Klagenfurt

Demo­kra­tie: Mit­mi­schen statt Aus­löf­feln

Künstliche Intelligenz bietet für den Landeshauptmann auf der einen Seite enorme Chancen, Wissen zu generieren und weiterzuentwickeln – es bestehe aber auch eine große Gefahr durch das Steuern dieser Entwicklungen.

Demo­kra­tie: Mit­mi­schen statt Aus­löf­felnHorst Peter Groß, Christopher A. Williams, Annemarie Podesser, Eva Hartmann, Kathrin Stainer-Hämmerle, Valerie Hase und Landeshauptmann Peter Kaiser (von links).

© LPD Kärnten/Jannach

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„Die Form der libe­ra­len Demo­kra­tie steht unter schwers­tem Beschuss.“ So deut­lich for­mu­lier­te es heu­te (1. März 2026) Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser bei einer Mati­née der „Land­schaft des Wis­sens“ im Kon­zert­haus Kla­gen­furt. Er hob die Bedeu­tung von Par­ti­zi­pa­ti­on und der Euro­päi­schen Uni­on als supra­na­tio­na­le Ein­heit her­vor, for­der­te eine ent­spre­chen­de Kon­trol­le von Social Media-Platt­for­men und the­ma­ti­sier­te auch die Künst­li­che Intel­li­genz. Wei­te­re Impuls­vor­trä­ge kamen von Ver­tre­tern der vier Hoch­schu­len und Uni­ver­si­tä­ten Kärn­tens. Ziel der „Land­schaft des Wis­sens“ ist es, Bil­dung und Wis­sen­schaft noch stär­ker in der Gesell­schaft zu ver­an­kern, wie Ver­eins­prä­si­dent Horst Peter Groß beton­te.

“Wir brau­chen supra­na­tio­na­le Nor­men”

Kai­ser zeig­te auf, dass sich momen­tan Wer­te, Macht­ver­hält­nis­se und Bünd­nis­se rasch und stark ver­än­dern. 72 Pro­zent der Mensch­heit wür­den in auto­ri­tä­ren Sys­te­men leben, nur zwölf Pro­zent in 29 Staa­ten mit libe­ra­len Demo­kra­tien. In der heu­ti­gen Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft wür­den die Zie­le der Demo­kra­tie oft sehr wenig zäh­len, gera­de auch Wahl­gän­ge sei­en davon stark beein­flusst. „Dem dür­fen wir nicht wehr­los gegen­über­ste­hen. Wir müs­sen Stär­ke zei­gen und die­sen Ten­den­zen begeg­nen.” Er appel­lier­te für ein lebens­be­glei­ten­des Ein­tre­ten für demo­kra­ti­sche Grund­wer­te, für ein „Mit­mi­schen statt Aus­löf­feln“. Der Lan­des­haupt­mann begrüßt natio­na­le Maß­nah­men zum Schutz von Kin­dern und Jugend­li­chen im Inter­net – aber das sei zu wenig: „Wir müs­sen dazu die EU-Ebe­ne akti­vie­ren. Wir brau­chen supra­na­tio­na­le Nor­men und Regeln, die Huma­ni­tät und Inte­gri­tät schüt­zen.“ Das Inter­net dür­fe kein rechts­frei­er Raum sein.

KI mit wis­sen­schaft­li­cher Beglei­tung

Künst­li­che Intel­li­genz bie­tet für den Lan­des­haupt­mann auf der einen Sei­te enor­me Chan­cen, Wis­sen zu gene­rie­ren und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln – es bestehe aber auch eine gro­ße Gefahr durch das Steu­ern die­ser Ent­wick­lun­gen: „Wir brau­chen bei der KI die ent­spre­chen­de wis­sen­schaft­li­che Beglei­tung und vor allem Nor­men und Wer­te als Richt­schnur.“ Ins­ge­samt sei die Zusam­men­ar­beit von Wis­sen­schaft und Poli­tik heu­te not­wen­di­ger denn je. „Wir müs­sen alles tun für das Bestehen unse­rer libe­ra­len Demo­kra­tien und dafür, dass sie als posi­ti­ve Bei­spie­le wir­ken kön­nen. Auto­ri­tä­ren Kräf­ten, die die Welt neu unter sich auf­tei­len wol­len, müs­sen wir uns mit der Macht des Geis­tes und der Über­zeu­gung für demo­kra­ti­sche Wer­te ent­ge­gen­stel­len.“

“Demo­kra­tie ist dau­er­haf­tes Pro­jekt”

Horst Peter Groß sag­te, dass Radi­ka­li­tät als Gefahr für Demo­kra­tien das Jah­res­the­ma der „Land­schaft des Wis­sens“ bzw. Wis­sen­schafts­ver­eins Kärn­ten war. Es gebe dazu einen Pod­cast und Publi­ka­tio­nen. Demo­kra­tie sei kein Selbst­läu­fer, son­dern ein dau­er­haf­tes Pro­jekt, hob er her­vor. Aktu­ell neh­me die Poli­tik­ver­dros­sen­heit zu. Es kom­me zu einer ent­po­li­ti­sier­ten Mit­te, was zur Ero­si­on demo­kra­ti­scher Legi­ti­mi­tät bei­tra­ge. Zen­tra­les Pro­blem sei auch, das die libe­ra­le Streit­kul­tur ero­die­re. Es kom­me zu Zuspit­zun­gen und Pola­ri­sie­run­gen. Auch Groß mach­te deut­lich, dass nur ein gerin­ger Teil der Welt­be­völ­ke­rung in libe­ra­len Demo­kra­tien lebe. In sol­chen sei­en die Frei­heit der Wis­sen­schaft und freie Medi­en wesent­li­che Pfei­ler. In libe­ra­len Demo­kra­tien gehe es zudem um die Sta­bi­li­tät zwi­schen den drei Grund­be­dürf­nis­sen Frei­heit, Sicher­heit und Soli­da­ri­tät. Kei­nes der drei dür­fe auf Kos­ten der ande­ren bei­den abso­lut wer­den.

Online-Tipp: landschaftdeswissens.at

01.03.2026 19:00
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Demo­kra­tie: Mit­mi­schen statt Aus­löf­felnHorst Peter Groß, Christopher A. Williams, Annemarie Podesser, Eva Hartmann, Kathrin Stainer-Hämmerle, Valerie Hase und Landeshauptmann Peter Kaiser (von links).

© LPD Kärnten/Jannach