reaktion Markus Malle (ÖVP)
Zum Gerücht über die Strukturreform bei der „Cobra“ in Kärnten bezieht auch Markus Malle, Clubobmann der ÖVP im Kärntner Landtag, Stellung: „Ich bin verwundert, dass Landeshauptmann Kaiser auf mediale Spekulationen reagiert und zum Füllen eines Sommerlochs die Bundesregierung kritisiert, anstatt einfach zum Hörer zu greifen und seine Kontakte nach Wien zu nutzen. Ich habe das nämlich getan: Das Innenministerium hat mir klar versichert, dass die Außenstelle der ‚Cobra‘ in Kärnten bestehen bleibt. Das ist auch gut so, denn beim Nutzen von Synergien darf man nicht auf funktionierende regionale Strukturen und die Sicherheit der Bevölkerung vergessen. Keinesfalls darf der Schutz der Kärntner einem Sparstift zum Opfer fallen.“
Reaktion Gerhard Köfer (Team Kärnten)
Die auftretenden Spekulationen über die Schließung der „Cobra“-Außenstelle in Kärnten nimmt „Team Kärnten“-Chef Gerhard Köfer zum Anlass, auf sofortige Aufklärung durch Bund und Land zu drängen: „Erst vor wenigen Wochen war Innenminister Karner in Kärnten zu Gast, wo von diesen Plänen rein gar nichts zu hören war. Eine Zusammenlegung der ‚Cobra‘-Einheit Kärntens und der Steiermark lehnen wir entschieden und kategorisch ab. Das würde dazu führen, dass die Sicherheitsinfrastruktur in unserem Bundesland weiter ausgedünnt wird. Die Aktion würde einem sicherheitspolitischen Kahlschlag für Kärnten gleichkommen. Zudem ist schon jetzt die personelle Situation der Exekutive in Kärnten zunehmend angespannt.“
Reaktion Erwin Angerer (FPÖ)
„ÖVP-Innenminister Karner setzt die Sicherheit der Kärntner Bevölkerung mit der Überlegung einer Verlagerung der Kärntner ‚Cobra‘-Außenstelle nach Graz verantwortungslos aufs Spiel“, teilt Kärntens FPÖ-Chef Nationalratsabgeordneter Erwin Angerer in einer Stellungnahme mit. Angerer kritisiert wörtlich: „Bereits im Jahr 2014 haben ÖVP und SPÖ im Doppelpack 22 Polizeiinspektionen in Kärnten geschlossen und damit den ländlichen Raum komplett ausgedünnt.“ Für den nächsten sicherheitspolitischen Anschlag auf die Kärntner Bevölkerung habe sich die ÖVP nunmehr die Grünen ins Boot geholt. „Ein Abzug der Spezialeinheit ‚Cobra‘ aus Kärnten wäre ein sicherheitspolitischer Supergau für unser Bundesland. Eine Eingreiftruppe, die im Ernstfall erst eingeflogen werden muss, würde de facto ihrer Schlagkraft beraubt werden. Das darf nicht passieren“, kritisiert Angerer.