Klagenfurt
Scheider entschuldigt sich bei medizinischen Opfern der NS-Zeit
Dies natürlich stellvertretend. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Umbenennung der Dr.-Franz-Palla-Gasse wurde heute zu einer Pressekonferenz geladen.
© StadtKommunikation/Wedenig
Kürzlich war die Diskussion um eine Umbenennung der Dr.-Franz-Palla-Gasse in Gert-Jonke-Gasse in Klagenfurt zentral. Jonke wäre heuer 75 Jahre alt geworden, er wurde in dieser Gasse geboren. Im Stadtsenat entschied man sich dann dafür, dass der Lorelei-Steg am Lendkanal in Gerd-Jonke-Steg umgetauft wird (mehr dazu hier). Die Dr.-Franz-Palla-Gasse wird eine Zusatztafel erhalten.
Zusatztafel für die Gasse
Auf dieser Zusatztafel, deren Inhalte jetzt vom Gedenk- und Erinnerungsbeirat ausgearbeitet werden, soll auf die Verbrechen des in der NS-Zeit praktizierenden Arztes hingewiesen werden. Palla hat in der ehemaligen Landeskrankenanstalt Klagenfurt Zwangssterilisationen durchgeführt. Die Vorschläge der Ausgestaltungen der Zusatztafel sollen, so Bürgermeister Christian Scheider, “auf breiter Ebene mit voller Transparenz diskutiert” werden.
Peter Gstettner, Vorsitzender des Erinnerungsbeirates, verspürt keinen Zeitdruck, was das Anbringen der Tafel betrifft. “Wichtiger ist es, breit zu diskutieren”, sagt er. Persönlich vertrete er allerdings die Ansicht, dass belastete Straßennamen nicht ins Stadtbild gehören.
Auch Gedenkort ist eine Möglichkeit
Primarius Herwig Oberlerchner (Vorstand der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Klagenfurt) ist für die Zusatztafel im Sinne des Opfergedenkens, kann sich aber auch einen Gedenkort vorstellen. Er habe sich intensiv mit den Geschehnissen im Krankenhaus während der NS-Zeit beschäftigt. “739 Menschen waren in Todestransporten nach Linz und etwa zusätzliche 700 sind mit Überdosierungen von Medikamenten getötet worden”, so Oberlerchner.
Scheider entschuldigt sich bei Opfern
Bürgermeister Scheider entschuldigt sich heute bei den Opfern: “Im Namen der Stadt Klagenfurt am Wörthersee möchte ich mich als Bürgermeister stellvertretend bei jedem einzelnen Opfer des Naziregimes und deren Angehörigen offiziell entschuldigen. Als Landeshauptstadt werden wir keine Kraftanstrengung auslassen, um zu verhindern, dass es jemals wieder zu Verbrechen gegen die Menschheit kommt.”
