Martin Müller

Der „motorisierte Kormoran“ vom Weißensee

Frische Fische aus dem Weißensee: Wie Martin Müller als Hochbau-Ingenieur letztendlich zu seiner (beruflichen) Leidenschaft der Fischerei kam, erzählt er im Gespräch mit „KLiCK Kärnten.

Der „motorisierte Kormoran“ vom Weißensee Martin Müller, der Fischer vom Weißensee

© privat

Anzeige

Der elterlichen Zimmerei entsprechend besuchte der Weißenseer Martin Müller nach der Pflichtschule die HTL und wurde so zum Hochbau-Ingenieur. „Danach habe ich mich am Millstätter See auf dem zweiten Bildungsweg zum Fischerei-Facharbeiter ausbilden lassen und dann in Wien Limnologie und Fischereiökologie studiert. Die Diplomarbeit habe ich am Weißensee geschrieben, dabei habe ich auch die ersten Kontakte zur Agrargemeinschaft geknüpft. Ich habe sehr schnell beschlossen, dass ich am See einen professionellen Fischerbetrieb gründen will“, erzählt Müller. Das Fischrecht am Weißensee gehört der Agrargemeinschaft mit rund 60 Mitgliedern. „Zwischen der Gemeinschaft und mir ist eine Symbiose entstanden. Ich bekomme die Rahmenbedingungen zur Verfügung gestellt und kümmere mich um den Fischbestand. Vor dem Jahr 2004, als ich angefangen habe, konnte man hier noch keinen Fisch kaufen“, erläutert der Fischerei-Profi.

Die Netzfischerei

Aus seinem unternehmerischen Vorhaben wurden eine Netzfischerei, ein Angelguiding für Hobbyfischer, eine fischökologische Untersuchungsstation, angebotene Flusskrebs-Exkursionen und ein Zuchtbetrieb für Besatzfische. Am Weißensee wird Müller scherzhaft auch der „motorisierte Kormoran“ genannt. „Bei der Netzfischerei gehe ich extensiv auf Reinanken. Im Weißensee gibt es nämlich einen ausgezeichneten Reinanken-Bestand“, berichtet Müller.

Das Angelguiding

Mit der Angel fischt er nur beim Angelguiding. „Ich fahre mit Hobbyfischern auf den See hinaus, um mit ihnen Fische zu angeln. Dabei informiere ich sie auch über über die Fischökologie: Warum und wann man welche Fische fängt und mit welchen Ködern – einfach alles rund um die Fischerei. Die gefangenen Fische gehören eigentlich mir, aber ich überlasse den Teilnehmern gerne ihren Fang“, betont Müller. Im Weißensee sind genug Fische wie Reinanken, Karpfen, Schleien, Flussbarsche, Hechte und Welse vorhanden.

Mehr als ein Job

Die Fischerei ist für Müller nicht nur ein Job: „Man muss auch ein Freak sein, mit einer großen Leidenschaft zur Fischerei. Aber ich mache das, was ich gerne tue. Mir gefällt ein Satz des deutschen Schriftstellers Richard David Precht, der beschreibt punktgenau, was ich mache: Das ist bezahlte Selbstverwirklichung“.

Die Edelkrebse

Im Weißensee wurde im Jahr 1980 übrigens mit der Einschleppung des nordamerikanischen Kamberkrebses, ein Überträger der Krebspest, ein ursprünglich dichter Bestand an Edelkrebsen vernichtet. „Noch im Juni 2018 konnten am Ostufer des Weißensees aber vereinzelt Edelkrebse nachgewiesen werden. Offensichtlich dürften diese Exemplare resistent gegenüber der Krebspest sein“, erklärt Müller. Daraufhin wurde das Projekt „Edelkrebs“ vom Fischereirevierverband Spittal finanziell gefördert und von Müller unter Mitarbeit von Martin Weinländer und Veronika Fischer durchgeführt. Mit dem Ziel, die Verbreitung des Edel- und Kamberkrebses zu erheben und die Populationsgrößen beider Arten zu bestimmen.

Die Direktvermarktung

Die frisch gefangenen Fische werden mittels Direktvermarktung im Geschäft in Neusach verkauft. „Wir beliefern auch die gehobene Gastronomie mit unseren Fischen, vorwiegend sind es die Reinanken“, schildert Müller. Im Fischhaus am Weißensee sind neben Fischen natürlich auch andere Produkte erhältlich.

Online-Tipp: www.weissenseefisch.at

 

14.05.2022 18:50 - Update am: 14.05.2022 11:11
Anzeige
Der „motorisierte Kormoran“ vom Weißensee Martin Müller, der Fischer vom Weißensee

© privat