Wirtschaftskammer
Seilbahnen wollen sich selbst mit Strom versorgen
Energiegipfel der Kärntner Seilbahnwirtschaft: Als Reaktion auf die explodierenden Strompreise möchten Seilbahn-Unternehmen die bestehende Infrastruktur nutzen und regionale Stromversorger werden. Eine Hürde ist dabei jedoch die Bürokratie.
© WKK/Studio Horst
Die Strompreis-Explosion bereitet Kärntens Seilbahnwirtschaft vor dem Beginn der Wintersaison Kopfzerbrechen. Vertreter der Kärntner Seilbahn-Unternehmen kamen deshalb heute zu einem Energiegipfel zusammen und bringen sich nun mit einem Vorschlag in die laufende Debatte um die Kärntner Energiewende ein.
Hervorragende Infrastruktur
Die Seilbahn-Unternehmen verfügen in den heimischen Skigebieten über gute ausgebaute Zufahrtswege, Stromleitungen, Verrohrungen und vor allem über Strombezugs- und Einspeiserechte. „Diese hervorragende Infrastruktur kann mit dem geringstmöglichen ökologischen Fußabdruck sofort genutzt werden“, erklärt Manuel Kapeller-Hopfgartner, Obmann der Fachgruppe „Seilbahnen“ in der Wirtschaftskammer Kärnten.
Hotellerie und Gastronomie mitversorgen
Mit ambitionierten Ausbauvorhaben, die alle namhaften Wintersportregionen bereits in der Schublade haben, könnten die Seilbahnen zu regionalen Stromversorgern werden, der Strompreis-Explosion um 300 Prozent entgegenwirken und zusätzlich auch ihre Partner wie die Hotellerie und Gastronomie am Berg mitnehmen. Im Schnitt geht es um die Errichtung von Photovoltaik auf Frei- oder auch Steilflächen in Pistennähe im Ausmaß von einem bis vier Hektar, um ein bis zwei Windkraftanlagen pro Skigebiet und die energetische Nutzung der Teiche für die Kunstschneeanlagen als Pumpspeicherkraftwerke zur Abdeckung von Spitzenlasten.
Aktuell Umwidmung nötig
Diese Pläne scheitern aktuell, so Kapeller-Hopfgartner, jedoch an der Bürokratie. Denn: Auf der vorherrschenden Widmung „Grünland/Skipiste“ kann man nahezu alles machen, jedoch keine PV-Anlage. Dafür ist eine Umwidmung nötig. Für Kapeller-Hopfgartner ist das eine Benachteiligung im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen, die beispielsweise auf einer für Industrie gewidmeten Fläche bei mehr als 50 Prozent Eigenverbrauch sehr wohl PV-Flächen errichten könnten. „Wir fordern hier eine rasche Gleichstellung. In Summe haben wir eine Kostensteigerung bei Energie und Lieferanten von 20 Prozent, haben aber die Preise nur um acht Prozent erhöht, damit Skifahren für die Familie leistbar bleibt. Auf längere Sicht reißt uns das die Investitionsbasis weg“, gibt Kapeller-Hopfgartner zu bedenken.
Zukunft des Wintertourismus absichern
Dabei sparten die Seilbahnen in den vergangenen Jahren durch innovative Maßnahmen bis hin zur Wärmerückgewinnung aus den Antrieben 20 Prozent ihres Energieverbrauchs ein, wie Landesrat Sebastian Schuschnig, Tourismus- und Wirtschaftsreferent des Landes Kärnten, betont: „Das kann nicht jeder Sektor für sich in Anspruch nehmen.“ Die Seilbahnen haben einen Anteil am Kärntner Gesamtenergieverbrauch von 1,2 Prozent, die oft kritisierte Beschneiung von 0,3 Prozent. Die Pläne der Seilbahnen bezeichnet Schuschnig als vorbildhaft: „Strom wird vor Ort produziert und verbraucht ohne immense Mehrbelastung der Netze. Solche Initiativen können die Zukunft des Wintertourismus absichern.“
Mandl: „Man muss uns auch lassen!“
Der steht momentan ohnehin gehörig unter Druck, mahnt Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl: „Das ist einerseits ein Wettbewerbsthema, und es ist ganz entscheidend, dass wir kostengünstig produzieren und unseren Gästen ein entsprechendes Produkt anbieten können. Andererseits hinterfragen aber auch die Gäste vermehrt, wie wir im Einklang mit der Natur und in Ausrichtung auf die Klimaziele handeln. Dazu gibt es hier konkrete Projekte, aber man muss uns auch lassen!“


