Zero Waste
„Wir sind zu jung, um aufzugeben“
Sophie Meierhofer eröffnet den ersten Unverpackt-Laden in Klagenfurt, heute ist das Eröffnungsfest. Davor war sie eine erfolgreiche Juristin in Wien. Über die Beweggründe, ihr junges Leben komplett zu ändern.
© Margit Dietrich
Sie verkauft alle Produkte ohne Verpackung – die nimmt die Kundschaft nämlich selbst mit und produziert dadurch null Müll. „Und wenn mich noch jemand darauf anspricht, dass ich keinen Parkplatz vor der Haustür habe“, beginnt Sophie Meierhofer halb genervt, halb lachend und beendet den Satz nicht, sondern stellt klar: „Ich bin eine Nahversorgerin. Ich bin da, wo die Leute wohnen. Wir sollten uns vielleicht von der Idee der zubetonierten Parkplätze verabschieden.“ Spätestens jetzt wird klar, dass die junge Unternehmerin mit ihrem Geschäft in der Radetzkystraße in Klagenfurt mehr im Sinn hat, als Lebensmittel ohne Verpackung anzubieten.
Mehr Verantwortung übernehmen
Die 33-Jährige brennt mit voller Leidenschaft und Überzeugung für ein Thema: den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Wenn man sich mit Meierhofer darüber unterhält, wird einem klar, dass wirklich jeder Einzelne etwas Sinnvolles tun kann. Die Klagenfurterin hat Jus studiert, „weil ich die Welt gerechter machen und die Schwächeren unterstützen wollte“. Sie hat für eine renommierte Anwaltskanzlei in Wien im ersten Bezirk gearbeitet. Ihr Lebensstil: „Work hard & play hard“ – arbeiten, feiern, shoppen, essen gehen. Und am nächsten Tag dasselbe von vorn. „Das hat mich nicht glücklich gemacht“, sagt sie rückblickend. „Vor einigen Jahren hatte ich einen lebensverändernden Gedanken: ‚Wenn Umweltzerstörung als Verbrechen der Menschheit anerkannt wäre, welche Schuld träfe mich in einem Verfahren?‘ Bald darauf habe ich mich für ein Masterstudium in internationalem Umweltrecht in Südafrika inskribiert.“
Wie viel Müll erzeuge ich?
Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner hat sie zwei Jahre in diesem Land verbracht, dessen Landschaft „atemberaubend schön ist, und wo man auf dem Weg zur Arbeit an Müllhalden vorbeifährt, auf denen Menschen leben“. Dieser Gegensatz war für Meierhofer schwer zu ertragen: „Ich habe mich intensiver mit Kreislaufwirtschaft und dem Zero-Waste-Gedanken befasst. Ich habe überlegt, welchen Müll ich selbst produziere und wie viel davon vermeidbar wäre.“
Von der Juristin zur Verkäuferin
Nach dem Abschluss des Studiums zog sie in die Schweiz, ging auf Jobsuche und wurde zur treuen Stammkundin eines Unverpackt-Ladens. „Als ich dort kaffeetrinkend vor dem Laden saß, habe ich mir gedacht: ‚Am liebsten würde ich hier arbeiten!‘ Aber ich konnte doch nicht zwei Studien abschließen um dann Verkäuferin zu sein“, lacht Meierhofer und denkt daran, wie sie damals damit haderte. Sie heuerte stattdessen bei einem Start-up-Unternehmen an und managte eine Plattform zur Errichtung von Infrastruktur für Solarenergie in afrikanischen Ländern. Und irgendwann dann doch die Entscheidung, nach Klagenfurt zurückzugehen und davor noch ein Praktikum im Unverpackt-Laden zu machen.
Einkaufen „wie im Erdbeerland“
Jetzt hat sie ihren eigenen: „Kleine Freiheit“ nennt sie ihren Laden. Kunden bekommen hier Lebensmittel und Haushaltswaren in biologischer Qualität und ohne Verpackung: „Jeder bringt eigene Verpackungen. Die werden anfangs gewogen und das Gewicht notiert. Am Ende zahlt man an der Waage.“ Ohne Rechnungszettel – auch der wird eingespart. Wer möchte, bekommt die Rechnung elektronisch aufs Handy.
Bio, regional und fair
Der Unverpackt-Laden ist gemütlich eingerichtet, frischer Kaffee wird serviert. Er soll auch als Plattform dienen für Workshops und Projekte rund um ressourcenschonendes Wirtschaften. „Meine Hoffnung ist es, in Klagenfurt eine nachhaltige Community zu schaffen. Die Welt ist schwierig. Aber wir sind zu jung, um aufzugeben. Wir müssen etwas bewegen. In einer Gruppe von Gleichgesinnten können wir uns gegenseitig motivieren und Energie geben.“ Meierhofer ist voll positiver Energie, ständig auf der Suche nach Alternativen, Optimistin pur: „Wir müssen unsere Gewohnheiten umstellen. Das ist nicht schwer und geht binnen kürzester Zeit. Ich spare mir mittlerweile den Gelben Sack und den Weg zum Glascontainer“, stellt sie zufrieden fest. Geplant sind in naher Zukunft auch Vorträge von Experten, Kleidertausch-Events und „Take Away“-Mittagsgerichte von wechselnden Köchen.
Im Überblick
„Kleine Freiheit Unverpackt“
- Adresse: Radetzkystraße 1 in Klagenfurt
- Online: kleine-freiheit.at
- Eröffnungsfest: Samstag (24. September 2022) von 10 bis 15 Uhr
- Neu in Klagenfurt: der Unverpackt-Laden in der Radetzkystraße
- Inhaberin Sophie Meierhofer, mit Verkäufer Maxi und einer der ersten KundInnen (von links)
- Sophie Meierhofer eröffnet den ersten Unverpackt-Laden in Klagenfurt.
- Das Motto eines bewussten Lebensstils – ein Holzschild im Unverpackt-Laden.
- 95 Prozent der Lebensmittel werden verpackungsfrei verkauft. Die restlichen fünf Prozent befinden sich in Glasflaschen.
- Kaffeetheke für heiße Energiespender. In Zukunft sollen hier auch Mittagsgerichte ausgegeben werden.
- Frisches Gemüse, Obst und Eier von Bio-Produzenten aus der Region
- Gemütliche Ecke für anregende Gespräche oder erholsame Pausen
- Sie packt an, statt ein – sogar ihren Laden hat Sophie Meierhofer ressourcenschonend mit „Second Hand“-Einrichtung gestaltet.