Klagenfurter Stadtkarusell

Patrick Jon­ke ist Kla­gen­furts neu­er Vize

Patrick Jonkes Bestellung zum neuen Vizebürgermeister der Landeshauptstadt wirft eine Reihe von Fragen auf.

Patrick Jon­ke ist Kla­gen­furts neu­er Vize Kärntens Politwoche zwischen verspätetem Budget, Parteiausschluss und erstaunlich standfesten Funktionen – Stoff für Satire gab es auch diesmal genug.

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Die Ernen­nung von Patrick Jon­ke zum neu­en Vize­bür­ger­meis­ter von Kla­gen­furt, die am 29. April 2025 im Rah­men der Gemein­de­rats­sit­zung erfolg­te, wirft zahl­rei­che Fra­gen auf und ver­dient eine kri­ti­sche Betrach­tung. Die Per­so­nal­ro­cha­de inner­halb des Team Kärn­ten, das in Kla­gen­furt eine zen­tra­le poli­ti­sche Rol­le spielt, scheint weni­ger von stra­te­gi­scher Weit­sicht als viel­mehr von inter­nen Macht­kämp­fen und tak­ti­schen Manö­vern geprägt zu sein. Jon­kes Auf­stieg, der die Ablö­sung sei­nes Par­tei­kol­le­gen Alex­an­der Kast­ner mar­kiert, ist ein wei­te­res Kapi­tel in einer Rei­he von tur­bu­len­ten Ent­wick­lun­gen im Kla­gen­fur­ter Rat­haus, die das Ver­trau­en der Bür­ger in eine sta­bi­le und trans­pa­ren­te Stadt­po­li­tik erschüt­tern könn­ten.

Hin­ter­grund der Bestel­lung

Patrick Jon­ke, zuvor Klub­ob­mann des Team Kärn­ten, wur­de als Nach­fol­ger von Alex­an­der Kast­ner ange­lobt, der Ende März 2025 in den Ruhe­stand trat. Bereits im Dezem­ber 2024 wur­de bekannt, dass Jon­ke Kast­ner ablö­sen sol­le, nach­dem die Ermitt­lun­gen gegen ihn in der soge­nann­ten Über­stun­den­af­fä­re ein­ge­stellt wur­den. „Der Wech­sel erfolgt bei der Gemein­de­rats­sit­zung am 29. April 2025“, kün­dig­te Jon­ke damals an, und beton­te, dass der Zeit­punkt mit Kast­ners Ruhe­stand zusam­men­fal­le. Doch die Umstän­de die­ser Per­so­nal­ent­schei­dung sind alles ande­re als unum­strit­ten.

Poli­ti­sche Insta­bi­li­tät und inter­ne Que­re­len

Die Ernen­nung Jon­kes ist kein iso­lier­ter Vor­gang, son­dern Teil einer Ket­te von per­so­nel­len Ver­wer­fun­gen im Team Kärn­ten. Seit 2023 hat die Par­tei meh­re­re Vize­bür­ger­meis­ter­wech­sel erlebt: Alo­is Doli­nar wur­de 2023 von Kast­ner abge­löst, der wie­der­um nun Jon­ke Platz mach­te. Die­se Häu­fung von Wech­seln deu­tet auf eine tief­grei­fen­de Insta­bi­li­tät hin. Beson­ders bri­sant ist, dass Kast­ner kurz vor sei­nem Rück­tritt aus der Par­tei aus­ge­schlos­sen wur­de, nach­dem er behaup­tet hat­te, sei­ne Erklä­rung zum Ver­zicht auf das Amt sei unter Druck ent­stan­den. Die Lis­te Schei­der reagier­te scharf: „Die­se Aus­sa­ge ist nicht nur bedenk­lich, son­dern wirft schwer­wie­gen­de Vor­wür­fe gegen unse­ren Klub auf, die straf­recht­lich rele­vant sind.” Sol­che öffent­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Par­tei­kol­le­gen zeu­gen von einem zer­fah­re­nen Kli­ma, das kaum geeig­net ist, Ver­trau­en in die neue Beset­zung zu schaf­fen.

Man­gel an Trans­pa­renz

Die Ent­schei­dung, Jon­ke zum Vize­bür­ger­meis­ter zu ernen­nen, wirkt wie ein abge­kar­te­tes Spiel, das hin­ter ver­schlos­se­nen Türen vor­be­rei­tet wur­de. Bereits 2023 war Jon­ke als Nach­fol­ger Dolinars im Gespräch, muss­te jedoch auf­grund der Über­stun­den­af­fä­re zurück­ste­cken. Dass die Ermitt­lun­gen gegen ihn ein­ge­stellt wur­den, ebne­te den Weg für sei­ne Ernen­nung, doch die Öffent­lich­keit erfährt wenig über die tat­säch­li­chen Hin­ter­grün­de die­ser Ent­schei­dung. Die Aus­sa­ge von Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Schei­der, der 2021 Jon­ke und Doli­nar als „Leu­te, die sich das ver­dient haben“ bezeich­ne­te, klingt in Anbe­tracht der jüngs­ten Ent­wick­lun­gen eher wie eine Flos­kel als wie eine fun­dier­te Begrün­dung. Die Bür­ger Kla­gen­furts haben ein Recht dar­auf zu wis­sen, wel­che Kri­te­ri­en für die Aus­wahl eines Vize­bür­ger­meis­ters maß­geb­lich sind und war­um Jon­ke trotz sei­nes umstrit­te­nen Hin­ter­grunds bevor­zugt wur­de.

Frag­wür­di­ge poli­ti­sche Aus­rich­tung

Jon­kes Ernen­nung fällt in eine Zeit, in der das Team Kärn­ten unter Druck steht, sich klar zu posi­tio­nie­ren. Anfang 2025 been­de­te Par­tei­chef Ger­hard Köfer die Zusam­men­ar­beit mit der Lis­te Schei­der, da Gerüch­te über einen mög­li­chen Wech­sel Schei­ders zur FPÖ die Run­de mach­ten. Köfer beton­te, dass „die poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen in Kla­gen­furt nicht den Grund­sät­zen des Team Kärn­ten“ ent­sprä­chen. Jon­ke, der als enger Ver­trau­ter Schei­ders gilt, scheint jedoch von die­sen Span­nun­gen unbe­rührt zu blei­ben, was Fra­gen nach sei­ner Unab­hän­gig­keit auf­wirft. Sei­ne neu­en Refe­ra­te – Woh­nen, Sanie­rung, Neu­bau, Kli­ma- und Umwelt­schutz, Ener­gie und Euro­päi­sche Ange­le­gen­hei­ten – sind von hoher Rele­vanz für die Stadt, doch es bleibt unklar, ob Jon­ke die nöti­ge Kom­pe­tenz und Visi­on mit­bringt, um die­se Auf­ga­ben zu meis­tern.

Reak­tio­nen von Par­tei­kol­le­gen

Die Reak­tio­nen inner­halb des Team Kärn­ten sind ver­hal­ten. Wäh­rend Jon­ke selbst die Ernen­nung als Sprung­brett für die Gemein­de­rats­wahl 2027 sieht („Die Wahl 2027 steht vor der Tür, wir gehen bald in den End­spurt“,), bleibt die Unter­stüt­zung durch Par­tei­kol­le­gen zurück­hal­tend. Micha­el Guss­nig, der Jon­ke als Klub­chef ablöst, wird ledig­lich mit einer „engen Zusam­men­ar­beit“ zitiert, ohne kon­kre­te Unter­stüt­zung für Jon­kes neue Rol­le zu bekun­den. Von ande­ren Par­tei­en gibt es kaum öffent­li­che Stel­lung­nah­men, was den Ein­druck ver­stärkt, dass Jon­kes Ernen­nung eher als inter­ne Ange­le­gen­heit des Team Kärn­ten wahr­ge­nom­men wird. Vize­bür­ger­meis­ter Ronald Rabit­sch, der sich auf Ver­wal­tungs­re­for­men kon­zen­triert, ließ kei­ne direk­ten Kom­men­ta­re zu Jon­ke ver­lau­ten, was auf eine gewis­se Distanz zwi­schen den Koali­ti­ons­part­nern hin­deu­tet.

Wer­den Erwar­tun­gen erfüllt?

Die Bestel­lung von Patrick Jon­ke zum Vize­bür­ger­meis­ter von Kla­gen­furt ist ein wei­te­rer Beleg für die poli­ti­sche Unru­he, die die Lan­des­haupt­stadt seit Jah­ren prägt. Statt mit Trans­pa­renz und Kom­pe­tenz zu über­zeu­gen, scheint die Ent­schei­dung von inter­nen Macht­kämp­fen und tak­ti­schen Erwä­gun­gen getrie­ben. Die Bür­ger Kla­gen­furts ver­die­nen eine Stadt­re­gie­rung, die Sta­bi­li­tät und Ver­trau­en ver­mit­telt – Jon­kes Ernen­nung trägt dazu wenig bei. Es bleibt abzu­war­ten, ob er die hohen Erwar­tun­gen an sei­ne neu­en Refe­ra­te erfül­len kann oder ob die nächs­te Per­so­nal­ro­cha­de bereits in den Start­lö­chern steht.

30.04.2025 17:00 - Update am: 03.05.2025 11:02
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Patrick Jon­ke ist Kla­gen­furts neu­er Vize Kärntens Politwoche zwischen verspätetem Budget, Parteiausschluss und erstaunlich standfesten Funktionen – Stoff für Satire gab es auch diesmal genug.

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