Landespolitik
Pflege: Land übernimmt Schulgeld und Kursbeitrag
Landeshauptmann-Stellvertreterin Beate Prettner stellte gestern ein Pflegepaket vor, das finanzielle Anreize in der Ausbildung und schließlich bei der Berufsausübung schaffen soll. Alle Maßnahmen und politischen Stimmen dazu im Überblick.
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Gestern kündigte Landeshauptmann-Stellvertreterin und Gesundheitsreferentin Beate Prettner ein umfassendes Pflegepaket an. „Unsere Vorbereitungen für ein umfassendes Pflegeausbildungspaket sind in der Finalisierungsphase. Die Maßnahmen, die wir in Kärnten umsetzen, werden die Pflegeausbildung sehr attraktiv machen. Damit wollen wir jenen Personalstand sicherstellen, der die Mitarbeiter entlastet, der die Dienstzeiten verlässlich macht und der damit die Pflegeversorgung in Summe stärkt“, erklärt Prettner.
Pflegekräfte ausbilden
Dieses Offensiv-Paket soll dazu beitragen, zusätzliche und dringend benötigte Pflegekräfte ausbilden zu können. „Bislang haben wir jedes Semester neue Ausbildungsprojekte angeboten und dadurch die Zahl der jährlichen Absolventen auf knapp 400 gesteigert. Die demografische Entwicklung, die geänderten Arbeitszeiten und die steigenden Belastungen machen die Situation aber jedes Jahr herausfordernder“, sagt Prettner. Die Corona-Pandemie verschärfte die Situation zusätzlich. „Daher ist es notwendig, neue Anreize zu schaffen – und zwar erstmals finanzielle Anreize“, betont Prettner.
Monatliche Prämie
Das Land Kärnten wird allen Auszubildenden eine monatliche Prämie von 450 Euro bezahlen. Gemeint sind alle drei Ausbildungsformen, nämlich Pflegeassistenz (ein Jahr), Pflegefachassistenz (zwei Jahre) und diplomiertes Pflegepersonal an der Fachhochschule (drei Jahre). Der Bezug der Prämie soll auch ein Anreiz dafür sein, die Absolventen für eine Beschäftigung in Kärnten zu halten. „Zudem wird das Land das Schulgeld und den Kursbeitrag für Schüler in den Caritas- und Diakonie-Schulen sowie für die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege übernehmen“, informiert Prettner über die zweite wichtige Maßnahme.
Anstellung während Ausbildung
Als dritter Punkt wird, was laut Prettner in Österreich einzigartig wäre, eine Anstellung von künftigen Pflegefachassistenten während ihrer zweijährigen Ausbildungszeit angestrebt. „Es sind gerade Pflegefachassistenten, die wir ganz besonders benötigen. Daher versuchen wir, mit dem Anstellungssystem in diesem Ausbildungsbereich zu beginnen. Das ist allerdings mit rechtlichen Stolpersteinen und mehreren Gesetzesänderungen verbunden. Wenn wir diese offenen Fragen bis September klären können, wird das Anstellungssystem in der Pflegefachassistenz – anstelle der Prämie – schon mit Beginn des nächsten Schuljahres umgesetzt“, erläutert Prettner.
Vollzeitkräfte aufstocken
Im Bereich der Pflegeheime wird heuer die Zahl der Mitarbeiter um rund hundert Vollzeitkräfte aufgestockt. Das zusätzliche Personal muss bis spätestens 1. April 2022 eingestellt sein. Der Rest wird im Zuge einer Novelle der Kärntner Heimverordnung, sprich mit einer Änderung des Personalschlüssels, realisiert. „Für eine weitere Verbesserung des Personalschlüssels sind Verhandlungen mit dem Gemeinde- und Städtebund erforderlich“, schildert Prettner.
Alle finanziellen Maßnahmen zur Attraktivierung der Pflegeausbildung treten mit Start des nächsten Unterrichtsjahres in Kraft.
Reaktion FPÖ Kärnten
Für die FPÖ Kärnten kommentieren Klubobmann Gernot Darmann sowie Landtagsabgeordneter und Sozialsprecher Harald Trettenberein diese Ankündigen: „Die Freiheitlichen warnen seit Jahren vor dem Pflegenotstand und fordern die Abschaffung aller finanziellen Hürden in der Pflegeausbildung. Bisher haben SPÖ und Sozialreferentin Beate Prettner nur mit Arroganz und Ignoranz darauf reagiert. Jetzt, wo die Krise für jeden erkennbar ist, reagiert Prettner mit einer Notaktion! Dass die Landesregierung endlich Verbesserungen ins Auge fasst, ist zu begrüßen, aber die bisher verlautbarten Details sind, was typisch für die konzeptlose Vorgangsweise von Prettner ist, unlogisch. Wir müssen sie noch korrigieren.“
Reaktion Team Kärnten
Landtagsabgeordneter Gerhard Köfer (Team Kärnten) sieht in der Ankündigung, dass das Land Kärnten künftig Personen, die einen Pflegeberuf anstreben, eine finanzielle Unterstützung zukommen lässt, einen längst überfälligen Schritt: „Wir warnen seit Jahren gebetsmühlenartig vor einem Kollaps des gesamten Pflegebereichs, unabhängig ob im Bereich der Altenbetreuung oder in Spitälern. Diese Warnungen wurden immer in den Wind geschlagen und berechtigte Forderungen einfach vom Tisch gewischt. Die jetzt verkündete Maßnahme ist dringend notwendig. Sie entlastet jene, die sich im Bereich der Pflege engagieren wollen.“ Auch die Übernahme von Schulgeldern und Kursbeiträgen ist laut Köfer eine Maßnahme, die jetzt endlich umgesetzt wird.

