Rechnungsabschluss

“Zuerst Work, dann Balan­ce”

Bei seiner Frühjahrssession beschloss das Kärntner Wirtschaftskammerparlament einstimmig den Rechnungsabschluss 2022. Präsident Mandl brach eine Lanze für die Leistung und kritisierte die „Festung Österreich“.

“Zuerst Work, dann Balan­ce” Präsident Jürgen Mandl, Vize-Präsidentin Astrid Legner, die Vize-Präsidenten Alfred Trey, Günter Burger und Otmar Petschnig sowie Kammerdirektor Meinrad Höfferer. (von links)

© WKK/Peter Just

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Die gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung berei­tet Kam­mer­prä­si­dent Jür­gen Man­dl der­zeit eben­so viel Sor­gen wie die Poli­tik. An die etwa 80 Dele­gier­ten zum Kärnt­ner Wirt­schafts­par­la­ment — der zwei­mal jähr­li­chen statt­fin­den­den Haupt­ver­samm­lung — rich­te­te Man­dl heu­te Nach­mit­tag den flam­men­den Appell, gegen den Trend anzu­kämp­fen: „20 Stun­den, drei Tage Arbeit pro Woche — auf die­se Wei­se wer­den wir den Wohl­stand, den wir uns alle in Öster­reich hart erar­bei­tet haben, nicht erhal­ten kön­nen!“

Letz­ten Jah­re Dis­kurs ver­mie­den

Schuld dar­an ist laut Man­dl auch der Umstand, dass man in den ver­gan­ge­nen Jah­ren jedem Dis­kurs über den Zusam­men­hang zwi­schen Leis­tung und Erfolg aus dem Weg gegan­gen sei: „Wir haben uns ange­sichts die­ser Ten­den­zen weg­ge­duckt, aber es ist höchs­te Zeit, dass wir in die­se Aus­ein­an­der­set­zung wie­der ein­stei­gen. Wenn wir über das Schlag­wort Work-Life-Balan­ce reden, dann müs­sen wir klar­ma­chen: Zuerst kommt Work, dann kommt Balan­ce! Wer 20 Stun­den arbei­ten will in der Woche, ist der nächs­te Not­zu­ver­sor­gen­de, weil die Pen­si­on nie und nim­mer rei­chen wird!“

Team­ar­beit als Garant des Wohl­stands

Kri­tik an der heu­ti­gen Arbeits­welt wies Man­dl zurück: „Man muss nicht irgend­wel­chen Fik­tio­nen Glau­ben schen­ken, son­dern in die Betrie­be hin­ein­ge­hen und sich die Rea­li­tät anschau­en, wie qua­li­täts­voll wir mit unse­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern umge­hen: Die­se Team­ar­beit wird auch in Zukunft unser aller Wohl­stand gewähr­leis­ten!“

Aus­län­di­sche Arbeit­neh­mer sind wert­voll

Eine kla­re Absa­ge erteil­te Man­dl aus­län­der­feind­li­chen Ten­den­zen in der hei­mi­schen Poli­tik. Öster­reich ver­die­ne mehr als die Hälf­te sei­nes Brut­to­in­lands­pro­dukts im Export, ohne aus­län­di­sche Arbeit­neh­mer sei­en wich­ti­ge Gesell­schafts- und Wirt­schafts­be­rei­che wie die Alten­pfle­ge oder der Bau gar nicht auf­recht­zu­er­hal­ten. Die „Fes­tung Öster­reich“ sei ein fata­ler Irr­weg, ist Man­dl über­zeugt: „Wer glaubt, wir machen jetzt den Laden dicht, wird sich wun­dern. So scha­det man einem Stand­ort.“

Bewer­tung der Kam­mer über­durch­schnitt­lich

Wie man hin­ge­gen einem Wirt­schafts- und Lebens­stand­ort nützt, berich­te­te WK-Direk­tor Mein­rad Höf­fe­rer. Die Wirt­schafts­kam­mer habe mit ihrem recht­zei­tig zur Land­tags­wahl ver­öf­fent­lich­ten Grund­satz­pa­pier „Wei­chen­stel­lun­gen“ die Wirt­schafts­in­ter­es­sen stark im Regie­rungs­pro­gramm ver­an­kern kön­nen. Die gute Arbeit der Kam­mer wür­de auch eine aktu­el­le, öster­reich­wei­te Unter­neh­mer­um­fra­ge bewei­sen: Die Gesamt­zu­frie­den­heit liegt in Kärn­ten mit 2,3 nach dem Schul­no­ten­sys­tem über dem Öster­reich-Schnitt, die WK sei — gemein­sam mit den Steu­er­be­ra­tern — der wich­tigs­te Ser­vice­part­ner der hei­mi­schen Betrie­be.

Feed­back-Sys­tem bei Bera­tun­gen

Um die­se Best­no­ten zu hal­ten, kün­dig­te Höf­fe­rer die Ein­füh­rung eines neu­en Feed­back-Sys­tems bei Bera­tun­gen durch die Kam­mer­spe­zia­lis­ten an. Mit dem wei­te­ren Aus­bau der kam­mer­ei­ge­nen PV-Anla­gen sowie einem strik­ten Ener­gie­spar­kurs nimmt die WK eine Vor­rei­ter­rol­le bei der Ener­gie­wen­de ein. Die­ser Zeit­geist soll auch in einer sen­si­blen Moder­ni­sie­rung des denk­mal­ge­schütz­ten Kam­mer­fest­saals mit sei­nen präch­ti­gen Lustern und Lobis­ser-Bil­dern Aus­druck fin­den.

Inves­ti­ti­on in Test Cen­ter Car­in­thia

Der von Finanz­re­fe­rent Peter Gau­per vor­ge­stell­te und mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit (bei zwei Ent­hal­tun­gen der Grü­nen Wirt­schaft) ange­nom­me­ne Rech­nungs­ab­schluss für das Jahr 2022 weist einen Bilanz­ge­winn von 2,026 Mio. Euro aus. Die­ser dient stra­te­gi­schen wich­ti­gen Zie­len wie der aktu­el­len Errich­tung des Test Cen­ters Car­in­thia (TCC), das ein Mei­len­stein in der Berufs­ori­en­tie­rung für Erwach­se­ne wer­den soll. Mit die­ser Inves­ti­ti­on legt die Wirt­schafts­kam­mer Kärn­ten wei­ter­hin einen Schwer­punkt auf das The­ma Bil­dung und Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung, in das in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren bereits mehr als 50 Mil­lio­nen Euro an Mit­glieds­bei­trä­gen geflos­sen sind.

24.05.2023 08:00
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“Zuerst Work, dann Balan­ce” Präsident Jürgen Mandl, Vize-Präsidentin Astrid Legner, die Vize-Präsidenten Alfred Trey, Günter Burger und Otmar Petschnig sowie Kammerdirektor Meinrad Höfferer. (von links)

© WKK/Peter Just