"Im Zeitraffer"
Wenn der Herr Kickl auf sich aufpasst….
„Die Leute sagen mir neuerdings auch: Passen Sie auf sich auf, damit Ihnen nichts passiert, wie dem Jörg Haider“, erklärte FP-Chef Herbert Kickl in einem „Krone“-Interview. Was der gebürtige Kärntner mit dieser Aussage wohl meint?
© FPÖ
Vermutlich soll er nicht alkoholisiert und mit überhöhter Geschwindigkeit ein PS-starkes Auto lenken! Der „Oberblaue“ dürfte aber – im Nationalratswahlkampfjahr – eher die bizarren, peinlichen und aufgeblasenen Verschwörungstheorien meinen, die seit dem tragischen Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes kursieren. Die reichen von einem „Angriff durch Außerirdische“ über „eine gezielte Falle dunkler und geheimer Mächte“ bis hin zur einer „Aktion des Mossad“.
Für Geheimdienste großer Länder war der „Jörg“ einfach zu wenig wichtig und keinesfalls international einflussreich. Es handelte sich lediglich um einen Bundesländer-Chef, der sich stets um einen Sonnen-Platz in lokalen und ausländischen Medien bemühte. Kickl ist viel zu intelligent, als die kruden Verschwörungstheorien über seinen einstigen Chef ernst zu nehmen. Doch solange die anderen Parteien bzw. deren Chefs beim Wähler nicht mehr mit Glaubwürdigkeit, Sozialem und Ehrlichkeit punkten, werden Protestparteien in Krisenzeiten Stimmen lukrieren. Motto: „Wir gemeinsam gegen die da oben!“ Da wird gerne ausgeblendet, wenn gewisse Volksvertreter und Möchtegern-Volkskanzler sich einer radikalen Sprache bemühen, die in einem demokratischen Staat nichts verloren hat. Oder gewisse Funktionäre sich offensichtlich ordentlich bereichern und auf den viel zitierten „kleinen Mann auf der Straße“ pfeifen.
Besonders unterhaltsam ist u. a., wenn der „blaue Herbert“ den Schwarzen (Türkisen) und Grünen Postenschacher vorwirft, etwa bei der Nationalbank. Stimmt, diese Parteien haben bei Jobvergaben manchmal mit Brachialgewalt ihre Kandidaten (und um es zu gendern: ihre Kandidatin) durchgesetzt, auch die „so supersauberen“ Grünen. Die SP konnte ebenfalls treue Parteigänger zur Absicherung der eigenen Macht mit entsprechenden Ämtern versorgen. Aber Kickl scheint vergesslich zu sein – gerade bei der Nationalbank erinnern wir uns an ein peinliches SMS von seinem Vorgänger Heinz Christian Strache, der diese Nachricht irrtümlich an politische Mitwerber verschickt hat. Vertraulicher Inhalt: Die eindeutige Forderung nach „blauen“ Direktoren im wichtigsten Geldinstitut der Republik. Beim Thema „Postenschacher“ bleiben sich eigentlich keine Parteien etwas schuldig, die Liste von parteinahen und nicht immer besonders fähigen Managern im Staatsdienst oder bei staatsnahen Betrieben füllt Bände und sorgt richtigerweise für Unmut. Von den ÖBB über den Verbund bis zur Asfinag.
Und die VP? Sie fürchtet sich, wie SP, Grüne und die Neos, vor dem „Ober-Rhetoriker“, Bergsteiger und Studienabbrecher Kickl. Gewisse Umfragen begründen diese Ängste. Deshalb erleben wir einen regelrechten Sturm auf die Mitte. VP-Chef Bundeskanzler Karl Nehammer inseriert wörtlich: „Die große Mehrheit aber, das sind Sie: die breite Mitte unserer Gesellschaft“. Wie bitte? In der Mitte treten sich die Parteien bereits gegenseitig auf die Füße. Sind die Bezeichnungen „links“ oder „rechts“ längst unerwünscht? Warum punktet man nicht mit engagierten Projekten und neuen Vorschlägen, mit großartigen Visionen, mit staatstragenden Ideen und mit ehrlichem Verständnis für die Nöte und Sorgen der Bevölkerung? Warum pfeifen Stammwähler auf ihre Parteien und bestrafen sie in der Wahlzelle mit dem „falschen“ Kreuz? Die Roten und die Schwarzen (Türkisen) haben – trotz mancher Maßnahmen — meist den Bezug zum belastenden Alltag verloren, sichern Ämter ab und ängstigen sich vor ehrlichen, unpopulären, unbeliebten und klar nachvollziehbaren Aussagen. Das beginnt beim Thema „Sicherheit“, zieht sich über die „Pflege“ und reicht bis zur „Bildung“. Damit treiben sie die Menschen in die Arme eines selbst ernannten „Volkskanzlers“. Sich derselben derben Sprache zu bedienen, wie es die FP immer wieder vorexerziert, ist kein Erfolgsrezept. Etwa wenn der grüne Vizekanzler Werner Kogler Ex-Minister Kickl als „Giftzwerg“ bezeichnet. Das steigert die Politikverdrossenheit und den Anteil der Nichtwähler. Das Ohr am Volk haben muss nicht immer negativ und nur „populistisch“ gemeint sein.

Derzeit lässt die KPÖ bei Kommunalwahlen in Österreich ihre Muskeln spielen. In Graz (Kaltenegger-Jüngerin Bürgermeisterin Elka Kahr) und jetzt in Salzburg (mit einem neuen Vizebürgermeister). Hier spielen Persönlichkeiten „zum Angreifen“ eine Rolle. Sowohl der sympathische Kay-Michael Dankl wie Kahr könnten auch für eine Staubsauger- oder Whisky-Partei antreten – und würden gewinnen! Es geht in diesem Fall also nicht um die Partei, sondern um glaubwürdige Volksvertreter, die einen Teil ihres Gehaltes spenden, Menschen geduldig zuhören können, Versprechen umsetzen und rasch handeln. Dass die beiden Politiker die Kommunistische Partei aus dem Tiefschlaf erwecken, verstört. Schließlich ist der Traum nach einer herrscherfreien Gesellschaft, die die Interessen und Bedürfnisse aller befriedigen soll, längst geplatzt. Schon George Orwell brachte es in „Farm der Tiere“ auf den Punkt – „alle Tiere sind gleich, doch manche sind gleicher“. Entwicklungen in Russland (Oligarchen), China (Parteigünstlinge), Kuba, Vietnam und Nordkorea (Führerkult) werden von Unterdrückungen, ökonomischen Misserfolgen und blutigen Niederschlagungen geprägt. Brüderlichkeit findet man keine. Nur den eiskalten Drang zur Macht, der diese Parteichefs über Leichen gehen lässt. Da sind wir in unserem Heimatland Österreich zum Glück weit entfernt davon. Und die russlandfreundliche FP? Man verdrängt, dass auch auf Bundesebene SP und VP Koalitionen mit den „Blauen“ eingegangen sind. Natürlich nur zum Wohle Österreichs. Oder?