Jugendarbeit

Auf­wach­sen im digi­ta­len Dschun­gel

Wie entwickeln sich Jugendliche im digitalen Zeitalter gesund und selbstbewusst? Vertreter:innen der öffentlichen Jugendeinrichtungen in Kärnten trafen sich, um sich über aktuelle Themen der Jugendarbeit auszutauschen.

Auf­wach­sen im digi­ta­len Dschun­gel Beim Fachtag der Offenen Jugendarbeit standen Austausch, Fortbildung und Workshops für die Jugendarbeiter:innen und Betreuer:innen auf dem Programm.

© NETZ:werk OJA Kärnten

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Bereits zum zwei­ten Mal fand heu­er der „Fach­tag der Offe­nen Jugend­ar­beit“ statt, ver­an­stal­tet vom NETZ:werk OJA Kärn­ten. Sozialarbeiter:innen und Jugendbetreuer:innen aus den ins­ge­samt Kärnt­ner 34 Ein­rich­tun­gen tausch­ten sich aus. Vor­tra­gen­den aus Wis­sen­schaft und For­schung lie­fer­ten neue Erkennt­nis­se. Inhalt­lich ging es dar­um, wie digi­ta­le Lebens­wel­ten die Iden­ti­täts­fin­dung von Jugend­li­chen beein­flus­sen.

Die nega­ti­ven Sei­ten des digi­ta­len Kon­sums

Neben den vie­len Chan­cen, die das Inter­net als Schlüs­sel­tech­no­lo­gie der heu­ti­gen Zeit bie­tet, sind Jugendarbeiter:innen in ihrer täg­li­chen Arbeit auch auf­ge­for­dert die kri­ti­schen Aspek­te, wie In-App Käu­fe, ver­zerr­te Rea­li­tä­ten in Sozia­len Medi­en, Rol­len­kli­schees im Gam­ing-Bereich oder Sex­ting zu reflek­tie­ren. Wie kön­nen sich Jugend­li­che davor schüt­zen? Und wie kön­nen sie am Puls der digi­ta­len Zeit blei­ben ohne den all­ge­gen­wär­ti­gen Ange­bo­ten zum Kon­sum zu ver­fal­len? Dazu refe­rier­ten Exper­tin­nen und Exper­ten der KiJA Salz­burg, der Uni­ver­si­tät Graz, des Frau­en­ge­sund­heits­zen­trum Graz und der Fach­hoch­schu­le Kärn­ten.

Medi­en­kom­pe­tenz und Aus­we­ge

Kat­rin Fel­der­mann, Pro­fes­so­rin für Sozia­le Arbeit an der FH Feld­kir­chen, betont, dass eine der Schwie­rig­kei­ten im Zusam­men­hang mit Sozia­len Medi­en sei, dar­aus wie­der “aus­zu­stei­gen”. Fel­der­mann: “Es gibt Umfra­gen, die bele­gen, dass wir uns selbst nicht rich­tig spü­ren und wahr­neh­men, wäh­rend wir die Inhal­te Sozia­ler Medi­en kon­su­mie­ren. Das heißt, dass wir die Gefüh­le, die wir wäh­rend­des­sen emp­fin­den, nicht ein­ord­nen kön­nen. Und das wie­der­um bedeu­tet, dass wir uns selbst nicht davor schüt­zen kön­nen.” In so einem Fall sind wir schutz­los aus­ge­lie­fert. Aber es gibt prak­ti­ka­ble Aus­we­ge, schil­dert Fel­der­mann: “Jun­ge Men­schen müs­sen einer­seits fit gemacht wer­den für einen kom­pe­ten­ten Medi­en­kon­sum — damit sie zuver­läs­sig wahr­neh­men kön­nen, wie es ihnen mit den gebo­te­nen Inhal­ten geht. Dar­über­hin­aus brau­chen sie Aus­we­ge, die weg vom Bild­schirm füh­ren.”

Natur als Kon­trast­pro­gramm

“Raus in die Natur!”, lau­tet einer der grund­le­gen­den Rat­schlä­ge. Fel­der­mann ist bekannt dafür, dass sie ihre Stu­die­ren­den der FH Feld­kir­chen ger­ne im Frei­en unter­rich­tet. Die Natur ist für sie so etwas wie das Heil­mit­tel gegen die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die der über­mä­ßi­ge digi­ta­le Kon­sum mit sich bringt. “In der Natur erle­ben wir, dass sich nichts kon­trol­lie­ren lässt”, so Feld­mann, “die Natur lehrt uns, zu beob­ach­ten und offen zu sein für das, was ohne unser Zutun pas­siert. Drau­ßen in der Natur hören auch Kin­der und Jugend­li­che auf, stän­dig an ihr Han­dy zu den­ken.”

Gesun­de Lan­ge­wei­le

In Bezug auf Jugend­ar­beit sei es eben­so hilf­reich, ein­fach mal Lan­ge­wei­le auf­kom­men zu las­sen — am bes­ten in der Natur: “Lan­ge­wei­le ist nichts Nega­ti­ves. Wenn ich Lan­ge­wei­le ent­ste­hen las­se, begin­ne ich, mich selbst wie­der zu spü­ren und mei­ne aktu­el­len Bedürf­nis­se wahr­zu­neh­men.” Und das sei für alle Men­schen wich­tig, egal wel­chen Alters.

“Wir müs­sen Kin­der und Jugend­li­che befä­hi­gen, ihren Gemüts­zu­stand zu reflek­tie­ren. Sie sol­len sagen kön­nen, wie es ihnen gera­de geht. Das gibt ihnen ein Gefühl von Kom­pe­tenz. Und die­se Fähig­keit sol­len sie dann auch in jenen Momen­ten anwen­den kön­nen, in denen sie Medi­en­in­hal­te kon­su­mie­ren. Wir müs­sen sie fit für Social Media machen. Wir nen­nen das Medi­en­mün­dig­keit”, so Prof. Fel­der­mann.

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Expert:innen in Sachen Jugend­ar­beit: Jut­ta Eppich, Bar­ba­ra Frau­en­dorff, Franz Pir­ker, Sil­via Vrzak, Kat­rin Fel­der­mann, Mar­kus Meschik und Mar­git Gra­nig-Ebner (v.l.n.r.)
© NETZ:werk OJA Kärn­ten

Online Street­work

Ziel der Offe­nen Jugend­ar­beit ist es, jun­ge Men­schen beim Erwach­sen­wer­den zu beglei­ten, sowie ihre Iden­ti­täts­ent­wick­lung, Selbst­stän­dig­keit und Mün­dig­keit zu för­dern. Am dies­jäh­ri­ge Fach­tag wur­den außer­dem die Mög­lich­kei­ten von Jugend­ar­beit im Inter­net, Stich­wort “Online Street­work”, beleuch­tet.

Offe­ne Jugend­ar­beit in Kärn­ten

Die ins­ge­samt 34 Jugend­zen­tren und Jugend­treffs in Kärn­ten sind geschütz­te Orte, an denen die Mäd­chen und Bur­schen Zeit ver­brin­gen kön­nen, egal ob sie spie­len, spor­teln oder ein­fach nur ent­span­nen. Die „Offe­ne Jugend­ar­beit Kärn­ten“ (abge­kürzt „OJA“) bie­tet einen kon­sum­frei­en und offe­nen Raum ohne Zugangs­vor­aus­set­zun­gen an. Dabei erhal­ten die Jugend­li­chen nie­der­schwel­lig Kon­takt zu fach­lich aus­ge­bil­de­ten Betreue­rin­nen und Betreu­ern, die für Gesprä­che offen sind und für kos­ten­freie Bil­dungs- und Beschäf­ti­gungs­pro­gram­me sor­gen.

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Lan­des­rä­tin Sara Schaar (Kin­der & Jugend­res­sort) mit Sil­via Vrzac, Mar­git Gra­nig-Ebner und Franz Pir­ker vom NETZ:werk Offe­ne Jugend­ar­beit (v.l.n.r.)
© Georg Köchl
27.06.2023 16:00
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Auf­wach­sen im digi­ta­len Dschun­gel Beim Fachtag der Offenen Jugendarbeit standen Austausch, Fortbildung und Workshops für die Jugendarbeiter:innen und Betreuer:innen auf dem Programm.

© NETZ:werk OJA Kärnten