380 KV Leitung
Netzraum Kärnten: Stromprojekt liegt zur Halbzeit auf Kurs
Zwischen Fortschritt und Verfahren: Beim Projekt „Netzraum Kärnten“ ist die Planungs-Halbzeit erreicht, doch bis zur Genehmigung werden noch mehrere Jahre vergehen.
Das Projekt „Netzraum Kärnten“ ist in der Planungsphase zur Hälfte abgeschlossen. Mit 26 von 36 betroffenen Gemeinden gibt es bereits Einigungen, das Genehmigungsverfahren wird aber noch mehrere Jahre dauern.© Klick Kärnten
Das Großprojekt „Netzraum Kärnten“ hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Die Planung befindet sich zur Halbzeit, in zahlreichen Gemeinden konnten bereits wesentliche Abstimmungen erzielt werden. Für APG und Kärnten Netz ist das Vorhaben ein Schlüsselprojekt, um die Stromversorgung in Kärnten und Osttirol langfristig abzusichern.
Bei einem Medientermin in Klagenfurt betonten die Projektverantwortlichen die Bedeutung des Ausbaus. Hintergrund ist der steigende Bedarf an einer stabilen Energieversorgung für Haushalte, Wirtschaft und Tourismus. Das Gemeinschaftsprojekt von Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz soll die bestehende Infrastruktur fit für die kommenden Jahrzehnte machen.
Planung in intensiver Phase
Nach Angaben der Projektbetreiber hat die Planung mittlerweile die Halbzeitphase erreicht. In den vergangenen Monaten standen vor allem Gespräche mit Gemeinden und Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern im Mittelpunkt. Von den insgesamt 36 betroffenen Gemeinden konnte mit 26 bereits eine Einigung erzielt werden. In weiteren Kommunen laufen die Abstimmungen noch.
Der Trassenverlauf sei über weite Strecken bereits festgelegt, hieß es. Nur in wenigen Bereichen würden noch Varianten geprüft. Nun beginne eine besonders intensive Arbeitsphase vor Ort. Dazu zählen geologische und ökologische Untersuchungen ebenso wie die Erhebung von Wegen, Zufahrten und Quellen. Ziel ist es, die Planung weiter zu konkretisieren.
Verfahren wird noch mehrere Jahre dauern
Trotz der Fortschritte ist klar, dass bis zu einer endgültigen Genehmigung noch Zeit vergehen wird. Das Genehmigungsverfahren wird nach derzeitigem Stand noch rund zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Für die Projektwerber ist das wenig überraschend: Vorhaben dieser Größenordnung benötigen umfangreiche Prüfungen, vor allem im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung.
Dabei geht es nicht nur um technische Fragen, sondern auch um Auswirkungen auf Mensch, Natur und Siedlungsräume. Die Verantwortlichen betonen, dass Entscheidungen auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden sollen.
Gesundheit und Umwelt im Fokus
Ein zentrales Thema bleibt die Frage nach möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Hochspannungsleitungen. Laut den Projektverantwortlichen werden dafür Fachleute aus mehreren Disziplinen eingebunden, darunter Humanmedizin, Luft- und Schalltechnik sowie Experten für elektromagnetische Felder.
Verwiesen wurde dabei auch auf bisherige Erfahrungen aus anderen Genehmigungsverfahren. Nach Darstellung der APG hätten behördliche Prüfungen in vergleichbaren Projekten ergeben, dass bei Einhaltung der geltenden Grenzwerte keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten seien. Auch beim Projekt „Netzraum Kärnten“ werde dieser Aspekt Teil des UVP-Verfahrens sein.
Große Bedeutung für die Region
Das Projekt gilt als eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben im Süden Österreichs. Geplant ist eine neue 380-kV-Verbindung samt 110-kV-Mitführung zwischen Lienz in Osttirol und Obersielach in Kärnten. Insgesamt umfasst das Projekt rund 192 Kilometer Trassenlänge. Gleichzeitig sollen bestehende Leitungsabschnitte rückgebaut werden.
Für Kärnten und Osttirol ist das Vorhaben aus Sicht der Betreiber weit mehr als ein Netzausbau. Es soll Versorgungssicherheit schaffen, die Einspeisung erneuerbarer Energie erleichtern und die Region wirtschaftlich stärken. Bis dahin bleibt aber noch viel Überzeugungsarbeit vor Ort zu leisten — auch in jener zweiten Halbzeit, die nun begonnen hat.
