Empörung
ÖVP-Zeitung: Bürger mit Spitznamen “ausgestellt”
Im Artikel "Etwas zum Schmunzeln" finden sich 140 Namen von Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger abgedruckt, versehen mit befremdlichen Spitznamen.
© Livestream/4. Gemeinderatssitzung/13.11.2024/Screenshot
Seitenweise ist in der aktuellen Ausgabe der ÖVP-Zeitung Moosburg aktuell ein unappetitlicher Artikel mit Klarnamen von 140 Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger abgedruckt zu lesen — ihnen gegenübergestellt sind nämlich ihre jeweiligen Spitznamen, die hier und da in der Marktgemeinde herumschwirren sollen, so meint es zumindest der Verfasser Hubert Sickl im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.
Wunsch, besondere Spitznamen festzuhalten?
Bewohnerinnen und Bewohner der Marktgemeinde Moosburg werden im Artikel als “Nasn”, “Kubikmeter oder “grüne Mamba” bezeichnet. Es finden sich auch Spitznamen, die klar unter die Gürtellinie gehen: “Kleintierschlächter”, “Speibe” oder etwa “Stalin” (Anmerkung: Josef Stalin war Diktator der ehemaligen Sowjetunion). Was sagt der Verfasser dazu? Dieser meldete sich nach einigen Tagen der Veröffentlichung von Moosburg aktuell selbst in einem knapp einminütigen Video-Posting auf Facebook zu Wort und zeigt sich betroffen. Er möchte sich aus “tiefstem Herzen dafür entschuldigen,” dass er manchen damit wehgetan habe. Das Video geht aber noch weiter und Sickl legt noch eines drauf: Er spricht zudem von einem in den letzten 40 Jahren entstandenen Wunsch, “diese besonderen Spitznamen festzuhalten.” Am Ende unterstreicht er nun doch wieder seine wiederholende Entschuldigung mit einem Griff aufs Herz.
Bürgermeister: “Misslungene Darstellung”
Herausgeber der Zeitung ist übrigens Bürgermeister Herbert Gaggl, der seit 2013 für die ÖVP auch im Kärntner Landtag sitzt. Er spricht schlicht von einer “misslungenen Darstellung”. Und Gaggl gibt sich eine weitere Aufgabe, für die er eigentlich — oder ohnehin — bereits jetzt als Herausgeber “seiner” Zeitung Moosburg aktuell verantwortlich ist: “In Zukunft werde ich noch genauer darauf achten, ob ein Artikel druckreif ist oder nicht.” Doch auch ein ungenauer Blick reicht aus, um festzustellen, dass Spitznamen dieser Art und Weise befremdlich, verletzend und völlig deplatziert in der Öffentlichkeit von Kärnten sind.
Muss Bürgermeister mit privaten Klagen rechnen?
Da diese “Darstellung” nun einmal in der Welt ist, stellt sich natürlich die Frage, wie es mit diesem Vorfall in Zukunft weitergeht. Wechseln wir daher die Perspektive und fragen wir an der anderen Seite nach. Gegenüber KLiCK Kärnten erklärt Bernhard Gräßl (FPÖ), Gemeindevorstand von Moosburg, dass manche Bürgerinnen und Bürger durchaus rechtlich vorgehen werden, da sie der Veröffentlichung in keiner Weise zustimmten oder gar informiert wurden, außerdem sei der Datenschutz nicht beachtet worden: “Das Ansehen der Marktgemeinde ist beschädigt und keine der Gemeinderatsfraktionen ist mit dem einverstanden, was hier vorgefallen ist. Bis zur Gemeinderatssitzung werden politische Maßnahmen geprüft.” Dabei werde auch ein Misstrauensantrag angedacht, so Gräßl. Man sei überdies in Gesprächen mit der SPÖ und der Liste GEMA.
Der Artikel Etwas zum Schmunzeln sei für Gemeindevorstand Georg Malle von der Liste GEMA etwas, was es in Moosburg noch nie gegeben habe, und meint in Bezug auf die veröffentlichte Entschuldigung gegenüber ORF Kärnten: “Das ist einmal der erste Schritt in die richtige Richtung. Ich glaube nicht, dass sich die Leute, die da genannt worden sind, damit zufriedengeben werden.”
Vor diesem Hintergrund ist für die kommende Gemeinderatssitzung am Montag (16. Dezember 2024) für ordentlich Aufregung gesorgt.

