Teuerung

Kärnt­ner Wirt­schaft: Stim­mung im Kel­ler

Kärntner Investitions- und Konjunkturkonferenz (KIKK) mit niedrigstem Erwartungsindex seit Umfragestart 2009. Wirtschaftskammer verlangt ein „Wachstumschancengesetz“.

Kärnt­ner Wirt­schaft: Stim­mung im Kel­ler Die Wirtschaftskammer Kärnten lud zur 19. Investitions- und Konjunkturkonferenz. Wirtschaftskammer-Direktor Meinrad Höfferer, ÖVP-Klubobmann Markus Malle, Landeshauptmann Peter Kaiser, Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig, Wirtschaftskammer Kärnten-Präsident Jürgen Mandl, Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber, Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig, Herwig Draxler, Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Kärnten, Thomas Eibl, Abteilung für Wirtschaftspolitik der WKÖ, FPÖ-Klubobmann-Stv. Gernot Darmann und FPÖ-Klubobmann Erwin Angerer. (von links)

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Bei der mitt­ler­wei­le 19. Auf­la­ge des KIKK gab es von Sei­ten der sie­ben Spar­ten­ver­tre­ter der Kärnt­ner Wirt­schafts­kam­mer für die Spit­zen der Lan­des­re­gie­rung zwar ein Niko­losa­ckerl, aber kei­ne guten Nach­rich­ten: Alle im Zuge des Kon­junk­tur­ba­ro­me­ters bei Kärnt­ner Unter­neh­men abge­frag­ten Indi­ka­to­ren sind tief im roten Bereich, der Sal­do der Erwar­tun­gen für das Wirt­schafts­kli­ma im kom­men­den Jahr erreicht ein All­zeit­tief und liegt mit einem Wert von ‑78 noch deut­lich unter jenen zu Beginn der regel­mä­ßi­gen Erhe­bung im Zuge der Finanz- und Wirt­schafts­kri­se 2009 oder wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie 2021. WK-Prä­si­dent Jür­gen Man­dl beim Pres­se­ge­spräch nach dem KIKK: „Die Stim­mung war noch nie so schlecht wie jetzt. Wir haben mit der Lan­des­re­gie­rung heu­te inten­siv über ein Kärnt­ner Wachs­tums­chan­cen­ge­setz mit stär­ke­rer Unter­stüt­zung und deut­li­cher büro­kra­ti­scher Ent­las­tung der Unter­neh­men gespro­chen, um die­se Kri­se zu bewäl­ti­gen.“

Sor­ge um Wett­be­werbs­fä­hig­keit

Denn deut­li­cher, so der obers­te Wirt­schafts­ver­tre­ter des Lan­des, kön­ne die War­nung der Wirt­schaft nicht sein: „Kla­rer im nega­ti­ven Bereich hät­te die Umfra­ge gar nicht aus­fal­len kön­nen.“ Beson­de­re Sor­gen macht Man­dl, dass die Hälf­te der Unter­neh­men sin­ken­de Export­um­sät­ze erwar­ten — eine Fol­ge von stei­gen­den Lohn‑, Lohn­ne­ben- und Lohn­stück­kos­ten. „In einer Situa­ti­on, wo wir heu­te schon weni­ger geleis­te­te Arbeits­zeit haben als ande­re Län­der, ist die Dis­kus­si­on um eine wei­te­re Arbeits­zeit­ver­kür­zung im welt­wei­ten Wett­be­werb nicht hilf­reich!“

Wachs­tums­chan­cen nut­zen

Ein wei­te­res Sor­gen­kind aus Sicht der Wirt­schaft ist die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung: Bis 2040 wer­den in Kärn­ten 40.000 Per­so­nen im erwerbs­fä­hi­gen Alter feh­len. „Durch qua­li­fi­zier­ten Zuzug muss es uns gelin­gen neue Arbeits­kräf­te zu gewin­nen. Daher ist es wich­tig, die rich­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen im Land zu schaf­fen, damit wir Men­schen davon über­zeu­gen kön­nen, Kärn­ten zu ihrem Lebens­mit­tel­punkt zu machen.“ Mit einem „Kärnt­ner Wachs­tums­chan­cen­ge­setz“ mit 25 kon­kre­ten Maß­nah­men von vor­ge­zo­ge­nen Bau­in­ves­ti­tio­nen über zusätz­li­che Inves­ti­ti­ons­an­rei­ze bis zum Abbau büro­kra­ti­scher Hemm­nis­se will die Wirt­schaft nun gemein­sam mit der Lan­des­po­li­tik kon­junk­tu­rell rasch gegen­steu­ern. Man­dl: „Denn eines haben wir nicht: Zeit.“

Poli­tik beschwört Zusam­men­halt

Die Bot­schaft ist bei der poli­ti­schen Spit­ze des Lan­des ange­kom­men. „Wir wer­den öffent­li­che Auf­trä­ge vor­zie­hen, um die Inves­ti­tio­nen zu stei­gern“, kün­dig­te Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser an. Er ver­traut zwar auf eine „gewis­se Robust­heit“ des Kärnt­ner Arbeits­mark­tes, hält aber qua­li­fi­zier­ten Zuzug eben­falls für unum­gäng­lich. Der Aus­bau der Ener­gie­net­ze, eine sta­bi­le Grund­aus­bil­dung im schu­li­schen Bereich auf Basis der Gesamt­schu­le, die Stär­kung der Kauf­kraft und die Poten­tia­le der Kor­alm­bahn nann­te Kai­ser unter ande­rem als drin­gen­de Erfor­der­nis­se: „Wir sind her­aus­ge­for­dert, auch was den Zusam­men­halt weit über Par­tei- oder insti­tu­tio­nel­le Gren­zen hin­weg anlangt.“

Jahr­hun­dert­chan­ce Kor­alm­bahn

Der dra­ma­ti­sche Ein­bruch bei den Export­erwar­tun­gen alar­miert natur­ge­mäß auch Wirt­schafts­lan­des­rat Sebas­ti­an Schu­sch­nig: „Dar­un­ter lei­den vor allem mitt­le­re und gro­ße Unter­neh­men. Bei einer Export­quo­te von 65 bis 70 Pro­zent stel­len wir mit die­ser Ent­wick­lung den gesam­ten Wirt­schafts­stand­ort zur Dis­po­si­ti­on!“ Für ihn ist die Kor­alm­bahn auch dies­be­züg­lich eine Jahr­hun­dert­chan­ce, nicht nur beim Personen‑, son­dern vor allem beim Güter­ver­kehr: „Wir müs­sen an einem Strang zie­hen. Inves­ti­tio­nen am Logis­tik­stand­ort Für­nitz sind unab­ding­bar, um inter­na­tio­nal bestehen zu kön­nen. Der Güter­ver­kehr wird statt­fin­den — es geht dar­um die Wert­schöp­fung nach Kärn­ten zu brin­gen.“ Dabei nahm Schu­sch­nig kon­kret die ÖBB in die Pflicht: „Den sal­bungs­vol­len Wor­ten müs­sen in naher Zukunft Taten fol­gen!“

Rück­gang bei Inves­ti­tio­nen und Beschäf­ti­gung

Die wenig rosi­gen Aus­sich­ten des Kon­junk­tur- und Inves­ti­ti­ons­ba­ro­me­ters prä­sen­tier­te zu Beginn der Lei­ter der wirt­schafts­po­li­ti­schen Abtei­lung der Wirt­schafts­kam­mer, Her­wig Drax­ler. „Die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen sind die hohen Kos­ten für Arbeits­kräf­te und Roh­stof­fe sowie die Infla­ti­on und der Fach­kräf­te­man­gel.“ Dem­entspre­chend rück­läu­fig sind die Erwar­tun­gen der Unter­neh­men nicht nur im Export, son­dern auch bei Inves­ti­tio­nen und Beschäf­ti­gung. Als größ­te Her­aus­for­de­run­gen nennt die Wirt­schaft die hohen Arbeits­kos­ten 81 Pro­zent), die Prei­se von Ener­gie, Roh­stof­fen und Vor­leis­tun­gen (72 Pro­zent), die Infla­ti­on (70 Pro­zent) sowie den Arbeits- und Fach­kräf­te­man­gel (61 Pro­zent).

07.12.2023 14:00
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Kärnt­ner Wirt­schaft: Stim­mung im Kel­ler Die Wirtschaftskammer Kärnten lud zur 19. Investitions- und Konjunkturkonferenz. Wirtschaftskammer-Direktor Meinrad Höfferer, ÖVP-Klubobmann Markus Malle, Landeshauptmann Peter Kaiser, Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig, Wirtschaftskammer Kärnten-Präsident Jürgen Mandl, Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber, Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig, Herwig Draxler, Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Kärnten, Thomas Eibl, Abteilung für Wirtschaftspolitik der WKÖ, FPÖ-Klubobmann-Stv. Gernot Darmann und FPÖ-Klubobmann Erwin Angerer. (von links)

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