Zedlitzdorf
Rosi und ihr Reindling
Die Bergbauerntochter Rosi Neidhart kam von einem auf 1.200 Metern Seehöhe gelegenen Bauernhof in Feld am See vor 57 Jahren der Liebe wegen auf den ebenfalls auf 1.200 Metern gelegenen Görzberg in Zedlitzdorf. Im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“ verrät sie, wie sie den Kärntner Reindling backt.
Das Leben mit alten Kärntner Bräuchen gehört für Rosi Neidhart zum Alltag. Immerhin war sie vor vielen Jahren Mitbegründerin der Trachtengruppe Gnesau. „Wir haben derzeit 25 Mitglieder, die Tendenz ist steigend“, freut sich Neidhart, die auch den Bänderhutfrauen in Gnesau angehört. Zudem ist sie beim Reindlingsfest aktiv. „Wenn das Reindlingsfest stattfindet, backe ich jedes Mal fünfzig Reindlinge. Dazu habe ich zu Hause einen Backofen, in dem man acht Reindlinge gleichzeitig backen kann. Für die Ostern reichen zwölf Reindlinge und rund dreißig Mini-Reindlinge für die Verwandten und Bekannten“, erzählt Neidhart.
Die Zutaten
Die Reindlingrezepte sind in Kärnten unterschiedlich. Welche Zutaten braucht man? „Für eine normale Reindlingform, auch Gugelhupfform genannt, nehme ich 500 Gramm Mehl, zwei Eier, zehn Dekagramm Butter, Milch nach Bedarf, Germ, Zucker und eine Brise Salz. Für die Füllung verwende ich Rosinen nach Wahl, gemahlene Nüsse, Zimt, Zucker und Rum. Man kann zum Süßen auch Honig nehmen. Der Teig muss geschlagen werden, um ihn luftiger zu machen. Danach muss er mindestens eine halbe Stunde rasten. Der aufgegangene Teig wird dann zurückgeschlagen, um wieder aufzugehen. Anschließend wird er ausgerollt, gut gefüllt, zusammengerollt und in die Reindlingform gelegt. Eine Stunde im vorgeheizten Rohr bei 180 Grad backen – und fertig ist er“, erklärt Neidhart. Das Besondere im Haus der Familie Neidhart ist, dass der Reindling noch in einer über hundert Jahre alten Tonform gebacken wird.
Gefüllte Butter
Neidhart kam als Jüngstes von zehn Kindern in Feld am See zur Welt. „Ich habe viel von meiner Mutter und später von meiner Schwägerin gelernt. Ich habe vor 50 Jahren auch die Gegentaler Kirchtagssuppe, auch Gelbe Suppe genannt, nach Gnesau gebracht“, verrät die gebürtige Gegendtalerin. Auch den schmackhaften Osterbrauch der gefüllten Butter hatte sie mit im Gepäck. „Sie wird in der Buttermodel dick ausgestrichen und dann mit Dörrzwetschken, Mohn, Zucker, Zimt und Rum gefüllt“, schildert Neidhart.
Die Jägerin
Im Hause der Familie Neidhart gibt es auch drei Jägerinnen. „Ich bin seit 45 Jahren Mitglied im Jagdverein Zedlitzdorf. Auch meine Tochter Lydia und meine Enkeltochter sind Jägerinnen. Bereits vor elf Jahren habe ich meinen Lebenshirschen geschossen. Es war ein 14-Ender“, erinnert sich Neidhart.
- Die Zutaten für den Reindling
- Die hundert Jahre alte Tonform
- Rosi Neidhart mit einem frisch gebackenen Reindling
