Wirtschaftskammer
Kärntens Tankstellen schlagen Alarm
Die heimischen Tankstellen-Betreiber fordern eine temporäre Aussetzung der Mineralölsteuer, um Pendler und Wertschöpfungskette zu entlasten.
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Unter den hohen Treibstoffpreisen leiden auch die heimischen Tankstellen-Betreiber. Sie haben weniger Frequenz zur Folge – und somit weniger Umsatz. „Unsere Betriebe profitieren von den massiv gestiegenen Preisen überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: Wir erhalten immer dieselbe Summe je verkauftem Liter, egal wie hoch der Preis gerade ist“, stellt Jürgen Scherzer, Obmann der Fachgruppe Garagen‑, Tankstellen- und Service-Unternehmungen in der Wirtschaftskammer Kärnten, auf.
Höhere Einnahmen aus Steuern
Anders verhält es sich jedoch mit den Steuereinnahmen: Diese steigen mit höheren Treibstoffpreisen. „Es profitieren also vor allem Staat und Mineralölkonzerne, während unsere Betriebe mit dem Rücken zur Wand stehen“, schlägt Scherzer Alarm. Die aktuell hohen Preise sorgen nämlich dafür, dass weniger getankt wird und der Tanktourismus in Nachbarländer zunimmt.
Entlastungsmaßnahmen benötigt
Die Frequenz an Tankstellen nahm in den vergangenen Wochen deutlich ab. „Das bringt unsere Branche massiv unter Druck, weil es bei uns aus betriebswirtschaftlicher Sicht vor allem auf die Menge der verkauften Liter ankommt“, erklärt Scherzer. Er appelliert an die Bundesregierung, dringend Entlastungsmaßnahmen umzusetzen. Konkret schlägt er eine zeitlich begrenzte Aussetzung der Mineralölsteuer auf alle Kraftstoffe vor. „Das wäre nicht nur für unsere Betriebe eine dringend notwendige Entlastung, sondern für alle Konsumenten und Unternehmen“, betont Scherzer.
Grundversorgung und Mobilität gefährdet
Andernfalls sieht er Grundversorgung und Mobilität im ländlichen Raum gefährdet. Denn: Jedes Produkt, das im Lebensmittelhandel verkauft wird, und jeder einzelne Ziegel, der auf Baustellen eingesetzt wird, haben einen gewissen Transportweg hinter sich. Durch die exorbitant gestiegenen Treibstoffpreise werden all diese Produkte auch teurer werden. „Nicht nur die Transportwirtschaft, die unsere Versorgung mit den Waren des täglichen Bedarfs sicherstellt, braucht leistbare Treibstoffpreise. Auch zur Gewährleistung von Arbeitsleistung und Wertschöpfungsketten sind diese essenziell: Speziell in Kärnten haben viele Arbeitnehmer keine andere Wahl, als mit dem eigenen Auto in die Arbeit zu fahren“, erläutert Scherzer.
Wissenswert
Der Treibstoffpreis setzt sich wie folgt zusammen (Stand: März 2022):
- 54,5 Prozent Einkaufspreis des Treibstoffs
- 27 Prozent Mineralölsteuer
- 17 Prozent Umsatzsteuer
- 1 Prozent Ertrag für den Tankstellenpächter (1 bis 1,5 Cent pro Liter)
- 0,5 % Abgabe für Pflichtnotstandsreserve

