Aufbruch
Daniel Fellner mit 96 Prozent neuer SPÖ-Landeschef!
In die Fußstapfen von SPÖ-Kärnten-Landesparteivorsitzenden Peter Kaiser ließ sich Landesrat Daniel Fellner wählen - und das mit 96,39 Prozent der Delegierten-Stimmen.
Landesrat Daniel Fellner tritt in die großen Fußstapfen von Landesparteivorsitzenden Peter Kaiser.© SPÖ Kärnten
Seit mehreren Monaten erwartete man den heutigen 37. Landesparteitag der SPÖ Kärnten im Congress Center Villach mit großer Spannung — und das zurecht: Denn Peter Kaiser, seit 12 Jahren Landeshauptmann, seit 2010 Chef der Landespartei und seit 1974 in der SPÖ tätig, hat eine abermalige Kandidatur zum Vorsitz im März dieses Jahres ausgeschlossen. Der Schritt hatte sich schon länger angekündigt, nachdem er erklärt hatte, nicht mehr bei der Landtagswahl 2028 antreten zu wollen. “Ja, es ist ein historischer Landesparteitag”, sagte Landesgeschäftsführer Andreas Sucher in seiner Begrüßung vor mehr als 500 Delegierten und weiteren hunderten SPÖ-Vertreter. Als Ehrengäste haben sich unter anderem Vizekanzler Andreas Babler, Landeshauptmann a. D. Peter Ambrozy, Landeshauptmann-Stellvertreterin Kathrin Gaál, Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, SPÖ-Landesparteivorsitzender Vorarlberg Mario Leiter, SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim und SPÖ-Landesparteivorsitzende Kärnten a.D. Melitta Trunk eingefunden.
Sieben Jahre als Landesgeschäftsführer tätig
Mit dem Parteitag zieht sich auch Landesgeschäftsführer Andreas Sucher nach sieben Jahren in dieser Funktion zurück: “Es waren sieben Jahre, in denen ich die Geschicke der Kärntner SPÖ organisatorisch leiten durfte. Sieben spannende Jahre voll neuer Herausforderungen und voll konsequenter Arbeit mit hohem persönlichem Einsatz. Vor allem aber waren es sieben Jahre voll genutzter Chancen und voller großer Erfolge.”
An dem Parteitag wurden die Weichen für die nächsten Jahre gestellt und es wurde ein neues Kapitel begonnen: “Eines, das von einem neuen Vorsitzenden, einem erneuerten Team und einem neuen Landesgeschäftsführer geschrieben wird. Wenn wir uns auf unsere Werte besinnen, wird es ein Erfolgskapitel werden. Aber auch das Gegenteil ist möglich,“ gab sich Sucher mahnend. Denn in Kärnten und in Österreich habe man erfahren, was passiert, wenn zu viele Menschen den einfachen Botschaften und den Populismus-Parolen auf den Leim gehen. “Es liegt an uns, die richtigen Schlüsse zu ziehen und klarzumachen, wer auf der Seite der Vielen, auf der Seite der Menschen steht. Damit Kärnten auf der Überholspur bleibt.”
Aus politischen Schattendasein geführt
Besonders bedankte sich Sucher bei dem “Playing-Team-Captain” Peter Kaiser, der Kärnten am Abgrund übernommen und ihm neue Zukunftsperspektiven gegeben habe. Mit Kaiser habe sich ein Stil des Respekts und der Wertschätzung gegenüber politischen Mitbewerbern etabliert, ein Stil, den sich auch andere zum Vorbild nehmen.
Blicken wir kurz auf die von Sucher erwähnte Überholspur zurück. Kaiser war 2010 bei zwei Gegenkandidaten mit 78,4 Prozent zum Vorsitzenden gewählt worden, bei der ersten Wiederwahl 2013 waren es 98,63 Prozent. Seither hatte er stets Ergebnisse von mehr als 99 Prozent bei den Landesparteitagen erzielt. Es war auch Kaiser, der die SPÖ nach vielen Jahren aus dem politischen Schattendasein holte und somit das Bundesland “vom Pannenstreifen mit schamloser Korruption, Machmissbrauch und Hypo-Skandal auf die Überholspur brachte”: Bei den Landtagswahlen mit Kaiser als Spitzenkandidat erreichte die SPÖ seit jeher Platz eins. Waren es 2013 noch 37,13 Prozent der Stimmen, so war es 2018 beinahe eine absolute Mehrheit (47,94 Prozent).
Villachs Bürgermeister und Hausherr Günther Albel begrüßte die Delegierten und betonte, dass Fellner aus Überzeugung gewählt werde. „Es gibt so viele Bürger im Land, die wissen, worum es geht. Sicherheit, Leistung und Aufstieg sind unsere Leitlinien. Ich will kein Land der Spaltung. Wir sind ganz nahe bei den Menschen.“ Bürgermeister Albel übergab Kaiser zum Abschied einen Büchergutschein und ein Ticket für das Eishockey-Städtederby VSV gegen KAC, inklusive Würstel und Getränk im Villacher Sektor, was dem KAC-Fan Kaiser einiges abverlangen werde. „Aber Peter hat immer gesagt, wenn die Blauen beim Eishockey gewinnen, dann ist ihm das lieber als in der Politik“, schmunzelte Albel.
Die SPÖ Kärnten ist geeint
Nach der Begrüßung betrat Landtagsabgeordnete Christina Patterer, Mitglied der Mandatsprüfungskommission, die Bühne „Die Beschlussfähigkeit ist auf jeden Fall gegeben“, erklärte Patterer. Die Kärntner SPÖ sei geeint, denn 519 Delegierte würden am Parteitag teilnehmen. Klubobmann Herwig Seiser ging auf die Parteifinanzen ein: „Peter Kaiser hat mit seiner Sparsamkeit und Umsicht dafür gesorgt, dass unser Land wieder gut dasteht. Wir sind im Herzen tiefrot, im Finanziellen hochweiß”, zeigte sich der Kassiert hochzufrieden. Auch die SPÖ-Frauenpower — Nicole Schojer, Landesrätin Sara Schaar, Petra Oberrauner und Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig — bedankte sich geschlossen bei Landesgeschäftsführer Andreas Sucher und Landeshauptmann Peter Kaiser.
Kaiser: “Fellner ist die richtige Wahl”
„Es ist der richtige Zeitpunkt, um den Vorsitz in jüngere Hände zu legen. Ich habe ein so starkes Zeichen noch nie erlebt. Es ist Zeit zu gehen als Parteivorsitzender. Alles, was es zu berücksichtigen galt, habe ich abgewogen“, richtete sich Kaiser an die Mitglieder der SPÖ. Der scheidende Vorsitzende erinnerte an Wegmarken seiner Amtszeit – vom Neustart nach den Jahren der politischen Instabilität, über die Herausforderungen rund um die Hypo-Heta-Krise, bis hin zu Meilensteinen den Gratis-Kindergarten, die Wohnbauförderung, die Sicherung der Trinkwasserversorgung und die Gleichberechtigung im Zusammenleben mit Minderheiten. Besonders hob er die Bedeutung des Zusammenhalts innerhalb der SPÖ Kärnten hervor: „Wir haben gezeigt, dass wir Krisen bewältigen, Kärnten stabilisieren und Perspektiven für die Zukunft schaffen können. Dieser Zusammenhalt ist unsere größte Stärke — und: wir haben gemeinsam gehandelt, wir sind demütig geblieben und haben Kärnten zukunftsfit gemacht.“
Es liege nun an seiner Nachfolge, das neu erworbene Selbstbewusstsein der SPÖ weiterzutragen. Mit minutenlangem Applaus würdigten die Delegierten seine Arbeit. „Ich bin stolz darauf, dass Daniel Fellner mein Nachfolger sein wird. Er ist die richtige Wahl heute und bei der kommenden Landtagswahl“, betonte er in Richtung des Landesrats. Auch wenn er den Parteivorsitz zurücklegt, stellte Kaiser klar: „Meine Leidenschaft, mein Einsatz und meine Liebe zu diesem Land enden nicht mit meinem Rückzug als SPÖ-Vorsitzender.”
Wertschätzung, Sachlichkeit und Warmherzigkeit
Worte für Kaiser fand auch Landtagspräsident Reinhart Rohr, der stellvertretend für alle im Saal seinen Dank zum Ausdruck brachte: „Wenn man den Weg der Erfolge aber auch der Niederlagen gemeinsam geht, lernt man sich nicht nur als Politiker, sondern auch als Mensch kennen“, verwies Rohr auf seine jahrzehntelange Zusammenarbeit und gewachsene Freundschaft mit dem Landeshauptmann. „Du hast Kärnten zu einem Vorzeigeland gemacht, nicht nur was politische Maßnahmen angeht, sondern auch was unseren Ruf in Österreich und ganz Europa betrifft. Dein wertschätzender Umgang, dein sachlicher Stil und deine Warmherzigkeit verschaffen dir einen ganz besonderen Platz in der Erfolgsgeschichte unserer Gemeinschaft.” Kaiser habe aus der SPÖ Kärnten ein schlagkräftiges Team geformt, das mit Vertrauen und Verlässlichkeit gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft angehen könne.
“Wer sich nicht daran hält, dem zeige ich die Tür”
Mit Charme, Witz und strategischem Denken präsentierte sich der Landesrat Daniel Fellner. „Ich sehe eine große, geeinte Familie und Sozialdemokratie.“ Er sprach die Sorgen der Menschen an, von den Netzgebühren bis zu den Lebenshaltungskosten. „Warum zahlen wir so viel Netzgebühren, warum gibt es unterschiedliche Tarife? Ich fordere einheitliche Netzgebühren in ganz Österreich!“ Fellner stricht die Verantwortung gegenüber Pensionisten hervor, forderte die Aufhebung der Aufnahmebeschränkungen im Medizinstudium und leistbares Wohnen durch schnellere Verfahren. „Die Zukunft gehört den Mutigen.“
Er sprach sich für Partnerschaft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus, warnte vor reiner Symptombekämpfung und forderte eine starke Frauenpolitik. „Zum Thema Asyl: Wer sich nicht an unsere Gesetze hält, dem zeige ich die Tür. Unsere Landwirte müssen fair bezahlt werden. Unsere Pensionisten dürfen keine finanziellen Sorgen haben. Unsere Volksgruppe ist ein Schatz, ein Schatz unserer Kultur.“ Der Landesrat war schon immer glühender Sozialdemokrat, weil es ihm in die Wiege gelegt wurde. “Ich glaube an die Kraft des ‘Wir’. Wir alle sind Kärnten.”
Wolfgang Rami kandidierte ebenfalls
Als zweiter Kandidat stellte sich Wolfgang Rami vor. In seiner sehr emotionalen und mit sprachlichen Bildern aufgeladenen Rede blickte er 50 Jahre zurück und kritisierte die starke Umverteilung sowie das Sterben kleiner Betriebe und Gasthäuser. „Es gibt nur noch Systemverkäufer – wir müssen unsere Einstellung ändern.“
Der 73-Jährige forderte bessere Ausbildungsmöglichkeiten für die Jugend und betonte seine Motivation: „Es war eine emotionale Entscheidung zu kandidieren.” Zudem sei ein Kandidat sei zu wenig. “Vor allem möchte ich aber mit Stolz ein Roter sein – egal, wie die Wahl ausgeht.“
Landesrat Fellner übernimmt offiziell Vorsitz
Landesrat Daniel Fellner folgte nach der Auszählung mit 96,39 Prozent der Delegierten-Simmen Kaiser nach. Der 48-Jährige ist seit 2023 für Gemeindeangelegenheiten, Katastrophenschutz, Feuerwehr- und Rettungswesen, Kommunales Bauen und Baukultur, Bildung, Siedlungswasserwirtschaft, Schutzwasserwirtschaft und Hydrographie zuständig. Der Absolvent der HTL für Betriebstechnik in Wolfsberg begann seine berufliche Laufbahn beim Roten Kreuz als Sanitäter, für das er sich als Schüler engagierte. Dort wurde er dann Leiter der Landesleitstelle. 2009 übernahm der im Jahr 1977 Geborene das Amt des Sektionsobmanns in seiner Heimatstadt St. Andrä im Lavanttal. Kaiser machte ihm 2011 Mut, sich als Landesgeschäftsführer zu bewerben — und die Bewerbung war erfolgreich. Seit Juli 2022 ist er stellvertretender Landesparteivorsitzender. Er ist zudem Bezirksvorsitzender in Wolfsberg und ist seit 2009 im Landesvorstand der SPÖ.
- Noch ist der Wahltermin offen: Die geplante Amtsübergabe von Peter Kaiser an seinen designierten Nachfolger Daniel Fellner wird von koalitionsinternen Abstimmungen überschattet.



