Gartensaison
Garteln im Zeichen der Veränderung
Im Frühling sind viele Kärntner in ihren Gärten anzutreffen. Auch Männer haben dieses Hobby längst für sich entdeckt, das in Zeiten wie diesen nicht nur Freude bringt, sondern auch den Geldbeutel schont.
Julia Leitner betreut den Franz von Sales Garten in Waidmannsdorf. Auf 4500 Quadratmetern werden dort 160 Beete bepflanzt.© KK
“Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum.” Diese Worte stammen vom Schweizer Landschaftsarchitekten Dieter Kienast. Und immer mehr Menschen in Kärnten sind derselben Meinung, wie sich am Garten-Boom der letzten Jahre zeigt.
Keine reine Frauensache
“Während der Corona-Pandemie hat das Garteln wieder viel mehr Wertschätzung erfahren”, sagt Julia Leitner, die Projektleiterin des Franz von Sales Garten. Dabei handelt es sich um einen 4500 Quadratmeter großen Gemeinschaftsgarten im Klagenfurter Stadtteil Waidmannsdorf, insgesamt 160 Beete werden dort gehegt und gepflegt.
“Das Klischee, dass Garteln vor allem ein Hobby für ältere Damen ist, stimmt längst nicht mehr”, erzählt Leitner weiter. Im Franz von Sales Garten sind sogar mehr Männer als Frauen mit ihren Beeten beschäftigt, wobei vor allem jüngere Menschen diese Tätigkeit für sich entdecken. “Viele junge Familien probieren bei uns das Garteln aus und die allermeisten behalten ihre Beete auch”, so die Gartenleiterin.
Hobby mit Spareffekt
Durch die steigenden Lebensmittelpreise ist der eigene Anbau von Gemüse, Kräutern und Co. mittlerweile auch weit mehr als ein Hobby. “Mir haben Leute hier im Garten erzählt, das man mit einem eigenen Beet einiges sparen kann. Selbst anpflanzen ist so gesehen nicht nur eine schöne Beschäftigung, sondern schont auch den Geldbeutel.” Lebensmittel in Bio-Qualität bekommt man nun einmal nirgends so günstig wie durch Eigenanbau.
Da stellt sich natürlich die Frage, wieso es nicht viel mehr Anbauflächen im städtischen Raum gibt – ein Fleckchen Erde zwischen den Wohnhäusern reicht im Grunde dafür aus. Laut Leitner gab es in Klagenfurt zwar immer wieder Initiativen, aber aus den meisten wurde nichts. “Das hat leider oft mit Befindlichkeiten und empfundenen Kränkungen zwischen den Beteiligten zu tun”, sagt die Gartenexpertin.
“Keine Eisheiligen seit drei Jahren”
Der Klimawandel macht sich inzwischen auch in Kärntens Gärten bemerkbar. “Im Franz von Sales Garten hatten wir seit drei Jahren keine Eisheiligen mehr”, so Leitner. Dadurch bietet sich aber auch die Möglichkeit, das eigene Beet länger zu nutzen und somit mehr Ernte einzufahren.
Unerfahrene Gärtner haben dabei die Qual der Wahl zwischen einer Vielzahl möglicher Nutzpflanzen. Welche Setzlinge kann man daher schon im April anpflanzen, in Bezug auf möglichen Frost und Wetterkapriolen? “Heimische Salate sind kein Problem. Radieschen, Brunnenkresse und Petersilie macht das Aprilwetter ebenfalls nichts aus”, klärt die Expertin auf. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der sollte derzeit noch ein Gartenvlies verwenden.
Mit den in Kärnten sehr beliebten mediterranen Gemüsepflanzen, etwa Tomaten oder auch Zucchini, sollte man aber noch warten, bis es etwas wärmer wird. Dasselbe gilt für nicht einheimische Salatsorten wie Radicchio.
Vorträge und Workshops
Der Franz von Sales Garten verpachtet seine Beete an rund 130 Personen. Die fleißigen Hobbygärtner sind aber nicht zur zum Arbeiten anwesend, in den zehn Jahren seit Bestehen des Gemeinschaftsgartens haben sie eine eigene Community gebildet.
“Die letzten Jahre war es durch Corona und Co. schwer, für die Leute Workshops oder Vorträge zu organisieren”, so die Gartenleiterin. Heuer finden aber wieder einige Veranstaltungen statt, zu denen nicht nur die Pächter eingeladen sind. Wer sich fürs Garteln interessiert ist herzlich willkommen, alle Termine stehen auf der Homepage des Franz von Sales Garten.