Nationalratswahl

Bier­par­tei: Läs­ti­ge Fra­gen nicht erwünscht!

Bandleader, Rocker, Kabarettist, Mediziner, Autor und Parteichef Dr. Dominik Wlazny (Künstlernamen Marco Pogo) ließ jetzt seine Fans wissen, dass er bei der Nationalratswahl kandidieren werde und wählte dabei einen Begriff, den man sonst einer anderen Partei bei Bierzeltlaune zuordnen würde.

Bier­par­tei: Läs­ti­ge Fra­gen nicht erwünscht! Parteichef Dr. Dominik Wlazny (Künstlernamen Marco Pogo) kandidiert mit seiner Bierpartei bei der Nationalratswahl 2024. Na Prost!

© Markus Distelrath/Pixabay

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Es ist ein schäu­men­des Getränk, das durch Gärung aus stär­ke­hal­ti­gen Stof­fen gewon­nen wird. Bei der Her­stel­lung des „küh­len Blon­den“ wer­den Hop­fen und ande­re Würz­stof­fe ver­wen­det. Für ver­schie­de­ne Sor­ten. Eine Bier­par­tei war also längst über­fäl­lig – und erblick­te 2015 in der Alpen­re­pu­blik das Licht der Welt, gedacht als iro­ni­schen Sei­ten­hieb gegen die bestehen­de Par­tei­en­land­schaft. Band­lea­der, Rocker, Kaba­ret­tist, Medi­zi­ner, Autor und Par­tei­chef Dr. Domi­nik Wlaz­ny (Künst­ler­na­men Mar­co Pogo) ließ jetzt sei­ne Fans wis­sen, dass er bei der Natio­nal­rats­wahl kan­di­die­ren wer­de und wähl­te dabei einen Begriff, den man sonst einer ande­ren Par­tei bei Bier­zelt­lau­ne zuord­nen wür­de. Sein Antre­ten im Herbst wer­de für Schnapp­at­mung in den ande­ren Par­tei­zen­tra­len sor­gen. Schnapp­at­mung? So wird eine schwe­re, lebens­be­dro­hen­de Atem­stö­rung bei tief Bewusst­lo­sen genannt – bis zum Atem­still­stand. Das wünscht man poli­ti­schen Geg­nern? Noch dazu weiß der stu­dier­te Medi­zi­ner genau, was man unter Schnapp­at­mung ver­steht. Jetzt wol­len wir nicht klein­lich sein. Auch Ver­tre­ter ande­rer Par­tei­en hal­ten sich mit ver­ba­len Unter­grif­fen nicht zurück und lie­fern sich „tie­fe“ Wort­ge­fech­te und gegen­sei­ti­ge Schuld­zu­wei­sun­gen. Kein Wun­der, dass die Poli­tik­ver­dros­sen­heit wächst und sich „Otto“- und „Otti­lie-Nor­mal­ver­brau­cher“ eine Alter­na­ti­ve suchen und in einer Bier­par­tei eine Pro­test­mög­lich­keit sehen. Wlaz­nys Chan­cen, ins Hohe Haus ein­zie­hen zu kön­nen, sind des­halb rea­lis­tisch, auch wenn es sich um einen groß­ar­ti­gen PR-Gag für sei­ne Musik han­deln dürf­te. Wer den Sprung ins Par­la­ment schafft, wird vom Steu­er­zah­ler belohnt, was der Polit-Rocker der­zeit drin­gend benö­tigt. Sein Finan­zie­rungs­ziel, 1,2 Mil­lio­nen Euro auf­zu­trei­ben, hat der Musi­ker nicht erreicht, auch die ange­streb­te Mit­glie­der­zahl. Aber der Stim­men­zu­lauf bei der Prä­si­dent­schafts­wahl lässt Mar­co Pogo hof­fen. Doch neue Pro­test­par­tei­en kom­men und gehen. Selbst Mil­li­ar­där Frank Stro­nach hat es nicht geschafft, sei­ne poli­ti­schen Plä­ne umzu­set­zen. Jung­wäh­ler wis­sen nicht ein­mal mehr, dass der Wirt­schafts­boss ein­mal die poli­ti­sche Are­na berei­chert hat. Von ande­ren kurz am bun­ten Par­tei­en­him­mel auf­ge­blitz­ten Orga­ni­sa­tio­nen ganz zu schwei­gen.

Zwei­fel­los muss man Mis­ter Mar­co Polo, sor­ry Mar­co Pogo, neid­los zuge­ste­hen, dass er Ach­tungs­er­fol­ge erzie­len konn­te. Etwa acht Sit­ze in Wie­ner Bezirks­rä­ten. Aber eben unter den erwähn­ten Vor­aus­set­zun­gen. Als „Wir-zei­gen-es-denen-da-oben-Orga­ni­sa­ti­on“, die Regie­rung samt Oppo­si­ti­on neu­gie­rig auf den Mann mit den täto­wier­ten Armen bli­cken lässt. Aber beim der­zeit schlech­ten Ruf aller eta­blier­ter Par­tei­en hät­te wohl auch eine Schnaps‑, Likör oder Wein­par­tei gewis­ses Stim­men­po­ten­ti­al. Die Roten ver­su­chen mit einem gemein­sa­men Obmann einen gemein­sa­men Weg zu fin­den. Die Schwar­zen (Tür­ki­sen) bla­mie­ren sich gera­de völ­lig unnö­tig mit lach­haf­ten Aktio­nen (Ver­bren­nungs­mo­tor bis Leit­kul­tur), die noch sie­ges­si­che­ren Blau­en kämp­fen mit dem Spio­na­ge- und einem Inse­ra­ten­skan­dal. Die Grü­nen haben als Regie­rungs­par­tei Bau­stel­len offen und die Pin­ken kom­men nicht vom Fleck. Da nützt den Neos selbst die Rück­hol­ak­ti­on alt­ge­dien­ter Recken kaum etwas. Und für die Kom­mu­nis­ten gilt der Leit­satz „Die Hoff­nung stirbt zuletzt“. Da rech­net sich Kaba­ret­tist Polo natür­lich Chan­cen aus. Und er hofft auf Wut­bür­ger und jene, die sich von der Regie­rung im Stich gelas­sen füh­len. Auch in ande­ren Län­dern zogen „Spaß-Par­tei­en“ vor­über­ge­hend in Volks­ver­tre­tun­gen ein, zer­brö­sel­ten aber im har­ten All­tags­ge­schäft. In einer funk­tio­nie­ren­den Demo­kra­tie soll­te man Par­tei­en und Poli­ti­ker ernst neh­men – und bei jeder Wahl zur Abstim­mung schrei­ten.  

 

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Wer­fen wir einen Blick auf das Bier­par­tei-Pro­gramm, das auf der betref­fen­den Home­page nach­zu­le­sen ist. Da fin­den sich eit­sät­ze wie: Akti­ver Kampf gegen Kin­der- und Fami­li­en­ar­mut. Stär­kung des sozia­len Wohn­baus. Aus­bau des öffent­li­chen Ver­kehrs­net­zes. Kampf gegen Gewalt an Frau­en. Bil­dungs­ge­rech­tig­keit für alle. Inno­va­ti­ons­kraft der Wirt­schaft för­dern usw. Klingt alles recht nett und gut. Aber die­se No-Na-For­de­run­gen kann jeder unter­schrei­ben! Wo blei­ben blit­zen­de Ideen, radi­ka­le Vor­schlä­ge oder auf­se­hen­er­re­gen­de Ände­run­gen? Und wo ein Finan­zie­rungs­plan? Das hät­te der lie­be Herr Wlaz­ny bei sei­ner Pres­se­kon­fe­renz bekannt­ge­ben kön­nen. Hat er aber nicht. Sei­ne Ankün­di­gung, bei der Natio­nal­rats­wahl anzu­tre­ten, kam nicht über­ra­schend. Doch dann sorg­te der jun­ge Par­tei­chef, der vie­les anders machen will als die „Alt-Par­tei­en, für Unver­ständ­nis. Fra­gen der Jour­na­lis­ten waren nicht erlaubt, läs­ti­ges Nach­ha­ken war nicht erwünscht. Spre­chen durf­te nur Domi­nik Wlaz­ny. Wo bleibt die Pres­se­frei­heit? Ein pein­li­cher Auf­tritt, der den Stim­men-Magi­er ent­zau­bert hat. Viel­leicht soll­te man doch in aller Ruhe ein Bier trin­ken und den Rum­mel um den Poli­tik-Show­man ver­ges­sen, der in einer ehe­ma­li­gen Sat­zung fest­ge­schrie­ben hat, dass die „Biero­kra­tie“ vom Vol­ke aus gehe und man frem­den Bie­ren gegen­über Tole­ranz üben müs­se. Das klingt nicht nach neu­er Poli­tik, son­dern nach einem Pro­gramm vom Vil­la­cher Fasching. Und jetzt noch der „Maul­korb“ für Jour­na­lis­ten! Na, dann Prost!

02.05.2024 10:00
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Bier­par­tei: Läs­ti­ge Fra­gen nicht erwünscht! Parteichef Dr. Dominik Wlazny (Künstlernamen Marco Pogo) kandidiert mit seiner Bierpartei bei der Nationalratswahl 2024. Na Prost!

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