ÖVP-Clubgespräch
Klima- und Naturschutz Hand in Hand
Beim dritten Clubgespräch des ÖVP-Landtagsclubs stellten sich Experten die Frage: „Verhindert Naturschutz den Klimaschutz?“ Die Antwort: Bei Natur und Klima darf es kein Entweder-Oder geben.
© ÖVP-Club/Handler
Das dritte Clubgespräch des ÖVP-Landtagsclubs am Dienstag war einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Ausbau von erneuerbarer Energie und dem berechtigten Naturschutz in Kärnten gewidmet. „Während am Freitag für den Klimaschutz auf die Straße gegangen wird, protestieren Umweltschützer gleichzeitig gegen jedes mögliche Projekt – egal, ob Wind‑, Wasser- oder Sonnenkraft“, sagte ÖVP-Clubobmann Markus Malle. Über dieses Spannungsfeld und mögliche Lösungen debattierten am Podium im Seeparkhotel in Klagenfurt SPÖ-Landesrätin Sara Schaar (Umwelt‑, Energie- und Naturschutz-Referentin des Landes Kärnten), Barbara Schmidt (Generalsekretärin von Österreichs Energie) und Energiepionier Franz Dorner.
Jeder muss einen Beitrag leisten!
Zur Begrüßung betonte Landesrat Martin Gruber (ÖVP) einmal mehr: „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit – jeder kann und muss einen Beitrag zur Bekämpfung leisten.“ Die Auswirkungen seien in Kärnten bereits dramatisch. Ein Beispiel: „Für die Forstwirtschaft stehen heuer 22 Millionen Euro zur Verfügung. Noch nie war die Summe in Kärnten höher“, verdeutlichte Gruber. Der Aufwand sei alarmierend, denn: „Das Geld ist notwendig für die Wiederbewaldung von Kärntner Gebieten, die von Unwettern heimgesucht worden sind.“
Strafzahlungen abwenden
„Der Klimawandel ist Realität“, mahnt auch Landtagsabgeordneter Christian Benger, Energiesprecher der ÖVP im Kärnten Landtag. Nur mit enormer Kraftanstrengung und kreativen Lösungen ist dem zu begegnen, um auch drohende Strafzahlungen für verfehlte Klimaziele (in Kärnten jährlich zwischen 100 und 200 Millionen Euro ab dem Jahr 2030) abzuwenden. Benger fordert: „Wir brauchen raschere Verfahren für Projekte und Rechtsbeurteilungen, die erneuerbare Energieproduktion ermöglicht, statt verhindert.“ Andernfalls drohe eine Rückkehr zum Import von Atomstrom, wie die Entwicklung in Europa zeigt.
Photovoltaik auf Dächern
Landesrätin Schaar sieht Kärnten auf einem guten Weg: „Bereits 99 Prozent unserer Stromproduktion ist erneuerbar.“ Kärnten ist insgesamt, so die Landesrätin, Vorreiter. Auch in Zukunft wird jedes Projekt genau auf seine Sinnhaftigkeit überprüft. Schaars Prämisse: „Den Vorrang hat Photovoltaik auf Kärntens Dächern.“ Insgesamt setzt sie sich gleichermaßen „für den Erhalt der Artenvielfalt in Kärnten und den natürlichen Ausbau von erneuerbarer Energieproduktion, die sozial gerecht ist,“ ein.
Alle erneuerbaren Energieformen ausbauen
Für Barbara Schmidt steht fest: „Es ist der gleichzeitige Ausbau aller erneuerbaren Energieformen gefordert – Wasser, Wind, Sonne und Biomasse.“ Zur gänzlichen Produktion von klimafreundlichem Strom komme der Austausch von derzeit fossiler Energie etwa bei der E‑Mobilität – das Bedarf steigt enorm. Schmidt mahnt zur Eile und warnt vor Tendenzen in Europa. „Die EU-Länder kämpfen um CO2-Einsparungen“, weiß sie, „da sind Technologien dabei, die wir nicht wollen. Deshalb ist es unsere Pflicht, unser ganzes Potenzial zu nützen“.
Widerspruch auflösen
Genau das will Franz Dorner. Im Jahr 2002 begann er mit Photovoltaik-Produktion, seit 2013 sind die Pläne für die Windkraft-Anlagen Bärofen fertig. „Jetzt habe ich den UVP-Bescheid bekommen“, berichtet Dorner, „bauen kann ich aber noch immer nicht, weil 13 Einsprüche getätigt worden sind“. Die Angelegenheit liegt nun beim Bundesverwaltungsgericht. Dorner sagt klar: „Das Landschaftsbild kann nicht für alles herhalten, wir müssen handeln und erneuerbare Energien ausbauen.“
Malle resümiert: „Wir müssen den scheinbaren Widerspruch von Klimaschutz und Naturschutz auflösen – es darf kein Entweder-Oder geben.“ Dafür mahnt er gemeinsame Anstrengungen in Kärnten ein.