Fantastische Vorführungen

Will­kom­men in der Zau­ber­welt

Man trifft ihn auf Adventmärkten und Stadtfesten: Mr. Passepartout mit seiner Buckelkraxe, die er im Handumdrehen in eine Bühne fürs Puppentheater verwandelt. Dahinter steckt Ingo Micheu aus Villach.

Will­kom­men in der Zau­ber­welt Ingo Micheu lebt seinen Traum. Seit seiner Kindheit weiß er, dass er Zauberwelten erschaffen und Geschichten erzählen will.

© Helmuth Weichselbraun

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„Ich ver­su­che immer, eine Bla­se zu bil­den“, beschreibt Ingo Mich­eu das, was er tut, wenn er einen Auf­tritt hat. Er nimmt der heut­zu­ta­ge viel­zi­tier­ten „Bubble“ ihre nega­ti­ve Bedeu­tung. Denn in der Bla­se des Wan­der­pup­pen­spie­lers pas­sie­ren wun­der­sa­me Din­ge. Da voll­brin­gen Flö­he wag­hal­si­ge Kunst­stü­cke und der Kas­perl besiegt furcht­erre­gen­de Unge­heu­er.

Sein Mar­ken­zei­chen ist die Buckel­kra­xe, die er vor lan­ger Zeit auf einem alten Holz­schnitt in einem Ber­li­ner Muse­um gese­hen hat. Korb­flech­ter des Blin­den­hilfs­werks haben sie für ihn nach­ge­baut. Seit­her ver­staut Ingo Mich­eu alle sei­ne Uten­si­li­en dar­in. Und wenn er die Buckel­kra­xe auf den Schoß nimmt, bil­det sie eine Büh­ne für alle Aben­teu­er.

Das inne­re Kind strahlt vor Begeis­te­rung

Mit sei­nen humor­vol­len Geschich­ten und fas­zi­nie­ren­den Tricks ver­zau­bert der aus Vil­lach stam­men­de Künst­ler nicht nur jun­ge Men­schen. „Bei einem Auf­tritt in einer Senio­ren­re­si­denz waren die jüngs­ten Zuschau­er 80 Jah­re alt, aber als ich die Gesich­ter gese­hen habe, habe ich Kin­der­au­gen gese­hen. Ich erle­be vie­le schö­ne Momen­te. An man­che Augen­bli­cke kann ich mich auch nach 30 Jah­ren noch ganz genau erin­nern“, erzählt Ingo Mich­eu, selbst strah­lend. Die­se Begeg­nun­gen sind das Schöns­te an sei­nem Beruf, meint er.

Er tritt sowohl bei gro­ßen Fes­ten als auch bei pri­va­ten Fei­ern auf. Als Erzie­her mit erho­be­nem Zei­ge­fin­ger lässt er sich nicht instru­men­ta­li­sie­ren. „Etwa, dass der Kas­perl den Kin­dern das rich­ti­ge Zäh­ne­put­zen bei­brin­gen soll. Dage­gen ver­weh­re ich mich, denn dafür sind die Eltern zustän­dig. Der Kas­perl ist ein­fach der Kas­perl“, meint er hei­ter.

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Mr. Pas­se­par­tout ist auch Direk­tor eines Floh­zir­kus, wo die kleins­ten Artis­ten der Welt fabel­haf­te Kunst­stü­cke voll­brin­gen.
© Hel­muth Weich­sel­braun

Bru­ta­ler Kas­perl

Der Kas­perl ist naiv, hat irr­sin­ni­ges Ver­trau­en, eine gewis­se Schläue und ist am Ende immer der Held. Und der Kas­perl geht mit der Zeit. „Aus dem Jahr 1850 exis­tiert eine Geschich­te, in der der Kas­perl ein Mör­der war. Er hat alle um die Ecke gebracht, die ihn in sei­ner Frei­heit ein­ge­schränkt haben – von der Gre­tel bis zum Teu­fel. Und das haben die Leu­te lus­tig gefun­den“, erzählt der Pup­pen­spie­ler amü­siert. Noch vor 30 Jah­ren hat der Kas­perl sei­nen Erz­feind Num­mer eins, das Kro­ko­dil, erschla­gen. „Heu­te fängt er es ein und bringt es weit weg, irgend­wo hin, wo es nie­man­den stört und in Frie­den wei­ter­le­ben kann“, sagt Mich­eu. Wenn der Kas­perl die Kin­der aber fragt, was er mit dem Kro­ko­dil machen soll, rufen man­che schon: „Erschla­gen!“

Zum Geschich­ten­er­zäh­len gebo­ren

Der Vil­la­cher Ingo Mich­eu, des­sen Name ver­mut­lich aus dem Rumä­ni­schen stammt, war schon als Kind mit einer blü­hen­den Fan­ta­sie geseg­net. Als Fünf­jäh­ri­ger hat er bei den Auf­trit­ten des „Zir­kus Kro­ne“ zum ers­ten Mal leib­haf­ti­ge Ele­fan­ten gese­hen. „Da ist in den spä­ten 1960er, frü­hen 1970er Jah­ren eine ande­re Welt auf­ge­taucht in Vil­lach am Wasen­bo­den“, sagt Mich­eu strah­lend. Damals war er fest ent­schlos­sen, dass er mit dem Zir­kus durch­bren­nen und als Clown die Welt berei­sen wür­de.

Sei­ner Mei­nung nach spürt jeder Mensch bereits als Kind, wel­cher Weg ihm vor­her­be­stimmt ist. „Und wenn man sich dem im Erwach­se­nen­al­ter nicht ver­schließt, bricht das durch.“ Und so muss­te, nach­dem er als Jugend­li­cher die Aus­bil­dung zum Gärt­ner gemacht hat­te, spä­ter schließ­lich doch ein Klein­künst­ler, Geschich­ten­er­zäh­ler und Zau­be­rer aus ihm wer­den.

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In sei­nen Hän­den erwa­chen die Figu­ren zum Leben. Der Pup­pen­spie­ler mit der Buckel­kra­xe ver­wi­ckelt sein Publi­kum in lie­be­voll-lus­ti­ge Aben­teu­er.
© Hel­muth Weich­sel­braun

„Der Papa ist gerit­ten“

Die Men­schen in eine Zau­ber­welt mit­zu­neh­men, fern­ab des All­tags, das ist sei­ne Mis­si­on. Ingo Mich­eu ist kein Ani­ma­teur, der Kin­der beschäf­tigt, damit die Eltern wäh­rend der Vor­stel­lung etwas ande­res tun kön­nen. Er sucht den Kon­takt zum Publi­kum und bin­det alle in die Hand­lung mit ein. Ein Klas­si­ker in einem sei­ner Stü­cke ist die Rol­le des rei­ten­den Boten: „Dafür suche ich immer einen Vater aus, der dann auf einem Ste­cken­pferd rei­tet und eine wich­ti­ge Bot­schaft vor­liest. Wenn es mir gelingt, dass in der Fami­lie noch lan­ge über die­ses beson­de­re, gemein­sa­me Erleb­nis gespro­chen wird, dann weiß ich, dass ich mei­nen Job erfüllt habe.“

„Pas­ser par­tout“ – einer für alles

Sei­nen Künst­ler­na­men Mr. Pas­se­par­tout hat er wohl­über­legt. Das fran­zö­si­sche Wort drückt aus, das etwas über­all passt; so wie bei­spiels­wei­se ein Pas­se­par­tout als Rah­men für jedes Bild geeig­net ist. „Ich emp­fin­de mich so, dass ich in jeden Rah­men hin­ein­pas­se. Ich spie­le für Kin­der und Erwach­se­ne, mache Zau­ber­kunst­stü­cke, Kas­perl­thea­ter und Floh­zir­kus.“

Mr. Pas­se­par­tout ver­fügt über ein viel­sei­ti­ges Reper­toire und ist immer unter Men­schen. Da fragt man sich, wie sein Leben im Pri­va­ten aus­sieht. „Ich lebe sehr zurück­ge­zo­gen, weil ich die Ruhe brau­che“, sagt er und lacht: „Ich muss auf­pas­sen, dass ich nicht men­schen­scheu wer­de.“ Sor­gen braucht man sich wohl nicht, dass das je ein­tre­ten wird, denn man spürt deut­lich, dass Ingo Mich­eu für das Geschich­ten­er­zäh­len lebt.

Online-Tipp: www.villacher-kasperl.at

18.12.2022 16:50
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Will­kom­men in der Zau­ber­welt Ingo Micheu lebt seinen Traum. Seit seiner Kindheit weiß er, dass er Zauberwelten erschaffen und Geschichten erzählen will.

© Helmuth Weichselbraun