Kärnten
Ärzte-Marsch: Ein unnötiger Spaziergang?
Am Montag marschierten in Klagenfurt 300 Menschen im weißen Kittel vor die Landesregierung, um angebliche Ungleichbehandlungen aufzuzeigen. Insider sprechen allerdings von einem völlig unnötigen Kraftakt der Kärntner Ärztekammer?
Zu ihnen schaut man auf. Sie verfügen über ein äußerst positives Image, weil sie Leben retten, Schmerzen lindern und Krankheiten verschwinden lassen: Unsere Mediziner, die nach einer langen Ausbildung in den verschiedensten Bereichen oft wahre Wunder vollbringen. Und Patienten, die behandelt werden, sind froh, wenn ihnen Experten mit passenden Medikamenten zur Seite stehen oder mit einem scharfen Skalpell Eingriffe wagen. Ob in Praxen, bei Hausbesuchen oder in Spitälern. In Kärnten stehen derzeit die Krankenhaus-Mediziner im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Es geht, wie immer, ums liebe Geld. Eines vorweg – wer unter schwierigen Bedingungen im OP-Saal Patienten versorgt, hat ein Anrecht auf ein entsprechendes Gehalt. Aber genau in diesem Punkt herrscht Uneinigkeit.
Und so marschierten am Montag in Klagenfurt 300 Menschen im weißen Kittel vor die Landesregierung, um angebliche Ungleichbehandlungen aufzuzeigen. Insider sprechen allerdings von einem völlig unnötigen Kraftakt der Kärntner Ärztekammer. Selbstverständlich haben auch Jünger Hippokrates das Recht auf die Straße zu gehen. Doch während laufender Verhandlungen mit dem Arbeitgeber? Und ein angekündigter Streit sollte immer als letztes Mittel gelten – nicht zuletzt im Sinne der Patientenversorgung. „Aufhören mit Schönreden“, stand auf Plakaten. Wer redet schön, wer spricht nachvollziehbar? Was man seitens der gerne polternden Standesvertretung verschweigt – etliche Verbesserungen für Spitalsärzte sind bereits vorgenommen worden. „Luft nach oben“ gibt es immer. Der Ärztemarsch stand unter dem Motto „Stilles Gehen“, was in weißer Montur und mit beschrifteten Schildern ziemlich deplatziert wirkte. Und warum? Landeshauptmann Peter Kaiser und Spitalsreferentin Beate Prettner befinden sich auf einer länger geplanten Studienreise.
Vielleicht hätte sich die abgewählte Ärztekammerpräsidentin Petra Preiss zuvor erkundigen sollen, ob sie an diesem Tag die richtigen Ansprechpartner in der Regierung findet. Zudem hält Prettner fest, dass man Gespräche für weitere mittel- und langfristige Maßnahmen fortsetzen würde. Im Laufe der Berufsjahre bis Karriereende würden die Gehälter der Kärntner Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft österreichweit sogar an erster Stelle stehen, heißt es aus dem Büro der Referentin, die selbst Ärztin ist und der man ein ständiges Bemühen um sinnvolle Lösungen nicht absprechen kann. Auch würden Verhandlungen keinesfalls unter Ausschluss der Ärztekammer laufen, ließ Prettner wissen. Warum also das Skalpell-Rasseln? Manche sind verwundet, weil „Ruheständlerin“ Petra Preiss trotz des gemeinsamen Bekenntnisses, weiterhin mit Gewerkschaft und Kammer an Verbesserungen zu arbeiten, lustvoll zum Protest „wegen stockender Gehaltsverhandlungen“ aufgerufen hat. Kammerpräsident Markus Opriessnig marschierte natürlich tapfer mit.
Der ständige Vorwurf, die Spitalsreferentin wolle nicht mit der Ärztekammer verhandeln, geht also ins Leere! So ist zwischen Land und der Berufsvertretung am 16. Juni ein Gespräch geplant. Warum war Frau Preiss in den letzten Tagen für Gesundheitsreferentin Prettner laut deren Angaben telefonisch nicht erreichbar? Sieht so eine ausgesteckte Hand aus? Der Versuch einer gemeinsamen Lösung? Es gibt keine Mogelpackungen, sondern Millionen-Zuschüsse aus dem ohnehin nicht prall gefüllten Steuertopf. Für Kurienobfrau Preiss, die freiwillig in Pension gegangen ist, sitzt längst eine engagierte Vertreterin am Verhandlungstisch, Vielleicht sollte sich Preiss ein Herz nehmen und sich bei ihrer Nachfolgerin über den aktuellen Stand der Dinge informieren? Dann müssten nicht Hunderte Ärzte durch Klagenfurt pilgern.
-mg
Gehälter der Krankenanstalten im Bundesländervergleich
Assistenzärzte mit 30 Jahren
117.810 Euro
111.426 Euro
109.080 Euro (KABEG)
107.358 Euro
102.112 Euro
100.342 Euro
99.511 Euro
94.690 Euro
84.438 Euro
Fachärzte mit 31 Jahren
148.060 Euro
144.882 Euro
141.028 Euro
133.554 Euro (KABEG)
127.011 Euro
126.992 Euro
125.426 Euro
120.933 Euro
115.602 Euro
Fachärzte mit 65 Jahren
223.396 Euro
223.318 Euro (KABEG)
195.996 Euro
192.528 Euro
191.681 Euro
181.772 Euro
169.258 Euro
168.998 Euro
148.320 Euro
