Kommentar
Kärnten meditiert – Hüttenberg verliert
Während das Tibetzentrum Hüttenberg verlässt, bleiben in der Gemeinde viele offene Fragen – und in Kärnten der Eindruck, dass politischer Weitblick wieder einmal erst dann beginnt, wenn die Chance bereits über die Landesgrenze gezogen ist.
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In Hüttenberg werden die Gebetsfahnen leiser. Das Tibetzentrum zieht ab – ausgerechnet in die Steiermark. Und Kärnten? Kärnten schaut zu, sortiert Zuständigkeiten, zeigt sich vermutlich betroffen und entdeckt vielleicht demnächst eine neue Arbeitsgruppe mit dem Titel: „Strategischer Weitblick – Unterausschuss verpasste Chancen“.
Mehr als Räucherstäbchen: Ein Standort verliert sein Profil
Dabei war das Tibetzentrum nie irgendein Seminarraum mit Räucherstäbchen. Gemeinsam mit dem Heinrich-Harrer-Museum, dem Lingkor, dem Schaubergwerk und der historischen Eisenwerksanlage in der Heft war es Teil einer gewachsenen Identität. Hüttenberg hatte damit etwas, wovon viele Gemeinden nur in Tourismusbroschüren träumen: eine echte Geschichte, internationale Strahlkraft und ein unverwechselbares Profil.
Genau deshalb ist die Abwanderung mehr als nur eine Vereinsentscheidung. Sie ist ein politisches Warnsignal. Denn wenn eine kleine Gemeinde ein solches Alleinstellungsmerkmal verliert, dann verliert sie nicht nur Besucherinnen und Besucher. Sie verliert Frequenz, Wertschöpfung, Zukunftschancen – und ein Stück Selbstbewusstsein.
Natürlich muss öffentliche Förderung kontrolliert werden. Natürlich darf Geld nicht automatisch fließen, nur weil ein Projekt schöne Worte und internationale Namen vorweisen kann. Aber Politik ist mehr als Buchhaltung mit Landeswappen. Gute Politik erkennt Potenziale, bevor sie anderswo als Chance begrüßt werden. Schlechte Politik merkt erst dann auf, wenn das Inventar schon abtransportiert ist.
Besonders bitter ist der Kontrast zur politischen Rhetorik. In Kärnten wird gerne von Regionalentwicklung, Standortstärkung, Kultur, Tourismus und Zukunft gesprochen. Doch in Hüttenberg klingt das derzeit so: Die Zukunft packt ihre Kisten und fährt über die Landesgrenze.
Weitblick sieht anders aus
Auch die neue Kärntner Landesregierung wird sich daran messen lassen müssen. Nicht an Sonntagsreden über die Stärkung des ländlichen Raums, sondern daran, ob solche Orte tatsächlich ernst genommen werden. Es reicht nicht, Regionen in Regierungsprogrammen zu loben, wenn man sie in der Praxis mit ihren Problemen allein lässt. Weitblick bedeutet eben nicht, nach der Abwanderung besonders weit hinterherzuschauen.
Für Hüttenberg bleiben viele Fragen offen. Wer wusste wann Bescheid? Welche Gespräche wurden geführt? Welche Verträge und Vereinbarungen bestanden? Welche Maßnahmen wurden gesetzt, um den Standort zu halten? Und warum braucht es erst einen offenen Brief, damit Transparenz eingefordert wird?
Die Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger haben ein Recht darauf zu erfahren, was hinter den Kulissen passiert ist – und was eben nicht passiert ist. Denn wenn eine Einrichtung mit dieser Bedeutung verschwindet, darf das nicht als bedauerliche Randnotiz abgelegt werden.
Am Ende bleibt ein bitteres Symbolbild: Kärnten redet von Zukunft, verliert aber ein Stück davon an die Steiermark. Hüttenberg muss sich nun neu orientieren. Vielleicht sollte das Land Kärnten dasselbe tun – weg vom Verwalten, hin zum Erkennen. Denn wer seine Chancen nicht schützt, darf sich nicht wundern, wenn sie anderswo willkommen geheißen werden.