Kärnten
Kindergarten-Gesetz bleibt ein Meilenstein
Die geplante Verkleinerung von Kindergartengruppen wird aufgrund finanzieller Engpässe vorerst verschoben – dennoch bringt das neue Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz deutliche Verbesserungen für Eltern und Pädagogen.
© Stadt St. Veit
Trotz Verschiebung der Gruppen-Verkleinerung:
„Nicht das Kind sollte sich der Umgebung anpassen, sondern wir die Umgebung dem Kind anpassen“, meinte einmal die italienische Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori. Das ist zweifellos ein weiser Spruch, den die 3.600 Kärntner Kinderpädagogen und Pädagoginnen in über 430 Kindergärten mit rund 22.700 Mädchen und Buben sicher bestens kennen. Diese engagierten Erzieher sind es schließlich, die – gemeinsam mit den Eltern – unseren Nachwuchs für den „Ernst des Lebens“ vorbereiten. Das ist bekanntlich eine reizvolle, aber schwierige Aufgabe. Neben den erwähnten Kindergärten werden die Kleinen auch in zahlreichen Kinderkrippen, in einem Hort und bei Tagesmüttern/Vätern liebevoll betreut. Um den Kindergarten-Beruf und diese so wichtige gesellschaftliche Einrichtung aufzuwerten, schuf die Kärntner Regierung im September 2023 nachvollziehbare Verbesserungen im Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz. Lediglich die zunächst geplante Verkleinerung von maximal 24 auf 20 Kids in zu betreuenden Gruppen wird wegen der „derzeit wirtschaftlich schwierigen Situation“ vorübergehend ausgesetzt bzw. etwas verschoben. Es fehlt die erforderliche Finanzierung für zusätzlich Hunderte Erzieher bzw. für den notwendigen Aus- und Zubau von entsprechenden Flächen in den Betreuungsstätten. Auch die Gemeinden wären finanziell überfordert. Für Experten gilt das neue Gesetz trotzdem als „echter Meilenstein“ der Elementarpädagogik und als ein gelungener Versuch, den schönen Beruf eines Kinderpädagogen bzw. einer Pädagogin weiter aufzuwerten…
So wird die Wochenarbeitszeit für die Betreuer auf 37 Stunden reduziert und der Lohn um bis zu 40 Prozent angehoben. Das ist, wie die Betroffenen erleichtert feststellen können, kein Marketinggag oder nur ein plumper Politik-Schmäh. Sehr wohl versucht die Opposition diesen Eindruck zu vermitteln, statt hervorzuheben, dass Besuche in Kärntner Betreuungsstätten die Eltern und Erziehungsberechtigten finanziell massiv entlasten – mit dem Gratis-Kindergarten. Gezahlt werden nur mehr Verpflegung und Werkbeiträge. Gewisse Fakten werden aber von Dauerkritikern einfach nicht zur Kenntnis genommen. So entlastet das neue Gesetz (kurz KBBG) die Eltern, die sich jetzt dank einer SP-Initiative durch Landeshauptmann Kaiser und Landesrat Fellner pro Kind jährlich bis zu 4000 Euro ersparen! Zudem erhalten Kindergartenpädagogen und Pädagoginnen mehr Gehalt. Außerdem wurden in den letzten Jahren zusätzlich 3000 Kinderbetreuungsplätze geschaffen und damit Möglichkeiten für Frauen, einer besser bezahlten Vollbeschäftigung nachgehen zu können. Damit können diese Frauen leichter ein selbstbestimmtes Leben führen und der drohenden Armutsfalle entkommen. Bleibt noch zu erwähnen, dass in Kärnten – anders als etwa in Tirol – so gut wie keine Betriebskindergarten existieren, die den Steuerzahler entlasten könnten. Allerdings besteht in manchen Bereichen die Möglichkeit der Betriebstageeltern. Da verwundert es nicht, wenn die Wirtschaftskammer immer wieder Argumente aus dem Hut zieht, warum betriebliche Kindergartenbetreuung kaum möglich sei. Es ist offensichtlich bequemer, wenn man die Verantwortung und die Kosten auf die öffentliche Hand abwälzt.
Unverständlich scheint deshalb ein „offener Brief“ der elementaren Berufsgruppen in Kärnten zu sein, in dem das neue Gesetz kritisiert wird. Natürlich ist es bedauerlich, wenn die vorgesehene Gruppenanzahl für Kinder vorerst ausgesetzt werden muss. In diesem Fall handelt es sich aber um keine Streichung dieser wichtigen Maßnahme, sondern um eine Verschiebung. Mit anderen Worten: Die angestrebte und pädagogisch durchaus sinnvolle Verkleinerung ist aufgeschoben und nicht aufgehoben. Und was ist mit den positiven Maßnahmen? Wie meinte schon der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupery: „Die großen Leute verstehen nie etwas von selbst. Für die Kinder ist es zu mühsam, ihnen immer wieder alles erklären zu müssen“.
mg

