Wintertourismus

Knall­har­tes Pokern um die Groß­glock­ner Berg­bah­nen

Um das traumhafte Ski-Gebiet Heiligenblut wird gepokert, dass die Schneeflocken nur so fliegen und Murmeltiere in ihre Löcher flüchten!

Knall­har­tes Pokern um die Groß­glock­ner Berg­bah­nen Die Fleissbahnen einstellen wäre ein Schlag mitten ins Gesicht der Talbewohner und Mölltaler Gemeinden!

© Sodamin Paul

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Statt im Tou­ris­mus­land Kärn­ten gemein­sam eine rasche Lösung für das finan­zi­ell ange­schla­ge­ne Win­ter/­Som­mer-Urlau­ber­pa­ra­dies zu fin­den, wer­den tage­lan­ge Schein-Gefech­te mit Ulti­ma­ten geführt, kaum nach­voll­zieh­ba­re Ange­bo­te ver­wor­fen, ste­hen vor­über­ge­hend Kün­di­gun­gen im Raum und blei­ben Inves­to­ren wei­ter­hin anonym. Jetzt wol­len die bis­he­ri­gen Betrei­ber die Groß­glock­ner Berg­bah­nen „abge­speckt“ wei­ter­füh­ren – und die Fleiss­bah­nen ein­stel­len. Ein Schlag mit­ten ins Gesicht der Tal­be­woh­ner und Möll­ta­ler Gemein­den! Wen küm­mert das schon? Schließ­lich geht es um Gesell­schafts­an­tei­le, Garan­tien und Gewin­ne. Auch das Land sei kein Ban­ko­mat, lässt der zustän­di­ge Lan­des­rat wis­sen. Die Poli­tik setzt auf eine „lang­fris­ti­ge Lösung“.

Wan­dern im Reich des Groß­glock­ners. 40 Drei­tau­sen­der rings­um. Mit der Gebirgs­bahn Scha­reck von Hei­li­gen­blut durch drei Kli­ma­zo­nen. Traum­haf­te Pis­ten mit Schnee­si­cher­heit. Ein kur­zer Aus­zug aus einem Wer­be­block der Groß­glock­ner Berg­bah­nen, wo es längst nicht mehr um die Schön­hei­ten die­ses ein­zig­ar­ti­gen Land­schafts­ju­wels geht. Eine von einem renom­mier­ten Kla­gen­fur­ter Anwalt ver­tre­te­ne regio­na­le Inves­to­ren­grup­pe will bzw. woll­te das betref­fen­de Ski­ge­biet um einen Euro über­neh­men, frei­lich inklu­si­ve der Schul­den (Man spricht von einem Mil­lio­nen­be­trag). Eine Ver­hand­lungs­run­de in der Lan­des­re­gie­rung ver­lief ergeb­nis­los. Die Betrei­ber (Fami­li­en Schmidl und Schröcks­na­del) klag­ten über eine „zu gerin­ge Aus­las­tung“ und über „feh­len­de Gäs­te­bet­ten“. Des­halb sei der Betrieb kaum wirt­schaft­lich zu füh­ren. Eini­ge Lif­te stan­den bereits die­sen Win­ter still. 20 Mit­ar­bei­ter, die zunächst zur Kün­di­gung ange­mel­det wor­den sind, sol­len jetzt blei­ben kön­nen. Das betrof­fe­ne Ski­ge­biet wur­de im Jah­re 2001 von den aktu­el­len Eigen­tü­mern von der Gemein­de eben­falls zum sym­bo­li­schen Preis von einem Euro über­nom­men. Die Betrei­ber for­der­ten erneut einen Zuschuss aus Steu­er­mit­teln, um den Abgang abde­cken zu kön­nen. Auch eine Ver­pach­tung an das Land für meh­re­re Mil­lio­nen Euro war ange­dacht. Der zustän­di­ge Lan­des­rat Sebas­ti­an Schu­sch­nig schloss das aber dezi­diert aus. Schließ­lich ist das Land kein Betrei­ber von Tou­ris­mus­zen­tren. Und Schu­sch­nig for­dert eine nach­hal­ti­ge Lösung, um das Ski­ge­biet ent­spre­chend sanie­ren und in die Zukunft füh­ren zu kön­nen.  Der Poli­ti­ker: „Das geht nur mit einem Neu­start und neu­en Part­nern!“

Für die Groß­glock­ner Berg­bah­nen hält Franz Xaver Gru­ber als Spre­cher des Unter­neh­mens fest: „Ohne direk­te und per­sön­li­che Gesprä­che mit mög­li­chen neu­en Inves­to­ren und ohne die Plä­ne zu ken­nen wer­den wir an nie­man­den ver­kau­fen!“ Man hät­te ein Alter­na­tiv­sze­na­rio ent­wi­ckelt und wer­de die Berg­bah­nen im Sin­ne der Regi­on eigen­stän­dig wei­ter­be­trei­ben. Zudem wol­le man den Betrieb absi­chern. „In den letz­ten Jah­ren betrug der jähr­li­che Abgang zwi­schen 0,5 und 1 Mil­li­on Euro.“ Kon­kre­te Maß­nah­men wer­den noch geprüft, die Fleiss­bah­nen wären jedoch von Ein­spa­rungs­maß­nah­men betrof­fen. Gru­ber ver­weist auf wenig berau­schen­de „offi­zi­el­le Näch­ti­gungs­zah­len des Tou­ris­mus­ver­ban­des“- einen Näch­ti­gungs­rück­gang von 40 Pro­zent und man­geln­de Ange­bo­te von Beher­ber­gungs­be­trie­ben für Som­mer und Win­ter. Zudem hät­te man bei Mar­ke­ting- und Wer­be­maß­nah­men zu stark auf das The­ma „Natio­nal­park­re­gi­on“ gesetzt und weni­ger auf den Begriff „Berg­bah­nen mit Ski­an­ge­bot“. Gru­ber: „Es gilt nun, die Zusam­men­ar­beit mit Gemein­de, Regi­on und allen Betei­lig­ten wie­der auf­zu­neh­men.“ Das wird nicht leicht, viel Ver­trau­en ist mitt­ler­wei­le die Möll hin­un­ter­ge­flos­sen.

Doch der geplan­te Abbau und Ver­kauf der Fleis­salm (Tun­nel­bahn, Ses­sel­lift, zwei Schlepp­lif­te) sorgt bereits für hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen und schar­fe Kri­tik an der Betrei­ber­ge­sell­schaft. Der Hei­li­gen­blu­ter Bür­ger­meis­ter Mar­tin Lack­ner hält mit sei­ner Kri­tik nicht hin­ter dem Berg zurück: „Die­se Bahn führt doch zu den höchst­ge­le­ge­nen Pis­ten Kärn­tens! Eine Sper­re wäre eine Kata­stro­phe“.  Laut Aus­kunft des Lan­des gäbe es eine Betriebs­pflicht. Dazu müs­se der dazu­ge­hö­ri­ge Bescheid wider­ru­fen wer­den. Mit ande­ren Wor­ten: Das letz­te Wort ist noch nicht gespro­chen. Übri­gens – in Kärn­ten waren in den letz­ten Jah­ren meh­re­re „klei­ne“ Ski­ge­bie­te (Lif­te) wirt­schaft­lich ins Tru­deln gekom­men (stei­gen­de Ener­gie­prei­se, wenig Schnee, alte Anla­gen, feh­len­de Inves­ti­tio­nen). Erst in die­sem Monat muss­te das Ski­ge­biet Drei­län­der­eck mit 3,2 Mil­lio­nen Euro Schul­den Insol­venz anmel­den. Da ändern auch die gestie­ge­nen Lift­prei­se bzw. teu­ren Tages­kar­ten wenig.

-mg

23.03.2024 12:00 - Update am: 24.03.2024 06:24
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Knall­har­tes Pokern um die Groß­glock­ner Berg­bah­nen Die Fleissbahnen einstellen wäre ein Schlag mitten ins Gesicht der Talbewohner und Mölltaler Gemeinden!

© Sodamin Paul