Badminton-Spielerin
Jenny Ertl und ihr harter Weg zurück
Vor knapp drei Jahren änderte sich das Leben der Badminton-Nationalspielerin Jenny Ertl von einer Sekunde auf die andere. Einen schweren Verkehrsunfall in Tschechien überlebte die Klagenfurterin nur knapp. Mit „KLiCK Kärnten“ sprach sie über die Zeit danach und den Weg zurück.
Der 28. September 2018 wird Jenny Ertl (25) wohl ewig im Gedächtnis bleiben. An diesem Schicksalstag verunglückten drei hochtalentierte Badminton-Spieler in Tschechien bei einem Autounfall. Die Mannschaftskollegen Antonia Meinke und Chee Tean Tan mussten dabei ihr Leben lassen. Beifahrerin Ertl überlebte mit schweren Verletzungen. Der Weg zurück ist hart.
KLiCK Kärnten: Wie geht es Ihnen?
Jenny Ertl: Es wird schon, lediglich die Hüfte macht noch Probleme.
Ist das eine Folgeerscheinung des Unfalls?
Beim Unfall sind der rechte Oberschenkel, das Schlüsselbein, die Elle, der Mittelhandknochen, das Brustbein und mehrer Rippen gebrochen. In den vergangenen Monaten hatte ich immer wieder Hüftschmerzen. Erst vor kurzem haben die Ärzte festgestellt, dass bei dem Unfall auch die Hüfte Schaden genommen hat. Eine Operation war notwendig. Die vergangenen Monate waren deshalb sehr schwer für mich. Nach der Operation ist auch noch eine Lungenentzündung mit anschließender Reha dazugekommen.
Wie haben Sie die schrecklichen Momente des Unfalls verarbeitet?
Das Leben hat sich nach dem Unfall für mich komplett verändert. Ich sehe jetzt viele Sachen anders, besonders psychisch hat sich einiges getan. Hilfe habe ich von einem Psychologen bekommen. Auch meine Familie ist immer voll hinter mir gestanden und war in den vergangenen drei Jahren eine große Stütze. Auch für sie war die Situation nicht immer einfach.
Was ist der aktuelle Stand?
Die Reha-Zeit war sehr wertvoll, intensiv mit vielen Therapien und hat mich körperlich meinen Zielen wieder ein ganzes Stück näher gebracht. Die Beweglichkeit, die Kraft in der Hüfte und in den Beinen haben sich stark verbessert und ich kann wieder ohne Krücken gehen. Ich habe auch schon erste Sprungversuche gewagt. Im Moment steht eine weitere Reha an. Nach dem Sommer geht es für mich wieder richtig los.
Das heißt wieder Bundesliga?
Ja, ich spiele weiterhin beim ASKÖ Traun und bin auch beim ASKÖ Kelag Kärnten gemeldet. Im vergangenen Jahr habe ich in Linz und in der Südstadt mit dem Nationalteam trainiert. Als Spitzensportlerin durfte ich auch im zweiten Lockdown trainieren.
Wie stehen die Chancen, wieder an die Erfolge von den Zeiten vor dem Unfall anzuschließen?
Ich zweifle nicht daran, dass ich wieder Spitzensport betreiben kann. Der Wille ist absolut vorhanden: Ich schaffe es!
Wie sieht das Leben abseits des Sports aus?
Ich studiere Mathematik und Deutsch auf Lehramt. An der Universität in Klagenfurt bin ich beim Projekt „Spitzensport und Studium“ dabei. Seit einem Jahr verkaufe ich von mir selbst kreierte T‑Shirts. Ein Blick auf meine Facebook-Seite Badminton meets Arts lohnt sich.
