Klagenfurt
„Verstehe nur Bahnhof…“
„Die Straße des Irrtums ist mit guten Ratschlägen gepflastert“, schreibt die deutsche Sozialpädagogin Helga Schäferling in „LebensZeitReise“. Vermutlich kennt die Dame aus dem Nachbarland unsere „sterbende“ Asphaltstrecke mitten in der Kärntner Landeshauptstadt, die von vielen Politikern, Experten und Kaufleuten seit Jahren aus dem unnötigen Dornröschenschlaf gerissen werden soll.
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Richtig – Sie haben es erraten. Es geht um die Bahnhofsstraße, die ehemalige Einkaufsmeile, die längst nur mehr eine Meile ist. Mit teilweise leerstehenden Auslagen, unattraktiven Angeboten und diversen Konzepten, die man letztlich stümperhaft umgesetzt hat. Natürlich gab es bereits eine Reihe von eklatanten Fehlentscheidungen im Klagenfurter Rathaus und die ehrwürdige Straße – von der Kapuzinerkirche bis zum Bahnhof – musste darunter leiden. So hat man etwa die Ansiedelung vom „Zugpferd“ Kastner & Öhler verhindert – mit tatkräftiger Mithilfe der Wirtschaftskammer. Und das Projekt „Lebensraum Bahnhofstraße“ ging, freundlich ausgedrückt, ziemlich in die Hose. Kaufleute fürchteten bei fehlenden Parkplätzen eine niedrige Käuferfrequenz, andere verwiesen auf die stark frequentierten Fußgängerzonen in der Innenstadt. Mit den meisten der betroffenen Gastronomen und den Händlern wurde vor durchgeführten Aktionen keine Rücksprache gehalten, Betroffene fühlten sich nicht auf Augenhöhe mit den beamteten Umsetzern. Als Begegnungszone hat dieser Boulevard bereits ausgedient. Und was passiert jetzt? Wer die Bahnhofstraße als motorisierter Verkehrsteilnehmer Richtung Landesregierung befahren will, muss bei abgeschalteten Ampeln bei mindestens zwei wichtigen Kreuzungen stoppen! Hier hat man die Verkehrsregeln einfach umgedreht. Gratulation den Verantwortlichen – vermutlich lauter Geistesblitze! Auf diese Weise vertreibt man lustvoll Auto- und Mopedfahrer von diesem Straßenstück. Kein Wunder, dass immer wieder interessante Geschäfte und Lokale entlang dieser alten Strecke zusperren. Vielleicht sollte man doch mit wirksamen Aktionen versuchen, gefragte Geschäfte anzulocken, statt über weite Teile ein unattraktives Alltagsbild zu bieten?
Was den Straßenverkehr betrifft, findet man in Klagenfurt ohnehin einige sonderbare Regeln – etwa falsch eingestellte grüne Abbiegepfeile oder Abbiege-Maßnahmen, die zu Unfällen führen können, etwa stadtauswärts zu Beginn der Rosentalerstraße, wo Autos auf der Überholspur stoppen können oder müssen. Dann gibt es noch die hübsch uniformierten Magistratswächter, die unerklärlicherweise ein Einbiegen in die Lidmanskygasse mit ihrer ganzen Körperpracht verhindern, auch wenn am Donnerstag mittags der Markt längst abgebaut worden ist. Nichts da! Da kommt keiner rein oder wird gleich „saftig“ abgestraft! Schließlich warten wir ja noch auf die Kehrmaschine! Das klingt wie ein Faschingsscherz und die genervten Autofahrer müssen in dieser Zeit weiter lange im Kreis fahren, bis sie vielleicht eine Parklücke entdecken. Aber die „Privat-Sheriffs“ verweisen stur auf Anordnungen „von oben“. Außerdem könnte da jeder kommen. Und wer braucht schon vernünftige Argumente? Dass die Dreck aufwirbelnde laute Kehrmaschine zur Unzeit eingesetzt wird und damit viele Marktbesucher verscheucht, sei nur am Rande angemerkt. Vielleicht sollte sich doch jemand, der etwas von Verkehrsmaßnahmen versteht, den Klagenfurter Straßenplan genauer ansehen. Und vielleicht wird das ehemalige Prachtstück „Bahnhofstraße“ wieder einmal eine Flaniermeile, ein besonderes Stück Asphalt – wo man interessante Leute trifft oder eben beim Shoppen gesehen werden kann. Das erfordert aber „richtige Maßnahmen“, sonst versteht man nur „Bahnhof“. Vielleicht denkt man im neuen Jahr daran – über alle Parteigrenzen hinweg! Gute Fahrt! mg
