Feistritz/Gail

Fledermäuse sind hier die Untermieter

Ein altes Elektrizitätswerk der Kelag in Feistritz/Gail beheimatet das Erste Österreichische Fledermaushaus. Ab 2. Juni 2023 wird es wieder für Besucher geöffnet. Was es mit der Einrichtung auf sich hat, „KLiCK“-Kärnten hat nachgefragt.

Fledermäuse sind hier die Untermieter Die Kinder sind von den kleinen Hufeisenfledermäusen ganz angetan.

© Arge NATURSCHUTZ Kärnten

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Im Jahr 2007 kaufte die Gemeinde der Kelag das alte Elektrizitätswerk ab. Doch schon bei der Begehung, stieß man in beinah allen Räumen auf Fledermäuse. „Das Problem wäre einfach zu lösen gewesen: die Tür zum Dachboden war geöffnet und hätte abends einfach geschlossen werden müssen“, erinnert sich Klaus Krainer, Geschäftsführer vom Arge Naturschutz Kärnten.

Elektrizitätswerk wurde Fledermaushaus

Krainer war es auch der nach Recherche der Gemeinde einen Vorschlag unterbreitete. „Die für den E-Betrieb nicht erforderlichen Räumen sollten in ein Fledermaushaus umgebaut werden“. Die Gemeinde war von dem Vorhaben begeistert. So wurde eines der ersten Elektrizitätswerke der Region, dass 1920 von den Einwohnern Feistritz an der Drau errichtet wurde, fledermausgerecht umgebaut. Bis ein Jahr später das erste Fledermaushaus Österreichs eröffnet werden konnte, gab es viel zu tun.

Live-Forschung mittels Webcam

„Um die Tiere den Besuchern live zeigen zu können wurde ein eigener Fledermausraum adaptiert“, erklärt Krainer. Dafür musste aber erst eine Luke zwischen Dachboden und Raum geschaffen werden. „Über die Luke können die Fledermäuse jederzeit zwischen dem Fledermausraum und Dachboden wechseln. Im Fledermausraum wurde zusätzlich eine Heizmatte in einem Holzrahmen eingebaut und mit einem feinmaschigen Gitter abgedeckt. „Auf dem Gitter können sich die Kleinen Hufeisennasen festklammern und so die Wärme genießen“, sagt der Tierschützer.

Kärnten als Lebensraum auserkoren

Kleine Hufeisennasen bevorzugen als Lebensraum klimatisch bevorzugte Gebiete mit einem hohen Strukturangebot. Laubwälder und Laubmischwälder sind ihre bevorzugten Jagdgebiete. Mit ihren extrem hochfrequenten Peillauten navigieren sie nachts geschickt um Baumkronen und erfassen ihre sehr kleinen flugfähigen Beutetiere mit hoher Treffsicherheit. Ihre Nahrung wird ausschließlich im Flug erbeutet, es handelt sich Kleininsekten.

„Die Weibchen lieben es warm“

Die Wochenstubenkolonie im Fledermaushaus setzt sich aus Weibchen, die hier ihre Jungen zur Welt bringen, zusammen. Dafür benötigen sie die richtige Umgebungstemperatur. „Weil sie weniger Energie aufbringen, um ihre Körpertemperatur auf 40 Grad Celsius zu halten. Sie müssen ihre Jungen ja gleichzeitig säugen und wärmen“, weiß Krainer. In Kärnten ist die Kleine Hufeisennase weite verbreitet und wahrscheinlich die häufigste der mittlerweile 25 nachgewiesenen Fledermausarten. In Österreich ist sie unterschiedlich vorkommend, sie breitet sich jedoch zunehmend aus. Laut der aktuellen Roten Liste Kärntens wurde sie als NT (Near Threatened, Vorwarnstufe) eingestuft. In erster Linie sind Lebensraumveränderung und Verlust an Quartieren für ihre Gefährdung entscheidend.

Fledermäuse fliegen in die Kirche

Kurios: Die Tiere fliegen sogar in die benachbarte Kirche. Vor allem im Sommer suchen die Weibchen für ein paar Tage andere Quartiere auf. „Wir vermuten, dass ein paar Weibchen des Fledermaushauses manchmal den Tag in der Kirche verbringt und umgekehrt, da sich auch in der benachbarten Kirche eine Wochenstube der Kleinen Hufeisennase befindet“, schmunzelt der Experte. Auf der Webseite des Fledermaushauses können die Tiere mittels Webcam live beobachtet werden. Hier finden sich zudem Infos, wie man sich verhalten soll, falls man eine Fledermaus zuhause findet.

 

04.05.2023 19:00
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Fledermäuse sind hier die Untermieter Die Kinder sind von den kleinen Hufeisenfledermäusen ganz angetan.

© Arge NATURSCHUTZ Kärnten