Filmproduktion

Der Mann für den guten Ton

In seinem Studio in Klagenfurt verleiht Tonmeister Andreas Frei erfolgreichen Filmen den akustischen Feinschliff. Derzeit arbeitet er an Fernsehdokumentationen und verrät: Auch in Naturfilmen wird „getrickst“.

Der Mann für den guten Ton Als Keyboarder hat sich Andreas Frei bereits in seiner Jugend mit Musik und Technik befasst.

© Helga Rader

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Durch die Fens­ter sei­nes Ton­stu­di­os hört man das Rau­schen der Autos, die an der Kreu­zung hal­ten und beschleu­ni­gen, zwi­schen­durch brum­men Bus­se und schla­gen die Fol­ge­ton­hör­ner von Feu­er­wehr- oder Ret­tungs­wa­gen Alarm. Im Regie­raum, wo die Wän­de gepols­tert und fens­ter­los sind, zwit­schern Vögel und plät­schert Was­ser. Andre­as Frei sitzt hoch­kon­zen­triert mit Kopf­hö­rern an sei­nen Bild­schir­men. Im Auf­nah­me­raum neben­an plät­schert Andre­as Schnei­der mit Was­ser in einer Plas­tik­schüs­sel. Er ist einer der begna­dets­ten „Foley Artists“ (Geräusch­künst­ler) im deutsch­spra­chi­gen Raum. Über Mikro­fon und Kabel lan­den die Geräu­sche, die er macht, im Sound­sys­tem des Ton­meis­ters.

Die per­fek­te Geräusch­ku­lis­se

Die bei­den ver­to­nen eine „Universum“-Produktion des Kla­gen­fur­ter Fil­me­ma­chers Mario Kreu­zer. Sie han­delt von Zug­vö­geln. TV-Aus­strah­lung ist am 8. Novem­ber 2022 um 20.15 Uhr in ORF 2. Der Film ist zum größ­ten Teil fer­tig, das heißt: Die Bil­der sind fer­tig. Andre­as Frei ver­tont ihn nun: Er kom­po­niert Musik, ent­fernt stö­ren­de Atmo­sphä­ren­ge­räu­sche und betont die Geräu­sche jener Hand­lun­gen, die im Bild zu sehen sind. Vögel zwit­schern. Ein Vogel knab­bert an einem Käfer. Ein ande­rer putzt sein Gefie­der. Manch­mal aller­dings feh­len die Geräu­sche.

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Der Exper­te für Töne und Geräu­sche aller Art: Ton­meis­ter Andre­as Frei
© Hel­ga Rader

„Künst­li­che“ Geräu­sche – natür­li­che Stim­mung

„Beim Natur­film ist es das Wich­tigs­te, mit der Kame­ra gute Bil­der ein­zu­fan­gen. Das funk­tio­niert mit spe­zi­el­len Objek­ti­ven her­vor­ra­gend. Mit dem Mikro­fon kommt man oft nicht nahe genug an die Tie­re her­an, ohne sie zu ver­schre­cken“, erzählt Andre­as Frei. Des­halb wer­den Töne oft nach­träg­lich her­ge­stellt, um das, was auf dem Bild­schirm pas­siert, bes­ser zur Gel­tung zu brin­gen. „Wenn Ton und Bild zusam­men­pas­sen, akzep­tiert das unser Gehirn ganz schnell als real.“ Das Geräusch von Flü­gel­schlä­gen kann der Geräu­sche­ma­cher mit Stoff- und Leder­lap­pen erzeu­gen. Wenn ein Vogel sein Gefie­der putzt, macht er sanf­te Wisch­ge­räu­sche mit den Hän­den.

Die ver­bor­ge­ne Kunst

Als Ton­meis­ter gehört Andre­as Frei einer Spe­zi­es an, deren Kunst und Kön­nen vom Publi­kum kaum wahr­ge­nom­men wird. „Ton wird unter­schätzt. Dem Publi­kum fällt auf, wenn etwas schlecht zu ver­ste­hen ist. Aber wenn der Ton per­fekt ist, wird der Film ins­ge­samt als gut beur­teilt. Das liegt dar­an, dass Ton unbe­wusst wirkt“, sagt er. Töne und Geräu­sche spie­len eine essen­zi­el­le Rol­le „weil sie dem Bild eine zusätz­li­che Kom­po­nen­te bei­fü­gen. Zum Bei­spiel: Ein Berg auf der Lein­wand ist nur ein Berg. Erst der Ton ver­mit­telt eine Stim­mung und erzählt eine Geschich­te dazu. Die­se emo­tio­na­le, sub­jek­ti­ve Kom­po­nen­te – das ist das span­nen­de am Ton­schaf­fen“.

Die Erfolgs­fil­me

Der 56-jäh­ri­ge Kla­gen­fur­ter ist eine Kory­phäe auf sei­nem Gebiet. Er hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an fast allen gro­ßen Kärnt­ner Film­pro­duk­tio­nen mit­ge­wirkt. Dar­un­ter sind der Sci­ence-Fic­tion-Film „Rubi­kon“, die Stadt­ko­mö­die „Har­ri Pin­ter Dreck­sau“, die Kino­do­ku­men­ta­ti­on „Bau­er Unser“ und der Doku­men­tar­film „Streif – One Hell of a Ride!“.

Wel­che Töne und Geräu­sche hört der begna­de­te Ton­meis­ter in sei­ner Frei­zeit ger­ne? „Für mich ist Ruhe wich­tig“, lacht er, „weil ich ohne­hin den gan­zen Tag beschallt wer­de“. In sei­ner Frei­zeit ver­wei­gert er es, Kopf­hö­rer zu tra­gen. Und es gibt ein Geräusch, das er abso­lut nicht ver­trägt: „Wenn Sty­ro­por an Sty­ro­por reibt, das ist das Schlimms­te für mich.“ Ansons­ten kann Andre­as Frei alles gut hören. Im dop­pel­ten Sinn.

Wis­sens­wert

TV-Pre­mie­ren der Natur­do­ku­me­na­tio­nen aus dem „Ton­stu­dio Frei“

  • „Gebirgs­bach, Moor und Step­pen­see – Die fas­zi­nie­ren­den Far­ben des Was­sers“: Mon­tag, 24. Okto­ber 2022, 20.15 Uhr, 3sat
  • „Zug­vö­gel – Ein Jahr ver­geht im Flug“: Diens­tag, 8. Novem­ber 2022, 20.15 Uhr, ORF 2
09.10.2022 18:50
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Der Mann für den guten Ton Als Keyboarder hat sich Andreas Frei bereits in seiner Jugend mit Musik und Technik befasst.

© Helga Rader