Südösterreich

“Road­show” wirbt für Poten­zi­al des Kor­alm­tun­nels

Welches Potential die Koralmbahn für die Bezirke Klagenfurt und Klagenfurt Land hat, präsentierten Wirtschaftsvertreter vor Klagenfurter Politikern und Unternehmern.

“Road­show” wirbt für Poten­zi­al des Kor­alm­tun­nels Bernhard Lamprecht, Herwig Draxler, Bürgermeister Christian Scheider und Peter Weidinger. Wirtschaftsstadtrat Max Habenicht, Christoph Neuscheller, Hannes Hafner, Vizebürgermeister Philipp Liesnig, Reinhard Wallner und Ewald Verhounig (von hinten links nach vorne rechts).

© WKK/Peter Just

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“Wir ste­hen heu­te hier, um über zwei weg­wei­sen­de The­men zu spre­chen, die nicht nur die Lan­des­haupt­stadt Kla­gen­furt, son­dern auch die umlie­gen­den Regio­nen in eine neue Zukunft füh­ren wer­den: den Wirt­schafts­raum Süd und die Kor­alm­bahn“. Mit die­sen Wor­ten eröff­ne­te  Franz Ahm, Obmann der Wirt­schafts­kam­mer-Bezirks­stel­le Kla­gen­furt, die Auf­takt­ver­an­stal­tung der Road­show-Rei­he „Wirt­schafts­raum Süd­ös­ter­reich — Das Poten­ti­al des Kor­alm­bahn­tun­nels“, zu der er gemein­sam mit Chris­tia­ne Holz­in­ger, Obfrau der Wirt­schafts­kam­mer-Bezirks­stel­le Kla­gen­furt Land, zahl­rei­che Ver­tre­ter aus Wirt­schaft und Poli­tik gela­den hat­te.

Neu­es Bahn­zeit­al­ter beginnt

Wenn am 10. Dezem­ber die­ses Jah­res das ers­te Teil­stück der Kor­alm­bahn zwi­schen Kla­gen­furt und Wolfs­berg — wenn auch nur ein­glei­sig — in Betrieb genom­men wird, beginnt in Kärn­ten ein neu­es Bahn­zeit­al­ter. Danach geht es Zug um Zug wei­ter bis zur Fer­tig­stel­lung des Jahr­hun­dert­pro­jek­tes in etwa 800 Tagen, das Kärn­ten und Stei­er­mark zum zweit­größ­ten Wirt­schafts­raum Öster­reichs machen wird. Die künf­ti­ge AREA Süd, so die neue Dach­mar­ke der Wirt­schafts­kam­mern Kärn­ten und Stei­er­mark, umfasst knapp ein Drit­tel der Flä­che Öster­reichs, auf der rund 1,8 Mil­lio­nen Men­schen und mehr als 50.000 Arbeit­ge­ber­be­trie­be mit 730.000 Beschäf­tig­ten eine Wirt­schafts­leis­tung von knapp 70 Mil­li­ar­den Euro erbrin­gen.

Chan­cen für Kla­gen­furt

Auch für die Lan­des­haupt­stadt Kla­gen­furt wer­den sich vie­le neue Chan­cen erge­ben. Jetzt gilt es, auf den Zug auf­zu­sprin­gen und die dafür not­wen­di­gen Rah­men­be­din­gun­gen auf Schie­ne zu brin­gen. Ahm: „Die AREA Süd und die Kor­alm­bahn wer­den Kla­gen­furt und Umge­bung schnel­ler und effi­zi­en­ter mit dem Rest Öster­reichs und dar­über hin­aus ver­bin­den. Die Kor­alm­bahn ist aber nicht nur ein wich­ti­ger Ver­kehrs­weg, son­dern auch ein Sym­bol für die Zusam­men­ar­beit der Kärnt­ner Regio­nen. Sie bringt die Wirt­schafts­räu­me näher zusam­men und schafft neue Chan­cen für alle Unter­neh­men.“

Deutsch­lands­berg und Wolfs­berg

Über die Chan­cen und Poten­zia­le des neu­en Wirt­schafts­rau­mes Süd refe­rier­ten im Rah­men der Road­show die Lei­ter der Wirt­schafts­po­li­tik der WK Kärn­ten und der WK Stei­er­mark, Her­wig Drax­ler und Ewald Ver­hounig. „Als Zubrin­ger zur Kor­alm­bahn müs­sen auch ande­re Bahn­stre­cken wei­ter aus­ge­baut wer­den“, beton­te Drax­ler, der im mit Ita­li­en ver­ein­bar­ten Zoll­kor­ri­dor Tri­est-Für­nitz ein wei­te­res gro­ßes Poten­zi­al für zukünf­ti­ge Ent­wick­lun­gen in der Regi­on sieht. Drax­ler: „Die Pend­ler­strö­me zwi­schen den ein­zel­nen Regio­nen ent­lang der Stre­cke wer­den deut­lich zuneh­men, neben Graz und Kla­gen­furt wer­den vor allem Deutsch­lands­berg und Wolfs­berg pro­fi­tie­ren.“ Es stel­le sich daher die Fra­ge, so Ver­hounig, wie sich das Ver­hal­ten der Men­schen, die Arbeits­lo­sig­keit, die Beschäf­ti­gung und die Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung ver­än­dern wür­den. Die posi­ti­ven Effek­te wür­den weit über Kla­gen­furt und Graz hin­aus­strah­len. „Das erwei­ter­te Ein­zugs­ge­biet reicht dann von der süd­li­chen Ober­stei­er­mark bis nach Vil­lach“, so Ver­hounig. Eine gro­ße Chan­ce also, den nega­ti­ven demo­gra­fi­schen Trend in der Regi­on Süd­ös­ter­reich zu bre­chen.

Nur mehr 800 Tage

Rein­hard Wall­ner, Bereichs­lei­ter der ÖBB für den Per­so­nen­ver­kehr Kärn­ten, infor­mier­te über die Chan­cen, die die Kor­alm­bahn für Süd­ös­ter­reich brin­gen wird. „Mit der Inbe­trieb­nah­me rückt Süd­ös­ter­reich in ein Umfeld hoch­wer­ti­ger Ver­kehrs­in­fra­struk­tur, die Rei­se­zei­ten wer­den mit dem Indi­vi­du­al­ver­kehr nicht mehr mach­bar sein. Mit der Voll­in­be­trieb­nah­me wird der gesam­te öffent­li­che Ver­kehr durch die Ein­füh­rung des inte­grier­ten Takt­ver­kehrs in Öster­reich ange­passt. Wir spre­chen hier von einer Ver­vier­fa­chung des Fern­ver­kehrs von und nach Kärn­ten, dem Aus­bau des Nah­ver­kehrs und dem zusätz­li­chen Aus­bau des Ange­bots auch in den Rand­zei­ten und am Wochen­en­de“. Es brau­che das Zusam­men­spiel aller Betei­lig­ten, um die Men­schen zum Umstieg vom Indi­vi­du­al­ver­kehr auf den öffent­li­chen Ver­kehr zu bewe­gen, mahn­te Wal­ler: „Auch wenn ich immer höre, es sind nur mehr 800 Tage: Wenn man jetzt erst damit beginnt, Pro­jek­te zu pla­nen, ist das viel zu spät. Die Bahn wird frü­her in Betrieb gehen, als die Pro­jek­te auf Schie­ne gebracht wer­den.“

Her­aus­for­de­run­gen

Mit der Fer­tig­stel­lung des Kor­alm­bahn-Tun­nels ent­steht ein neu­er Wirt­schafts­raum Süd­ös­ter­reich, der auch für die Bezir­ke Kla­gen­furt und Kla­gen­furt-Land von gro­ßer Bedeu­tung sein wird. Neben vie­len Chan­cen war­ten aber auch noch gro­ße Her­aus­for­de­run­gen, die ohne gemein­sa­mes Han­deln aller wich­ti­gen Play­er nicht gestemmt wer­den kön­nen. Dar­über dis­ku­tier­ten im Anschluss an die Prä­sen­ta­tio­nen Ver­tre­ter aus Wirt­schaft und Poli­tik. Um die­se Auf­ga­ben zu bewäl­ti­gen, müs­se die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Stadt und Land ver­bes­sert wer­den, es feh­le auch an einer gemein­sa­men Stra­te­gie für die Ent­wick­lung Kärn­tens. Eben­so müs­se der Wohn­raum- und Kin­der­gar­ten­platz­man­gel besei­tigt wer­den. Dies sei­en ent­schei­den­de Fak­to­ren, um Unter­neh­men anzu­sie­deln und in wei­te­rer Fol­ge Kärn­ten für Fach­kräf­te attrak­tiv zu machen. Der Tou­ris­mus ist posi­tiv gestimmt, weist aber dar­auf hin, dass der Lärm der Züge vie­le Gäs­te davon abhal­te, in den Wör­ther­see-Gemein­den, die direkt an der Bahn­stre­cke lie­gen, zu urlau­ben.

Eine Jahr­hun­dert­chan­ce

Ahm for­der­te daher ein­mal mehr dazu auf, die Kla­gen­fur­ter Stadt­po­li­tik möge end­lich vom Reden ins Han­deln kom­men: „Es sind nur mehr 800 Tage bis zur Voll­in­be­trieb­nah­me.“ Für NAbg. Peter Wei­din­ger ist die Kor­alm­bahn die Jahr­hun­dert­chan­ce für Kärn­ten und die Stei­er­mark. „Die bei­den Bun­des­län­der wer­den deut­lich näher zusam­men­rü­cken, was sich auch auf den Arbeits­markt, den Lebens­raum und damit auf das Fach­kräf­t­e­the­ma posi­tiv aus­wir­ken wird. Wich­tig ist es jetzt, die Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen und auch das Bewusst­sein in der Bevöl­ke­rung für den öffent­li­chen Ver­kehr zu schär­fen“, so Wei­din­ger. Das sieht auch Wirt­schafts­stadt­rat Max Habe­nicht: „Kla­gen­furt ist auf dem bes­ten Weg, sich bes­ser zu ver­kau­fen. Lei­der gibt es nicht genü­gend Flä­chen, um Gewer­be­be­trie­be anzu­sie­deln. Die Flä­chen wer­den umge­wid­met, aber die Eigen­tü­mer geben die­se nicht frei. Das kann es nicht sein!“

Chan­cen und Gefah­ren

Wel­che Chan­cen und Gefah­ren auf die neue Super­re­gi­on zukom­men wer­den, dar­über wur­de im Anschluss dis­ku­tiert:

Chris­ti­an Schei­der, Bür­ger­meis­ter Kla­gen­furt:

„Die Kor­alm­bahn ist eine gro­ße Chan­ce. Wir sind in Kla­gen­furt sehr gut auf­ge­stellt, arbei­ten inten­siv mit der Alpen Adria Uni­ver­si­tät zusam­men und haben in der Lan­des­haupt­stadt einen wich­ti­gen Bil­dungs­stand­ort geschaf­fen. Die Stu­die­ren­den kom­men aus aller Welt. Wir sehen es als gro­ße Chan­ce, Stu­die­ren­de aus der Stei­er­mark nach Kärn­ten zu holen. Unse­re Stadt punk­tet mit Lebens­qua­li­tät, wir sind Vor­rei­ter in der Kli­ma­po­li­tik. Aber es fehlt die gemein­sa­me Anstren­gung. Jeder macht sei­ne eige­ne Stra­te­gie, die Lan­des­po­li­tik muss end­lich han­deln. Kla­gen­furt wird mit der Kor­alm­bahn sehr attrak­tiv, zum Arbei­ten, Stu­die­ren und Woh­nen. Und natür­lich auch für Tages­tou­ris­ten, die mit der Bahn an den Wör­ther­see zum Baden kom­men. Aber wenn es um die Finan­zie­rung vie­ler Pro­jek­te geht, dreht uns die Lan­des­po­li­tik den Hahn zu, da kön­nen wir nur gemein­sam die Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen.

Phil­ipp Lies­nig, Vize-Bür­ger­meis­ter Kla­gen­furt:

„Es fehlt an Ori­en­tie­rung, Visio­nen und einem gemein­sa­men Ziel. Die Abläu­fe in der Ver­wal­tung könn­ten bes­ser und effi­zi­en­ter sein. Kla­gen­furt ist eine fami­li­en­freund­li­che und leben­di­ge Stadt. Mit dem geplan­ten Mes­se­pro­jekt wird uns ein wirt­schaft­li­cher Auf­schwung gelin­gen. Auch die Kor­alm­bahn sehe ich als gro­ße Chan­ce, wir müs­sen uns auf unse­re Stär­ken besin­nen, die Innen­stadt bele­ben und als Wohn­ge­biet attrak­tiv machen.“

Bern­hard Lam­precht, GF Lake­si­de Sci­ence & Tech­no­lo­gy Park, Kla­gen­furt:

„Bei uns im Lake­si­de­park sind sehr vie­le inter­na­tio­na­le Unter­neh­men ange­sie­delt. Die, die sich ent­schie­den haben, beruf­lich nach Kärn­ten zu kom­men, sind zufrie­den, vie­le von ihnen blei­ben. Wir haben kei­ne Angst, dass Mit­ar­bei­ter in Kla­gen­furt woh­nen und in Graz arbei­ten. Wich­tig ist, dass der Arbeits- und Lebens­raum passt. Wir haben aber zu wenig Kin­der­gar­ten­plät­ze und zu wenig Wohn­raum. Die Men­schen wol­len schön woh­nen, dazu gehört auch ein attrak­ti­ver Takt des öffent­li­chen Ver­kehrs.“

Han­nes Haf­ner, Vize-Bür­ger­meis­ter Kött­manns­dorf und Eigen­tü­mer der Regio­nal­wär­me Grup­pe:

„Wir von der Gemein­de Kött­manns­dorf sind stolz, Teil des Pro­jek­tes Kor­alm­bahn zu sein. Unse­re Bür­ge­rin­nen und Bür­ger pro­fi­tie­ren enorm davon. Die neu errich­te­te Hal­te­stel­le Kött­manns­dorf Lam­bichl samt Park & Ride-Anla­ge ist eine enor­me Ver­bes­se­rung für die Bevöl­ke­rung, vie­le sind auf die umwelt­freund­li­che Bahn umge­stie­gen. Wenn der öffent­li­che Ver­kehr attrak­tiv ist, wird er auch genutzt.“

Chris­toph Neuschel­ler, Schloss Leons­tain, Pört­schach:

„Die Kor­alm­bahn ist zwei­fel­los eine gro­ße Chan­ce für uns alle, auch für den Tou­ris­mus. Sie bringt aber auch vie­le Pro­ble­me mit sich. Lärm ist stö­rend und wie die WHO immer wie­der betont, Lärm ist Kör­per­ver­let­zung. Auch wenn die Bahn ein wich­ti­ger Impuls­ge­ber für den Tou­ris­mus ist, gibt es vie­le Betrie­be, die unter dem Bahn­lärm lei­den. Er hält vie­le Gäs­te davon ab, bei uns Urlaub zu machen. Es ist schlimm, dass Ver­kehrs­mi­nis­te­rin Leo­no­re Gewess­ler die Gesund­heit der Men­schen nicht wich­tig ist. Wenn die ÖBB die Grenz­wer­te nicht ein­hal­ten kann, dann müs­sen die Züge eben lang­sa­mer fah­ren.“

Die wei­te­ren Ter­mi­ne der Road­shows fin­den Sie hier.

 

14.10.2023 09:00 - Update am: 14.10.2023 09:13
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“Road­show” wirbt für Poten­zi­al des Kor­alm­tun­nels Bernhard Lamprecht, Herwig Draxler, Bürgermeister Christian Scheider und Peter Weidinger. Wirtschaftsstadtrat Max Habenicht, Christoph Neuscheller, Hannes Hafner, Vizebürgermeister Philipp Liesnig, Reinhard Wallner und Ewald Verhounig (von hinten links nach vorne rechts).

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