Gewerbe und Handwerk
Konjunktur zeigt massive Belastungen auf
Der Konjunkturaufschwung ist ausgeblieben: Die Situation der Gewerbe- und Handwerksbetriebe in Kärnten ist sehr angespannt. Alle Branchen haben mit teils großen Belastungen zu kämpfen.
Lieferengpässe, hohe Energie- und Rohstoffpreise und Fachkräftemangel – die Handwerker im Lande sind stark verunsichert. Das spiegelt auch das Ergebnis der Konjunkturbeobachtung, durchgeführt von der KMU Forschung Austria, für das Gesamtjahr 2022 und das erste Quartal 2023 wider. Die Umsätze stiegen in Kärnten im Vorjahr nominell, sanken aber inflationsbereinigt um real drei Prozent. Die Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe beurteilen die Geschäftslage im ersten Quartal 2023 schlechter als im Vorjahresquartal. Auch im
zweiten Quartal 2023 sind die Erwartungen in Hinblick auf die Auftragseingänge und Umsätze sehr getrübt. „Vor allem im Bau- und im Baunebengewerbe hat sich die Lage stark eingetrübt. Hier sind die Aufträge, die massiv unter den verschärften Vergaberegeln für Wohnbaukredite leiden, eingebrochen. Gerade im Bereich des Neubaus werden Projekte verschoben oder gänzlich abgesagt“, berichtet Klaus Kronlechner, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten.
Investitionen sind stark zurückgegangen
Im Durchschnitt investierten die Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe im Jahr 2022 mit rund 4.800 Euro je Beschäftigten um acht Prozent weniger als im Jahr davor. Für heuer planen 40 Prozent der Wirtschaftstreibenden Investitionen vorzunehmen.
Erwartungen nach Branchen unterschiedlich
Insgesamt ist das Stimmungsbarometer zu Beginn des Jahres 2023 – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum — gesunken. Im ersten Quartal 2023 ist der Anteil der Betriebe mit einer schlechten Geschäftslage mit 24 Prozent höher als jener im vierten Quartal 2022 mit 18 Prozent. Kronlechner: „Im zweiten Quartal 2023 geht es bei den Erwartungen wieder leicht aufwärts. Der Anteil der Unternehmen, die mit steigenden Auftragseingängen und Umsätzen rechnen, steigt gegenüber dem ersten Quartal 2023 von sieben Prozent auf 16 Prozent und der Anteil jener, die Rückgänge erwarten ist geringer geworden.“ Während die konsumnahen Branchen wie Lebensmittel, Personaldienstleister aber auch Kfz-Werkstätten noch mit positiven Erwartungen in Bezug auf Auftragseingänge und den Umsatz ins zweite Quartal 2023 gehen, blickt die Sparte Gesundheit/Wellness und vor allem das Bauhauptgewerbe negativ auf die kommenden Monate.
Wo es „drückt“
Was Gewerbe und Handwerk im Jahr 2023 am meisten und häufigsten „drückt“ sind Geschäftsbeeinträchtigung durch Preissteigerungen bei Energie (58 Prozent), Rohstoffen und Materialien (72 Prozent). Den Fachkräftemangel spüren 56 Prozent der Befragten massiv.
Ausblick
Die nach wie vor kritische Situation auf den Rohstoffmärkten, die sich durch den Krieg in der Ukraine nochmals zugespitzt hat, sowie die Preissteigerungen im Energiebereich sorgen für zusätzliche Schwierigkeiten. Unterstützung seitens der neuen Kärntner Landesregierung wird vor allem die Kärntner Bauwirtschaft brauchen. Sie wird 2023 konjunkturell auf Grund mehrerer Faktoren negativ betroffen sein. Jetzt sind Bauimpulse notwendig. Bei der Sanierungsrate hinkt Österreich massiv hinterher. Es werden nur rund 1,5 Prozent der Gebäude mit Sanierungsbedarf jährlich klimafit gemacht. Für die Erreichung der Klimaziele müssten jährlich drei Prozent des Gebäudebestandes saniert werden. Dieses Ziel sollte auch die Wohnbauförderung verfolgen und etwa für umfassende Sanierungen Fördermodelle entwickeln, die den Haus- und Wohnungseigentümern mehrere Jahre für Maßnahmen Zeit geben und Flexibilität bei den zu setzenden Sanierungsmaßnahmen zugestehen.

Unternehmen blicken mit Zuversicht in die Zukunft
Für alle Branchen gilt: Überlebenswichtige Planbarkeit wie in der Vergangenheit gibt es derzeit nicht. Für das Jahr 2023 besteht grundsätzlich Zuversicht, die die Unternehmen positiv nach vorne blicken lässt. „Die Betriebe hoffen auf eine Verbesserung der Wirtschaftslage. Große Sorgen bereiten ihnen die nachlassende Kundennachfrage und die steigenden Kosten. Nicht zuletzt wird der Fachkräftemangel eine sehr große Herausforderung sein“, sagt Kronlechner abschließend.

