Sozialpolitische Gespräche

Armut trifft nun auch berufstätige Menschen

Bei den sozialpolitischen Gesprächen auf der Egger Alm standen heuer Maßnahmen für Menschen, die unter der Teuerung leiden, im Vordergrund.

Armut trifft nun auch berufstätige Menschen Sozialpolitische Almgespräche der PRO-GE Kärnten und des IGES-Instituts auf der Egger Alm.

© ÖGB Kärnten

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Bereits zum neunten Mal lud die Produktionsgewerkschaft PRO-GE Kärnten gemeinsam mit dem Institut für Gesellschaftspolitik (IGES) zu den sozialpolitischen Gesprächen auf der Egger Alm. 80 Entscheidungsträger und Betriebsräte aus Kärnten nahmen daran teil.

Der Titel der Veranstaltung lautete heuer „Situation der Menschen angesichts der Teuerung – notwendige Maßnahmen“. Die Sprecher waren sich einig, dass die schleichende Verarmung bereits bei den berufstätigen Menschen angekommen ist.

104.000 Kinder von Armut betroffen

Ausgelöst durch den starken Anstieg der Energiepreise, wurde die Teuerungskrise insbesondere durch die Übergewinne in Energie-, Bau- und Landwirtschaft verschärft. „Die Leidtragenden in dieser Situation waren und sind jene, die kleine Einkommen beziehen“, hält der Nationalökonom, Dr. Markus Marterbauer, fest.
Und die Armut nimmt weiter zu. „460.000 Menschen, darunter 104.000 Kinder sind von massiven materiellen und sozialen Einschränkungen betroffen“. Gleichzeitig – betont der Ökonom – gibt es aber auch den manifesten Reichtum: „Dazu zählen 49 Milliardäre, 400 Haushalte mit Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro und 40.000 Haushalte mit mehr als 2 Millionen Euro.“

Zuschüsse und Förderungen keine Lösung 

 Höchste Priorität hat für die Gewerkschaft, dass erwerbstätige Menschen mit ihrer Arbeit keinen sozialen Abstieg erleiden. „Es darf nicht sein, dass Zuschüsse oder Förderungen als Mittel gegen schleichende Verarmung notwendig werden. Aber an diesem Punkt sind viele berufstätige Menschen angekommen“, hält PRO-GE Landesvorsitzender Günther Goach fest. „Die Politik ist nicht dafür da, Energie-, Immobilien- und Lebensmittelkonzernen permanent unter die Arme zu greifen und ihnen zu noch höheren Gewinnen zu verhelfen. Politik ist für die Menschen da. Für die, die mit ihrer Arbeit jeden Tag von Neuem das Land am Laufen halten“, so Goach bei den Almgesprächen.

Caritas schildert Ernst der Lage

 Auch der Direktor der Caritas Kärnten, Mag. Ernst Sandriesser, schildert den Ernst der Lage. „Tatsächlich ärmer werden die, die schon vorher arm oder armutsgefährdet waren. Das sind Menschen im untersten Einkommensdrittel. Traurig ist, dass dies vor allem alleinerziehende Mütter, Mehrkindfamilien und alleinstehende Personen wie Pensionisten und Pensionistinnen mit geringen Einkommen sind“, so Sandriesser. Die Caritas Kärnten gibt an diese Menschen im 5-Minutentakt Lebensmittel und Kleidung aus, sichert ihnen die Wohnung durch Delogierungsvermeidung und verhindert, dass die Strom- und Energierechnungen nicht bezahlt werden können.

Millionärssteuer gefordert

„Jetzt müssen endlich auch die Profiteure ihren Anteil leisten“, fordert Goach und schließt sich damit den Forderungen des Wirtschaftswissenschafters Marterbauer an. „Bereits 1 ½ Prozent des Vermögens der Milliardäre reichen pro Jahr, um manifeste Armut zum Verschwinden zu bringen. Eine einprozentige Steuer auf alle Vermögen von mehr als 2 Millionen reicht, um 100.000 zusätzliche Pflegekräfte und Elementarpädagoginnen anzustellen oder den Eingangssteuersatz der Einkommensteuer von 20 Prozent auf 10 Prozent zu senken. Diese Alternativen zeigen die Spielräume der Politik. Sie sind riesengroß“, erläutert der Ökonom.

Auch Sandriesser spricht sich für ein rasches Handeln aus. „Für die allermeisten Menschen in Österreich bleibt am Monatsende nur weniger fürs Sparbuch übrig. Das ist bitter und es müssen dringend inflationsdämpfende Maßnahme wie Mietpreisdeckel überlegt werden“, so Sandriesser abschließend.

 

 

16.07.2023 18:30
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Armut trifft nun auch berufstätige Menschen Sozialpolitische Almgespräche der PRO-GE Kärnten und des IGES-Instituts auf der Egger Alm.

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