Kommentar

Sprit­preis­brem­se: Viel Lärm um wenig Liter

Die neue Spritpreisbremse soll Entlastung bringen, wirkt aber vor allem wie eine elegant verpackte Beruhigungspille für empörte Autofahrer.

Pixabay/andreas160578

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Seit heu­te ist sie also in Kraft, die Sprit­preis­brem­se. Ein gro­ßer Name für eine Maß­nah­me, die an der Tank­stel­le unge­fähr so viel Wucht ent­fal­tet wie ein nas­ser Schwamm auf einem Flä­chen­brand.

Die Regie­rung ver­kauft das Gan­ze als Ent­las­tung. Der Auto­fah­rer lernt hin­ge­gen: Wenn der Sprit­preis bis­lang schmerz­haft war, ist er jetzt nur noch etwas höf­li­cher unver­schämt.

Natür­lich klingt „Sprit­preis­brem­se“ her­vor­ra­gend. Das Wort hat alles, was poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on liebt: Es klingt nach Kon­trol­le, nach Ein­griff, nach beherz­tem Zug an der Not­brem­se. Tat­säch­lich wirkt es eher so, als hät­te man den Preis­ga­lopp der Mine­ral­öl­bran­che gebe­ten, künf­tig bit­te nur mehr im Schritt zu tra­ben.

Gro­ße Brem­se, klei­ne Wir­kung

Vor allem in Kärn­ten, wo das Auto für vie­le kein Luxus, son­dern All­tag ist, darf man sich schon fra­gen, wen die­se Maß­nah­me wirk­lich beein­dru­cken soll. Pend­ler, Fami­li­en, Hand­wer­ker oder Pfle­ge­kräf­te jeden­falls wohl kaum. Wer regel­mä­ßig tan­ken muss, merkt schnell: Die­se Brem­se hält nicht auf – sie nickt dem Pro­blem freund­lich zu.

Beson­ders char­mant ist der poli­ti­sche Auf­wand hin­ter der Sache. Da wer­den Regeln for­mu­liert, Preis­stei­ge­run­gen getak­tet, Mar­gen dis­ku­tiert und Pake­te geschnürt, als wür­de man gera­de den Treib­stoff­markt neu erfin­den. Her­aus kommt am Ende eine Ent­las­tung, für die man sich an der Kas­sa nicht bedankt, son­dern höchs­tens kurz weni­ger laut seufzt.

Poli­ti­sche Show an der Zapf­säu­le

Es ist die hohe Kunst der Sym­bol­po­li­tik: Man tut sicht­bar etwas, ohne das Pro­blem wirk­lich sicht­bar klei­ner zu machen. Der Bür­ger soll das Gefühl haben, der Staat grei­fe ein. Tat­säch­lich greift er eher dane­ben – aber mit gro­ßer Ges­te.

Die Sprit­preis­brem­se ist damit vor allem eines: ein poli­ti­sches Beru­hi­gungs­mit­tel. Nicht stark genug, um den Schmerz zu neh­men, aber aus­rei­chend, damit man in Wien behaup­ten kann, man habe reagiert.

Ein ver­spä­te­ter April­scherz ist das Gan­ze des­halb nicht.
Für einen Scherz wäre es zu teu­er.

02.04.2026 18:45 - Update am: 02.04.2026 19:49
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