Wirtschaftskammer
Wirtschaftlichkeit bei vielen Tankstellen in Gefahr
Die steigenden Energiekosten belasten nicht nur Privatpersonen, sie bringen auch viele Tankstellen-Pächter an die Grenzen ihrer betrieblichen Existenz, warnt Jürgen Scherzer von der Wirtschaftskammer Kärnten.
© Arneitz
Die explodierenden Treibstoffpreise setzen auch Kärntens Pächtern von Tankstellen hart zu. „Durch die hohen Preise stellen wir deutlich weniger Frequenz und somit auch deutlich weniger Umsatz fest“, berichtet Jürgen Scherzer, Obmann der Fachgruppe Garagen‑, Tankstellen- und Service-Unternehmungen in der Wirtschaftskammer Kärnten. Nicht nur die ausbleibenden Umsätze sind für die Betriebe schwer zu kompensieren. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Treibstoffbeschaffung und nun extreme Energiekosten.
Steigerungen bis zu 300 Prozent
„Die Preise für Energie steigen permanent. Viele Pächter haben zwar Verträge für Strom und Fernwärme. Diese werden sich jetzt aber drastisch ändern. Wir sprechen hier von zum Teil Steigerungen von 300 Prozent“, erklärt Scherzer. Er rechnet vor: „Wer beispielsweise heuer noch 10.000 Euro bezahlt, könnte im nächsten Jahr unter Umständen eine Rechnung von 30.000 Euro zu begleichen haben.“ Diese Kosten können nicht, wie in vielen anderen Branchen auch, unmittelbar an die Kunden weitergegeben werden.
Wirtschaftlichkeit im Auge behalten
Analog zum Strompreis steigen auch die Kosten für Heizöl. „Bei den Tankstellen ist Heizöl etwa für den Betrieb der Waschanlagen wichtig. Auch hier erwarten uns massive Preissprünge“, gibt Scherzer zu bedenken. Nach unzähligen Gesprächen mit Tankstellen-Pächtern weist er auf die große Bedeutung einer betriebswirtschaftlichen Planung hin: „Unsere Betriebe müssen die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Jeder, der ein Unternehmen führt, weiß, wie viele Dinge zu berücksichtigen sind, damit unter dem Strich nicht nur ein positives Umsatzergebnis, sondern auch ein Gewinn bleibt.“
Prüfung der Wirtschaftlichkeit
Deshalb rät Scherzer, eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit durchzuführen: „Wer sich ins negative Eigenkapital bewegt, wird zur Geisel. Gerade bei Tankstellen-Pächtern wird das billigend in Kauf genommen, um weiterzumachen. Es ist wirklich wichtig, als Pächter die Kostensituation bei den Planungsgesprächen oder bereits davor anzusprechen. So erspart man sich möglicherweise ein böses Erwachen.“
Kein Luxus, sondern Grundbedürfnis
Scherzer appelliert sowohl an die Betriebe als auch an die Politik: „Die Selbstständigen müssen genau auf die Verträge und die damit einhergehenden Klauseln mit den Energieversorgern achten. Außerdem empfehle ich jedem, sich offen an die Mineralölkonzerne zu wenden und die Herausforderungen zu thematisieren.“ Mobilität ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis. „Deshalb ist hier auch der Staat gefragt, die existenzgefährdenden Kosten praxisnah und fair zu deckeln“, fordert Scherzer.

