Unterstützung für Kinder und Jugendliche

Kärn­ten schärft im Bil­dungs- und Sozi­al­be­reich nach

Studie zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kärntens Schüler: Rund 9.000 Kinder und Jugendliche brauchen besondere Aufmerksamkeit und mehr Unterstützung. Land schärft bei den Hilfsangeboten im Bildungs- und Sozialbereich nach.

Psyche Die Angebote für Jugendliche, die unter den Auswirkungen der Pandemie leiden, werden in Kärnten erweitert.

© Pixabay/Counselling

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Distance Lear­ning, Lock­downs, kei­ne Tref­fen mit Freun­den … Stu­di­en bele­gen, dass Kin­der und Jugend­li­che durch die Coro­na-Pan­de­mie beson­ders betrof­fen sind. Das Land Kärn­ten hat in Zusam­men­ar­beit mit der Bil­dungs­di­rek­ti­on und der Kin­der- und Jugend­an­walt­schaft eine wei­te­re Stu­die zu die­sem The­ma in Auf­trag gege­ben, um noch genaue­re Daten zu erhal­ten. Dies­mal wur­den aller­dings die Kärnt­ner Päd­ago­gen befragt, in wel­cher Form sie Ver­än­de­run­gen bei Schü­lern (im Ver­gleich zur Vor-Coro­na-Zeit) wahr­neh­men. Erkennt­nis­se aus der Stu­die sol­len dem Land auf­zei­gen, in wel­chen Berei­chen bei Unter­stüt­zungs­maß­nah­men nach­ge­schärft wer­den muss.

Die Ergeb­nis­se der Stu­die

1.281 Päd­ago­gen haben sich an der Stu­die betei­ligt – Ziel­grup­pe waren Leh­rer aller Schul­ty­pen ab der fünf­ten Schul­stu­fe in ganz Kärn­ten.

Etwa die Hälf­te der Befrag­ten gab an, dass es in Berei­chen wie Anwe­sen­heit, Pünkt­lich­keit, Erle­di­gung von Arbeits­auf­trä­gen und Qua­li­tät des zwi­schen­mensch­li­chen Kon­takts nun etwas oder viel schlech­ter läuft. Ver­än­de­run­gen bei Leis­tungs- und Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit, Wis­sens­stand und Lern­mo­ti­va­ti­on wer­den kri­tisch gese­hen. Beson­ders gefähr­det sei­en Schü­ler aus Fami­li­en mit nied­ri­gem sozio­öko­no­mi­schen Sta­tus. Hat­ten Schü­ler vor der Pan­de­mie schon sta­bi­le Leis­tun­gen, fan­den sie sich auch wäh­rend der Pan­de­mie bes­ser zurecht. “Doch hier geht die Sche­re aus­ein­an­der”, sagt Kin­der- und Jugend­an­wäl­tin Astrid Lieb­hau­ser.

Die häu­figs­ten psy­chi­schen Ver­än­de­run­gen, die von den Befrag­ten ver­mu­tet wer­den, sind inten­si­ve Medi­en­nut­zung, ver­mehr­te depres­si­ve Stim­mun­gen (Trau­rig­keit, Nie­der­ge­schla­gen­heit), Schlaf­pro­ble­me und sozia­ler Rück­zug. All die­se Ergeb­nis­se decken sich mit ande­ren Stu­di­en.

Acht Pro­zent schwer oder uner­reich­bar

Acht Pro­zent der Kärnt­ner Schü­ler wur­den (hoch­ge­rech­net) wäh­rend der Pan­de­mie nur noch schwer oder gar nicht mehr erreicht. Lieb­hau­ser: “Es muss etwas pas­sie­ren, dass sie wie­der zurück in den All­tag fin­den!”

Die Päd­ago­gen wur­den auch gefragt, wel­che Unter­stüt­zungs­maß­nah­men hilf­reich wären. Sehr gro­ßer Bedarf wird in fol­gen­den Berei­chen gese­hen: Schul­psy­cho­lo­gie (nie­der­schwel­lig und greif­bar, vor Ort), Schul­so­zi­al­ar­beit, mehr Bera­tungs­leh­rer, Auf­sto­ckung der Jugend­coa­ches (vor allem für älte­re Jugend­li­che), mehr Lern­för­de­rung und Super­vi­si­on für die Leh­rer selbst.

Lieb­hau­ser abschlie­ßend: “Die Kin­der und Jugend­li­chen brau­chen drin­gend Bewe­gung, Begeg­nung und so etwas wie Nor­ma­li­tät!”

“Die Kin­der und Jugend­li­chen brau­chen drin­gend Bewe­gung, Begeg­nung und so etwas wie Nor­ma­li­tät!”

Astrid Lieb­hau­ser

Kin­der- und Jugend­an­wäl­tin

Maß­nah­men im Bil­dungs­be­reich

Kärn­ten regiert nun dar­auf, Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser erkennt: “Es geht um Struk­tur, einen gere­gel­ten Tages­ab­lauf und um Ansät­ze, hier­bei zu hel­fen.” Ca. 9.000 Kärnt­ner Schü­ler brau­chen beson­de­re Auf­merk­sam­keit, gehe aus der Stu­die her­vor.

Unter­stüt­zungs­maß­nah­men im Bil­dungs­be­reich sol­len nun in drei Etap­pen auf den Weg gebracht wer­den. Die ers­te läuft bereits – es wur­den 50 zusätz­li­che Dienst­pos­ten im Bil­dungs­we­sen geschaf­fen, die Redu­zie­rung der Über­hang-Stun­den wur­de aus­ge­setzt. Erhöht wur­den so zum Bei­spiel die Stun­den für außer­schu­li­sche Lern­för­de­rung und für Sprach­för­der­maß­nah­men.

Etap­pe 2 – ab 17. Mai:

  • Auf­sto­ckung der Bera­tungs­leh­rer um zusätz­lich 50 Stun­den pro Woche, die sich um Schü­ler mit psy­chi­schen Belas­tun­gen oder mas­si­ven Lern­pro­ble­men küm­mern
  • Coro­na-För­der­stun­den im Aus­maß von 63 Dienst­pos­ten
  • Bil­dungs­di­rek­ti­on wird beauf­tragt, alle vor­han­de­nen Unter­stüt­zungs­sys­te­me auf Covid-Ent­las­tungs­maß­nah­men zu fokus­sie­ren
  • zen­tra­le Stel­le soll den „Sozi­al­raum Schu­le“ sys­te­ma­tisch erhe­ben

Etap­pe 3 – ab dem nächs­ten Schul­jahr (Sep­tem­ber):

  • wei­te­re Auf­sto­ckung bei Bera­tungs­leh­rern
  • zusätz­li­che Sprach­för­der­maß­nah­men
  • Fort­füh­rung der außer­schu­li­schen Lern­för­de­rung
  • Vor­zie­hen des Aus­baus der Schul­so­zi­al­ar­beit – inklu­si­ve schul­über­grei­fen­der (mobi­ler) Zustän­dig­keit

Rund 600.000 Euro nimmt das Land laut Kai­ser für die­se Schwer­punk­te in die Hand. Ein Appell erging auch an den Bund, hier wei­te­re Maß­nah­men ein­zu­lei­ten.

Maß­nah­men im Sozi­al­be­reich

Aber auch im Sozi­al­be­reich, zustän­dig dafür ist Refe­ren­tin Bea­te Prett­ner, wird nach­ge­schärft. “Wir haben uns in den letz­ten Mona­ten stark ver­netzt. Es gibt sehr vie­le Hil­fe­leis­tun­gen in Kärn­ten”, so Prett­ner. Um mehr Treff­si­cher­heit bei die­sen Hil­fe­leis­tun­gen zu erzie­len, wird nun eine zen­tra­le Anlauf­stel­le geschaf­fen, wel­che durch die­se Hil­fe­stel­lun­gen lotst. Bei die­ser Stel­le wird auch ein Daten­er­fas­sungs­sys­tem ein­ge­rich­tet, um Infor­ma­tio­nen zu gene­rie­ren, wo noch nach­zu­schär­fen ist.

Mobi­ler Fami­li­en­coach

Laut Prett­ner wei­ters auf­fäl­lig: “Wir müs­sen bei den Ange­bo­ten noch nie­der­schwel­li­ger wer­den, also zusätz­li­che mobi­le Ange­bo­te schaf­fen.” Daher ist eine wei­te­re Maß­nah­men, dass ein mobi­ler Fami­li­en­coach instal­liert wird. Die­ser soll in Fami­li­en vor Ort durch Bera­tung hel­fen, wo es zwar noch kei­ne Eska­la­ti­on (Gewalt) gab, aber wo Hil­fe benö­tigt wird.

Ein wei­te­res Pro­jekt ist der­zeit in Umset­zung – eine mobi­le Stel­le (vier Psy­cho­lo­gen), die vor Ort in Fami­li­en, Betrie­ben oder Lehr­werk­stät­ten mit jun­gen Kärnt­nern zwi­schen 14 und 25 Jah­ren gezielt the­ra­peu­tisch arbei­tet. “Damit kommt die Bera­tung zu den Betrof­fe­nen”, so Prett­ner. Die­se mobi­le Stel­le wird eng mit den Fami­li­en­coa­ches ver­netzt sein.

Das Pro­gramm für die Klei­nen (null bis drei Jah­re) “Frü­he Hil­fen” soll in Kärn­ten flä­chen­de­ckend aus­ge­baut wer­den.

15.05.2021 12:38 - Update am: 15.05.2021 13:46
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