ÖGB Kärnten
Kampagne brachte neue Betriebsratsgremien hervor
Eine Kampagne hebt die Arbeit und die Bedeutung des Betriebsrats, auch für den Arbeitgeber, hervor. „Der Betriebsrat ist für beide Seiten ein Verbündeter“, betont ÖGB-Landesvorsitzender Hermann Lipitsch im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“.
In Kärnten ist in 417 Unternehmen ein Betriebsratsgremium installiert. Das war der Stand, bevor der ÖGB Anfang Mai eine Kampagne startete, die auf die Bedeutung des Betriebsrats aufmerksam macht und zu Gründungen von Betriebsratskörperschaften animiert.
Bewusstsein schärfen
Obwohl die Kampagne noch läuft, darf Hermann Lipitsch, Landesvorsitzender des ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund), im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“ zufrieden eine vorläufige Bilanz ziehen: „Im Zeitraum seit Mai sind in Kärnten neun neue Betriebsratsgremien gegründet worden.“ Die Kampagne soll aber auch das Bewusstsein der Arbeitgeber schärfen. „Der Betriebsrat wird nach wie vor gerne als Gegner des Arbeitgebers angesehen“, bedauert Lipitsch. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall.
Ein Verbündeter für beide Seiten
Bei der tagtäglichen Tätigkeit des Betriebsrats geht es nicht nur um Hilfestellung für die Arbeitnehmer, sondern auch um Unterstützung für den Arbeitgeber. „Der Betriebsrat bringt die Ideen beider Seiten auf einen Nenner. Er ist für beide Seiten ein Verbündeter“, erklärt Lipitsch. Auf den Punkt gebracht: Er hat selbstverständlich die Interessen der Mitarbeiter zu wahren, ohne jedoch die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens aus dem Auge zu verlieren.
Der Betriebsrat bringt die Ideen beider Seiten auf einen Nenner. Er ist für beide Seiten ein Verbündeter.
Hermann Lipitsch
ÖGB-LandesvorsitzenderWann darf ein Betriebsrat gegründet werden?
Ab fünf Arbeitnehmern ist es gesetzlich möglich, einen Betriebsrat einzusetzen. „Er ist ehrenamtlich tätig. Erst ab einer Mitarbeiteranzahl von 150 arbeitet der Betriebsrat dienstfreigestellt“, klärt Lipitsch auf. Der ÖGB steht Betriebsräten nicht nur beratend zur Seite, sondern legt auch großen Wert auf deren Ausbildung. In den Gewerkschaftsschulen erhalten die Teilnehmer eine fundierte gewerkschaftliche Grundausbildung, um den Zusammenhalt im Betrieb zu fördern, den Beschäftigten den Rücken zu stärken und sie vor dem Arbeitgeber auch optimal zu vertreten.
Ausbildung in Gewerkschaftsschulen
Die Ausbildung umfasst Themen wie Arbeitsverfassung und Arbeitsrecht, Sozial- und Wirtschaftspolitik, Rhetorik und Kommunikation oder Gesellschaftspolitik. Lipitsch hebt hervor, dass Betriebsräte auch stets ein offenes Ohr für soziale Anliegen der Mitarbeiter haben, auch abseits des Arbeitsalltags: „Am wichtigsten ist es, den Beschäftigten zuzuhören, ihre Sorgen und Ängste ernst zu nehmen und sozial zu helfen, wo Hilfe möglich ist.“
Klageweg in letzter Konsequenz
Bei Streitfällen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber ist der ÖGB selbstverständlich eine rechtliche und moralische Stütze. In Ausnahmefällen muss im Sinne der Beschäftigten der Klageweg beschritten werden. „Allerdings in letzter Konsequenz. Den Großteil jener Probleme, die auf unserem Tisch landen, lösen wir im Konsens, wovon die Öffentlichkeit nichts mitbekommt“, erläutert Lipitsch. Denn: „Wir sind eben Partner, keine Gegner!“
ÖGB Kärnten
Die Landesorganisation des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) koordiniert die gewerkschaftliche Arbeit mit den einzelnen Gewerkschaften in Kärnten. Regionalsekretariate und Außenstellen in fünf Regionen (Klagenfurt, Villach/Hermagor, Spittal/Drau, St. Veit/Feldkirchen und Wolfsberg/Völkermarkt) betreuen die Gewerkschaftsmitglieder in arbeitsrechtlichen, sozialrechtlichen, kulturellen und bildungspolitischen Fragen. Mit Stand 31. Dezember 2020 zählt der ÖGB in Kärnten genau 70.792 Mitglieder.

