Ausgezeichnet
Zu Peter Handkes “geglückten Tag” in Wien
Der gebürtige Griffner Peter Handke erhielt kürzlich das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.
Peter Handke erhielt aus den Händen von Bundespräsident Alexander Van der Bellen das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich überreicht.© Peter Lechner/HBF
“Was Sie drei auszeichnet, ist die Hingabe zu einem Beruf, eine so intensive Hingabe, dass sie den Rahmen des Üblichen sprengt. Leidenschaft, Hartnäckigkeit — ja, und freilich auch Talent, Begabung”, sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen am frühen Donnerstagabend (22. Februar 2024) und meinte die Nobelpreisträger Eric Kandel, Anton Zeilinger und — Peter Handke. Der gebürtige Griffner erhielt die höchstmögliche Auszeichnung und Anerkennung, die Österreich vergeben kann: Das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich. Auszeichnungen geben auch immer dazu Anlass, auf das bisherige Leben des jeweils Ausgezeichneten zurückzublicken — das gestaltet sich bei Handke nicht gerade leicht.
Griffen und Berlin
So kam Peter Handke am 6. Dezember 1942 als Sohn von Maria Siutz und dem in Kärnten stationierten Soldaten Erich Schönemann im Haus seines Großvaters in Griffen zur Welt. Noch vor seiner Geburt heiratete seine Mutter den Soldaten Bruno Handke, den späteren Stiefvater. Ab 1944 lebte Maria Handke mit ihrem Sohn und Ehemann bei dessen Familie im Berliner Stadtteil Pankow, ehe die dreiköpfige Familie 1948 nach Griffen zurückzog.
Erste literarische Versuche
Zurück in Griffen besuchte Handke von 1948 bis 1954 die örtliche Volksschule und Hauptschule. Danach wechselte er an die Internatsschule Tanzenberg in Maria Saal und später an das Bundes- und Realgymnasium Klagenfurt, wo er 1961 seine Reifeprüfung mit Auszeichnung bestand. Ab 1955 gelingen ihm die ersten literarischen Versuche, sein Deutschlehrer Reinhard Musar förderte zudem Handke. Wie es auch heute bei jungen Menschen aus Kärnten der Fall ist, so führte Handkes Weg noch im gleichen Jahr der Reifeprüfung nach Graz, um im Anschluss ein Studium der Rechtswissenschaften zu beginnen.
Kontakt mit Alfred Kolleritsch
In Graz schloss er sich dem “Forum Stadtpark” an, eine im Jahr 1959 insbesondere von Alfred Kolleritsch gegründete Künstlervereinigung. Mit Kolleritsch verband ihn nicht nur eine enge Freundschaft, sondern als Herausgeber der auch heute noch erfolgreichen Literaturzeitschrift manuskripte die Möglichkeit, seine Texte regelmäßig zu publizieren. Nach der ersten Roman-Veröffentlichung (“Die Hornissen”, 1966) im Suhrkamp Verlag brach Handke sein Studium an der Universität Graz ab und widmete sich fortan ausschließlich dem Schreiben.
11.500 Seiten Handke
In seinem schriftstellerischen Leben legte Handke Theaterstücke als auch Prosatexte vor, dazu reihen sich zahlreiche Übersetzungen, Drehbücher und essayistische Texte ein. Das Gesamtwerk umfasst rund 11.500 Seiten. Also wo anfangen? Am besten bei seinem Stück “Publikumsbeschimpfung”, was 1966 für große Furore sorgte, als es in der Regie von Claus Peymann in Frankfurt aufgeführt wurde. Das Stück hat keine Handlung, was es aber nicht einfacher macht — im Mittelpunkt stehen die Sprache und ihre Produktion der Wirklichkeit. Von diesem Stück aus könnte es dann mit “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter”, “Der kurze Brief zum langen Abschied”, “Die Stunde der wahren Empfindung” oder auch “Langsame Heimkehr” und “Wunschloses Unglück” weitergehen.
Mit Peter Handke ankommen
Doch gerade der “Versuch über den geglückten Tag” ist angesichts der heutigen Zeitumstände ein immer wieder neu zu lesender Text. Denn Schnelllebigkeit, das Hasten von Termin zu Termin, die Beschädigungen des Lebens durch soziale Medien, der Verlust von Klarheit in der Welt, das manchmal ausufernde Unbehagen an der Gegenwart oder die tägliche Gewalt — ein Ankommen in intensiven Momenten wird somit schwieriger. Doch Handke vermittelt mit seinem Schreiben Augenblicke, Eindrücke, Wahrnehmungen und Empfindungen, in denen man wieder ankommt, und schärft mit seiner Sprache die Fähigkeit, solche Momente wieder zu erleben.
“Kein Wunder, dass Du, lieber Peter, auf diese Weise längst schon zu dem geworden bist, was Du vielleicht nie sein wolltest: ein Klassiker. Ja, tut mir leid, aber so ist es”, meint Van der Bellen in seinen Schlussworten. Nach längeren Aufenthalten in Salzburg, Berlin, Düsseldorf und Paris lebt Handke seit 1990 in Chaville, einem Vorort nahe Paris. Im Sommer besucht Peter Handke regelmäßig Griffen, wo damals mit seiner Geburt alles seinen Lauf nahm.
Online-Tipps: handkeonline.at, griffen.gv.at

