Im Konzerthaus
Kärnten feierte Jubiläum „10 Jahre Ortstafellösung“
Landeshauptmann Peter Kaiser durfte gestern im Klagenfurter Konzerthaus neben Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen auch die politischen Protagonisten von damals begrüßen: den ehemaligen Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Ex-Staatssekretär Josef Ostermayer.
© LPD Kärnten/Peter Just
Am Dienstag jährte sich die geschichtsträchtige Ortstafellösung zum zehnten Mal. Am 6. Juli 2011 hatte der Nationalrat die Änderung des Volksgruppengesetzes beschlossen und damit auch der am 26. April 2011 erzielten Kärntner Ortstafellösung die Zustimmung erteilt.
Kompromiss erarbeitet
Das offizielle Kärnten feierte dieses Jubiläum mit einem Festakt gestern Abend im Konzerthaus in Klagenfurt. Landeshauptmann Peter Kaiser konnte dabei Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und den Berater des Präsidenten der Republik Slowenien, Boštjan Žekš, begrüßen. Anwesend waren auch viele Persönlichkeiten, die damals den Kompromiss um zweisprachige Ortstafeln erarbeitet hatten.
Dank an alle Beteiligten
Kaiser dankte in seiner Ansprache seinem Amtsvorgänger Gerhard Dörfler, dem damaligen Bundeskanzler Werner Faymann und dem früheren Staatssekretär Josef Ostermayer: „Sie haben ein Zeitfenster, das sich aufgetan hatte, genutzt. Sie haben die Lösung durch das Reden mit den Menschen geschafft.“ Er hob er auch die Aussöhnung von ehemaligen Gegnern in der Volksgruppenfrage wie Marjan Sturm und Josef Feldner hervor. Ebenso dankte er den Vertretern der Volksgruppe, der Konsensgruppe und allen Bürgermeistern, die zur Ortstafellösung beigetragen hatten.
Deutschsprachige Volksgruppe in Slowenien
Anlehnend an die Europäische Union sagte Kaiser: „Kärnten in Vielfalt geeint. Koroška združena v raznolikosti.“ Der Landeshauptmann forderte an dieser Stelle aber ebenso, dass solch ein Weg auch der deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien zuteilwerde. Die seitens Sloweniens angekündigte Einrichtung eines Dialogforums sieht er als einen guten Schritt, „dem aber noch viele weitere folgen müssen und bestimmt werden“.
Erhaltung von Kultur und Sprache
Bundespräsident Van der Bellen sprach wie Kaiser ebenfalls einige Worte auf Slowenisch. „Zweisprachigkeit nicht anzunehmen, heißt, ein Geschenk zurückzuweisen“, merkte er an. Er hob hervor, dass die Erhaltung von Kultur und Sprache im Interesse von uns allen sei. „Man sagt, Österreich war ein Vielvölkerstaat. Es ist aber auch heute noch ein Staat mit vielen verschiedenen Muttersprachen. Das ist etwas Schönes, Bereicherndes und sehr Europäisches“, betonte Van der Bellen.
Erinnerungen in Interview-Runde
In einer Interview-Runde schilderten die Wegbereiter der Ortstafellösung, was sie damals empfunden haben. Josef Ostermayer sagte, dass man nicht bei null begonnen habe, weil man in Kärnten auch damals schon den Wert von Sprache erkannt habe: „Bewusst haben wir uns nicht für einen Runden Tisch entschieden, sondern in Gesprächen nacheinander die Lösung gesucht.“ Gerhard Dörfler nannte dies „das Modell beim Reden kommen die Leute zusammen“. Er meinte auch, dass die Ortstafellösung Friede, Zusammenarbeit und Verständnis gebracht habe. Für Bernard Sadovnik von der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen machen Sprachen Zukunft. Valentin Inzko vom Rat der Kärntner Slowenen verwies auf den Staatsvertrag und sagte, dass auch das Wort Gerechtigkeit wichtig sei, nicht nur Konsens. Für den Zentralverband slowenischer Organisationen ergriff Manuel Jug das Wort, der dafür appellierte, das Zusammenleben in die nächsten Generationen zu führen und das Land weiter zusammenwachsen zu lassen.
