Naturschutz
Ranger im Einsatz
Hunderte Badegäste wollen am Lendspitz einen der wenigen öffentlichen Seezugänge und die Naturidylle genießen. Zugleich brauchen seltene Tiere Ruhe und Schutz. Ranger klären über die Regeln im Europaschutzgebiet auf.
© Margit Dietrich
Sommer im Schutzgebiet bedeutet Besucheransturm und an manchen Tagen laute Partystimmung. Nur wenige Meter entfernt singt und brütet unterdessen der Rohrschwirl im dichten Schilf. Er ist einer von vielen seltenen Vögeln, der im Schilfgürtel zwischen Lendspitz und Maiernigg ideale Lebensbedingungen vorfindet.
Sensibles Schutzgebiet
Seit dem Jahr 2010 ist per Verordnung des Landes Kärnten geregelt, was in diesem 77,4 Hektar großen, urbanen Schutzgebiet erlaubt und verboten ist. Dazu gehört unter anderem, dass Hunde an die Leine müssen, laute Musik verboten und Radfahren nur auf asphaltierten Wegen erlaubt ist. „Noch vor wenigen Jahren war der Spazierweg entlang des Wassers ein schmaler Trampelpfad. Mittlerweile sind die Uferbereiche im Sommer vielbevölkert. Es ist notwendig geworden, die Menschen verstärkt darauf hinzuweisen, dass es sich bei dieser Naturoase um ein Schutzgebiet handelt“, sagt Elisabeth Wiegele vom E.C.O Institut für Ökologie.
Dieses Institut ist von Stadt und Land beauftragt, sich um das Schutzgebietsmanagement zu kümmern.
Sommerjob: Ranger
Da neue Hinweisschilder bisher nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben, sind Ranger im Einsatz, die die Seebesucher über die Regeln im Schutzgebiet aufklären. Julia Madritsch studiert „Nachhaltiges Baumanagement“ in Spittal und lässt sich zur Naturschutzfachkraft ausbilden. Die 34-jährige Rangerin genießt ihren Arbeitsplatz unter freiem Himmel. An vier Tagen in der Woche spaziert sich durchs Schutzgebiet, spricht mit den Menschen, verteilt Informationsbroschüren und führt statistische Zählungen durch. Sie ist kommunikativ und extrovertiert: „Wenn ich die Leute freundlich anspreche, sind die meisten einsichtig. Positiv überrascht bin ich vor allem von vielen Jugendlichen, die sich die Informationen in den Broschüren gerne durchlesen.“
Verbündete finden
Manchmal kommt es auch zu schwierigen Diskussionen, wenn Spaziergänger nicht einsehen wollen, dass ihr Hund an die Leine muss oder wenn jemand mit seinem einzigartigen Musikgeschmack auch andere Menschen ‚beglückt‘. „Und, was leider oft passiert, ist, dass die Leute ihren Müll liegenlassen“, schildert Julia verständnislos. Hilfreich ist es, dass die Ranger bereits „Verbündete“ unter den Stammgästen im Schutzgebiet haben. Janko aus Klagenfurt ist so einer. Er verbringt viel Zeit hier und spricht mit anderen Leuten gerne über rücksichtsvolles Verhalten im Schutzgebiet.
Was ist los im Schutzgebiet?
Im Schutz des Schilfgürtels brüten 170 Vogelarten und unzählige junge Fische. Seltene Fledermäuse beleben den Bruchwald, und ein Biber hat sich eine große Biberburg inmitten des Schilfes eingerichtet. „Eine ganz besondere Tierart, die hier lebt, ist die Bauchige Windelschnecke“, erzählt Elisabeth Wiegele begeistert, „sie ist nur zwei Millimeter groß. Im europaweiten Vergleich verzeichnen wir hier eine besonders große Population“. Durch Lärm und Wellenschlag, oder wenn Boote dem Schilf zu Nahe kommen, werden die Tiere, die darin leben, gestört. Deshalb wurde mittels Holzpiloten im See eine Schutzzone sichtbar gemacht.
Was nur die wenigsten wissen: Das Befahren des Seeabflusses in Richtung Sattnitz ist – per Verordnung – nur Anrainern und Einsatzkräften gestattet. Ein Schild weist zwar darauf hin, wird aber von den meisten übersehen. Eine neue Beschilderung könnte der nächste mögliche Schritt sein, um die Informationen über das Europaschutzgebiet noch eindrucksvoller an die Menschen zu bringen …
- Rangerin Julia Madritsch im Gespräch mit einem Stammgast: Janko aus Klagenfurt genießt die Ruhe und packt gerne helfend mit an, wenn es um den Schutz dieses Fleckchens Natur geht.
- Hinweisschilder wie dieses reichen offenbar nicht aus. Deshalb kommen Ranger zum Einsatz.
- Sie leisten Aufklärungsarbeit: Rangerin Julia Madritsch (links) und Naturschutzfachkraft Elisabeth Wiegele vom E.C.O Institut für Ökologie.
- Die Holzpiloten markieren die Ruhezonen für die tierischen Schilfbewohner. Hier sollte jeder ausreichend Abstand halten.
- Rangerinnen im Einsatz: Wenn sie auf Passanten treffen, die gegen die Verordnung im Schutzgebiet verstoßen, starten sie ein klärendes Gespräch.
- Aufschlussreiche Spuren: Im Schilf zwischen Lendspitz und Maiernigg lebt ein Biber.
- Das Europaschutzgebiet Lendspitz-Maiernigg umfasst 77,4 Hektar mit Seeabfluss, unbebauter Uferzone, den dahinterliegenden Moorflächen sowie Bruch- und Sumpfwäldern.