Ossiach

Kul­tur­preis des Lan­des an Josef Wink­ler ver­lie­hen

Josef Winkler ist ein kritisches Korrektiv, findet oft harte Worte, die nicht immer alle vertragen.

Kul­tur­preis des Lan­des an Josef Wink­ler ver­lie­henSpäter Landeskulturpreis für Schriftsteller Josef Winkler.

© LPD Kärnten/Höher

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Der Kärnt­ner Schrift­stel­ler Josef Wink­ler erhielt ges­tern (13. Dezem­ber 2024) den mit 20.000 Euro dotier­ten Kul­tur­preis des Lan­des. Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser ver­lieh in der Car­in­thi­schen Musik­aka­de­mie Ossi­ach zudem gemein­sam mit Ange­li­ka Hödl vom Kul­tur­gre­mi­um und Kul­tur­ab­tei­lungs­lei­te­rin Bri­git­te Wink­ler-Komar acht Förderungs‑, drei Wür­di­gungs- und einen Aner­ken­nungs­preis.

Josef Wink­ler als Kor­rek­tiv

Kai­ser dank­te den Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den für ihre „fast seis­mo­gra­phi­sche, kri­ti­sche Refle­xi­on der poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Vor­gän­ge im Land und dar­über hin­aus“. Die Kul­tur­preis­ver­lei­hun­gen sol­len auch Aner­ken­nung für das viel­fäl­ti­ge Wir­ken im Kul­tur­land Kärn­ten sein. Der Kul­tur­re­fe­rent ver­hehl­te nicht, dass noch eini­ges posi­tiv zu ver­än­dern wäre. Auch in der aktu­ell schwie­ri­gen finan­zi­el­len Situa­ti­on wol­le man aber Per­spek­ti­ven schaf­fen. In die­sem Sin­ne nann­te er den par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zess bei der Erstel­lung der Kunst- und Kul­tur­stra­te­gie Kärn­ten.

Josef Wink­ler habe dem Land viel gege­ben. Er sei kri­ti­sches Kor­rek­tiv, fin­det oft har­te Wor­te, die nicht immer alle ver­tra­gen. Zu Anmer­kun­gen, dass Wink­ler den Kul­tur­preis des Lan­des zu spät erhal­te, sag­te Kai­ser im Hin­blick auf die vie­len inter­na­tio­na­len Aus­zeich­nun­gen des Autors: „Das Bes­te kommt danach, nicht zum Schluss.“

“Immer, immer tie­fer”

„Ich hat­te etwas vor­be­rei­tet, aber das war nicht gut, ich habe es weg­ge­wor­fen“, begann Wink­ler sei­ne Dan­kes­wor­te. Er berich­te­te dann davon, wie er mit sei­ner Fami­lie in Mexi­ko den „Día de los Muer­tos“ erleb­te. Bei fast jedem Grab habe jemand mit einer Eisen­stan­ge hin­ein­ge­sto­chert. Die Men­schen hät­ten ihm erzählt, dass sie damit die Geis­ter der Toten auf­we­cken wol­len: „Das ist die Meta­pher mei­nes Schrei­bens. Mein The­ma ist ein klei­ner Fried­hof, ich bin aus die­sem nie raus­ge­kom­men. Es geht mir um die­ses immer, immer tie­fer gehen.”

Kärn­ten als lite­ra­ri­scher Kon­ti­nent

Die Lau­da­tio für Wink­ler hielt der Ger­ma­nist und Lite­ra­tur­kri­ti­ker Klaus Kast­ber­ger. Er bezeich­ne­te Wink­ler als eine der wich­tigs­ten Figu­ren der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur. „Josef Wink­ler ist ein Kärnt­ner Autor von inter­na­tio­na­lem For­mat, der es über Jahr­zehn­te in Kärn­ten aus­ge­hal­ten hat und es hier augen­schein­lich noch immer aus­hält.” In Wink­lers Lite­ra­tur ver­wirk­li­che sich ein „radi­ka­ler Herr­schafts­an­spruch des Bil­des, eine Ent­fes­se­lung von Meta­phern“. Er habe Kärn­ten zu einem eige­nen und her­vor­ste­chen­den lite­ra­ri­schen Kon­ti­nent gemacht. „Kaum ein ande­rer Kärnt­ner Dich­ter hät­te sich die­se größ­te lite­ra­ri­sche Aus­zeich­nung, die heu­te an ihn ver­ge­ben wird, mehr ver­dient als Josef Wink­ler“, beton­te Kast­ber­ger.

Der Kul­tur gehe es schlecht

In sei­ner Rede zur Lage der Kul­tur warn­te Anto­nio Fian davor, dass der Begriff „Kul­tur“ durch Infla­tio­nie­rung zu einem Instru­ment der Ver­harm­lo­sung wird. Kul­tur als Kon­glo­me­rat aus Küns­ten und Wis­sen­schaf­ten sei aber eine wich­ti­ge Säu­le die­ser unse­rer momen­tan, auch im Wort­sinn, unter Beschuss ste­hen­den demo­kra­ti­schen Gesell­schafts­ord­nung. Es gel­te, das Mög­lichs­te zu tun, „damit wir uns nicht in einer Kul­tur der tota­len Kul­tur­lo­sig­keit” wie­der­fin­den. Fian attes­tier­te, dass es der Kul­tur schlecht gehe, sie von der Poli­tik stief­müt­ter­lich behan­delt wer­de und zu wenig Geld für die Kul­tur da sei: „Preis­ver­ga­ben wie die­se sind zumin­dest Hoff­nungs­schim­mer, dass noch nicht alles ver­lo­ren ist.”

Stel­len­wert von Kunst und Kul­tur

Ange­li­ka Hödl sprach als Vor­sit­zen­de des Kärnt­ner Kul­tur­gre­mi­ums von einer “Gefähr­dung unse­rer Lebens­ver­si­che­rung“. Der Kul­tur gehe es lokal und inter­na­tio­nal an den Kra­gen. Sie zitier­te aus einem offe­nen Brief an das Euro­päi­sche Par­la­ment: „Wo die offe­ne, über­par­tei­li­che, grenz­über­schrei­ten­de Kul­tur ver­schwin­det, ver­schwin­det irgend­wann auch das euro­päi­sche Eini­gungs- und Frie­dens­pro­jekt selbst.“ Ihre Wert­schät­zung drück­te Hödl dafür aus, dass Kai­ser gewillt ist, mit dem par­ti­zi­pa­tiv ange­leg­ten Kul­tur­stra­te­gie­pro­zess die Not­wen­dig­keit und den Stel­len­wert von Kunst und Kul­tur für Kärn­ten sicht- und begreif­ba­rer zu machen.

Klaus Krai­ner erhielt den Wul­fen­preis

Der erst­mals im Rah­men der Kul­tur­preis­ver­lei­hun­gen über­reich­te Wul­fen­preis (5.000 Euro) ging an Klaus Krai­ner von der ARGE Natur­schutz. Hel­mut Zwan­der als Prä­si­dent des Natur­wis­sen­schaft­li­chen Ver­eins für Kärn­ten ver­wies auf Krai­ners unzäh­li­ge Pro­jek­te zum Schutz der Kärnt­ner Natur. Der Preis sei seit 2010 drei­mal ver­ge­ben wor­den und nach dem Uni­ver­sal­ge­lehr­ten Franz Xaver Frei­herr von Wul­fen (1728–1805) benannt.

Wei­te­re Preis­trä­ger

Die För­de­rungs­prei­se gin­gen an: Tere­se Kasali­cky, Mira Stad­ler, Vere­na Repar, Bar­ba­ra Juch, das Duo SONOMA, bestehend aus Mira und Sara Gre­go­rič, Lukas Joham, Franz Hart­lieb und Patrick Rod­ler. Der Aner­ken­nungs­preis für beson­de­re Leis­tun­gen im Bereich der frei­en Kul­tur­ar­beit ging zu glei­chen Tei­len an die Kul­tur­ver­ei­ne „ZARJA“ (Wil­helm und Maria Oši­na) und „PERŠMAN“ (Mar­kus Gönit­zer, Eva Kris­ti­na Hart­mann). Eli­as Molit­sch­nig erhielt den Wür­di­gungs­preis für Leis­tun­gen in der Archi­tek­tur und für Ver­diens­te um die Bau­kul­tur. Ein wei­te­rer Wür­di­gungs­preis im Bereich der Geis­tes- und Sozi­al­wis­sen­schaf­ten wur­de Cris­ti­na Beret­ta ver­lie­hen. Zudem nomi­nier­te der Fach­bei­rat des Kul­tur­gre­mi­ums Cvet­ka Lipuš für den Wür­di­gungs­preis im Bereich Lite­ra­tur.

14.12.2024 19:00 - Update am: 14.12.2024 19:04
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© LPD Kärnten/Höher