Josef Winkler
Er findet Worte, die nicht alle vertragen
Für Germanist und Literaturkritiker Klaus Kastberger ist es ganz einfach: Josef Winkler hat Kärnten zu einem eigenen und hervorstechenden literarischen Kontinent gemacht.
Landeshauptmann Peter Kaiser, Germanist und Literaturkritiker Klaus Kastberger und Schriftsteller Josef Winkler (von links).© LPD Kärnten/Höher
Josef Winkler gehört zu jenen, die sich nie anmuten, einfach über Kärnten zu schreiben, das südlichste Bundesland entrückt von einer Normalität irgendwie auszustellen oder es gar als ein Unding im Vergleich zu anderen Bundesländern vorzuführen — das macht Winkler nicht. Er hält sich schlicht an das selbst auferlegte Gebot, dass Literatur Dinge nicht schönzuschreiben habe. Doch einige wenige sehen in ihm einen, der die sogenannte “Kärntner Heimat”, wovon in der Landeshymne ja groß die Rede ist, bloßstellt, sie durch den Schmutz der Drau zieht und dafür, dass er Kärnten derart ablehnend gegenüberstehe, auch noch Preise und Auszeichnungen des Landes Kärnten verliehen bekommt. In den Hinterzimmern der Politik gab es daher protestierende Gesten, Winkler sei unpassend für eine solche Auszeichnung, man könne diese Entscheidung nicht unterstützen. Doch der Kritik zum Trotz, könnte man meinen, nahm der in Kammering bei Paternion geborene Schriftsteller den Kulturpreis des Landes Kärnten entgegen.
Kärnten als literarischer Kontinent
Man solle dem Autor dankbar sein, dass er nach Klagenfurt zurückgekommen ist, meinte beinahe appellierend Germanist und Literaturkritiker Klaus Kastberger in seiner Laudatio für Winkler am Freitagabend (13. Dezember 2024). Wohlgemerkt haben Autoren wie Peter Handke, Robert Musil, Ingeborg Bachmann, Peter Turrini oder ebenso Gert Jonke Kärnten verlassen und sind nicht mehr zurückgekehrt. Winkler ist stattdessen hier geblieben. Und dadurch habe er “Kärnten zu einem literarischen Kontinent gemacht.” Vielen in Kärnten passt diese Verleihung jedoch ganz und gar nicht, hinter vorgehaltener Hand hört man manche murmeln, wenn es ihm hier nicht passe, so soll er doch Kärnten einfach verlassen. Woher dieser Unmut, wenn Winkler doch einfach nur davon schreibend schildert, wie es nun mal in Kärnten zugeht?

Winkler selbst sagte am Freitag, dass er Bücher über sich in Kärnten geschrieben habe, und gerade nicht über Kärnten im Allgemeinen, sondern vielmehr im Besonderen. Damit verbunden seien die Kindheit, Jugend und die Umgebung — und eben seine Sichtweise auf die Dinge, wie er sie erlebt, wahr- und aufnimmt und empfindet. “Ich glaube nicht, dass ich Bücher über Kärnten geschrieben habe”, gab der Kulturpreisträger zu bedenken, wohl aber über sein Kärnten.
Immer und immer tiefer
Es ist aber nicht nur seine literarische Sprache, die Klaus Kastberger zufolge alte Ordnung außer Kraft setze, das eben seit jeher in Kärnten wuchernd provoziert. Hinzukommt wohl auch das immer und immer tiefer gehende Ansetzen beim Schreiben von Winkler, das in seinen Büchern vorliegt. Und ja, Winklers Literatur schmerzt beim Lesen, keine Frage — es lässt sich aber wie so oft aushalten.
Es bleibt zu hoffen, dass die Bücher von Josef Winkler neue Aufmerksamkeit bekommen und auch von jenen gelesen werden, die ihm bis zur Verleihung am Freitag noch kritisch oder gar ablehnend — aus Überzeugung oder Bequemlichkeit sei dahingestellt — gegenübergestanden sind. Vielleicht können sich einige sogar mit ihm aussöhnen, weil er doch über sein Kärnten schreibt, das im Kern unser Kärnten ist.

