Ukraine
Kärntner Wirtschaft setzt sich für Vertriebene ein
Die Kärntner Wirtschaft schnürte ein Bündel an Unterstützungsmaßnahmen, um erste Hilfe zu leisten und den Kriegsflüchtlingen zumindest vorübergehend eine Perspektive zu bieten.
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Der Krieg in der Ukraine löste eine Flüchtlingswelle aus, deren Ausläufer bis nach Kärnten reichen. Viele Privatpersonen, die öffentliche Verwaltung, aber auch die Wirtschaft tragen ihren Teil dazu bei, um Vertriebene in dieser äußerst schwierigen Lebenssituation zu unterstützen. „Wir erleben die größte Flüchtlingswelle in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie wird größer und länger dauern, als wir möglicherweise aus heutiger Sicht erwarten. Deshalb bringt sich auch die Wirtschaft stark ein, sowohl mit kurzfristigen Maßnahmen als auch mit Angeboten, um auf längere Sicht Perspektiven zu bieten“, sagt Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten.
Kindergarten als „Stück Normalität“
Bereits seit einigen Tagen können auf Initiative der Wirtschaftskammer gemeinsam mit dem „Hilfswerk 24“ ukrainische Kinder in zwei Gruppen den Kindergarten Rauscherpark in Klagenfurt besuchen. „Sowohl die Kinder als auch ihre Mütter sind glücklich über dieses Stück Normalität, das sie nach Tagen und Wochen der Flucht nun wieder zurückgewonnen haben“, erklärt Alessia Sasina, Ukraine-Koordinatorin der Wirtschaftskammer. Sie stammt aus der Ukraine, war in den ersten Kriegstagen mit einem selbst organisierten Hilfskonvoi aus Kärnten an der Grenze und nahm auch Vertriebene bei sich auf. „Sie sind erschüttert, aber auch dankbar. Und sie wollen sich nützlich machen und nicht völlig auf fremde Hilfe angewiesen sein“, betont Sasina.
WIFI-Sprachkurse als Einstiegshilfe
Diese Bereitschaft möchte auch das WIFI Kärnten unterstützen und bietet daher kostenlose Deutsch-Kurse für die vorwiegend weiblichen ukrainischen Vertriebenen an. „Der Schlüssel zu sehr vielen Tätigkeiten ist die zumindest grundlegende Kenntnis unserer Sprache. Außerdem wird es dadurch möglich, die bisherigen Ausbildungen, Tätigkeiten oder Interessen der Kursteilnehmerinnen zu erfahren und entsprechende berufliche Möglichkeiten zu suchen“, schildert Mandl. Kritik, wonach die Wirtschaft nur billige Arbeitskräfte sucht, tritt er entschieden entgegen: „Nachdem Männer aus der Ukraine aus Gründen der Wehrpflicht nicht ausreisen dürfen, sind die allermeisten Flüchtlinge Frauen, viele mit Kindern. Und alle hoffen auf eine baldige Rückkehr in ihre Heimat. Das Arbeitskräfte-Problem der Kärntner Wirtschaft wird sich also damit sicher nicht lösen lassen. Uns geht es lediglich darum, vernünftige und praktikable Übergangslösungen zu finden.“
Erstberatung auf Ukrainisch
Unterstützung kommt auch vom „Carinthian International Center“, an dem die Wirtschaftskammer und die Sparte Industrie maßgeblich beteiligt sind. Das Center versteht sich als erste Anlaufstelle für neu in Kärnten ankommende Menschen und bietet in den nächsten Wochen auch Flüchtlingen aus der Ukraine kostenlose Beratungen zum Leben in Kärnten an: am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 12 bis 14 Uhr (in Ukrainisch). Außerdem organisiert das „Carinthian International Center“ im Auftrag der Wirtschaft auch vierwöchige Intensiv-Deutschkurse (528 Stunden) mit Kinderbetreuung für Gruppen zu jeweils zehn Personen, die von einem oder zwei Unternehmen finanziert werden können.
Jobs für die Sommersaison
Nicht nur die Industrie, auch der Kärntner Tourismus bietet den Neuankömmlingen Beschäftigungsmöglichkeiten: Die Tourismus-Jobbörse legt Ende April den Fokus auf die Vertriebenen, auch Drucksorten auf Ukrainisch sind bereits in Vorbereitung. „Manche Hotels verzichten bereits auf die Sommersaison und haben Vertriebene bei sich aufgenommen. Die Wirtschaft heißt die Flüchtlinge aus der Ukraine willkommen, bedauert ihr Schicksal, unterstützt sie und freut sich, wenn die eine oder der andere zumindest für die Zeit des Aufenthalts in Kärnten irgendwo anpacken will“, erläutert Mandl.
- Alessia Sasina (Dritte von rechts) organisierte mit zahlreichen Freiwilligen, mit der Unterstützung einiger Unternehmen und des Rotaract-Clubs Klagenfurt Hilfstransporte in die Ukraine und ins Grenzgebiet.
- Gemeinsam für die Ukraine: Walter Sabitzer, Obmann der Wirtschaftskammer-Bezirksstelle St. Veit, Ukraine-Koordinatorin Alessia Sasina und Rotary-Beauftrager Sebastian Adami (von links)
- Die ersten Kinder wurden bereits im Kindergarten Rauscherpark in Klagenfurt willkommen geheißen.

