Claudia Arpa

Das Amt der Bun­des­rats-Prä­si­den­tin ist nicht “zahn­los”

Claudia Arpa ist seit ersten Juli 2023 die Bundesratspräsidentin und vom Kärntner Landtag entsandtes Mitglied des Bundesrats. Was sie in dieser Funktion für Kärnten alles bewirken möchte, "KLiCK"-Kärnten hat nachgefragt.

Das Amt der Bun­des­rats-Prä­si­den­tin ist nicht “zahn­los”

© Thomas Topf

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Wie kann man sich die Arbeit einer Bun­des­rats­prä­si­den­tin vor­stel­len? Was sind ihre Auf­ga­ben, wie sieht ihr All­tag aus?

Als Prä­si­den­tin des Bun­des­ra­tes ver­tre­te ich den Bun­des­rat par­tei­über­grei­fend nach außen und neh­me auch Ter­mi­ne der natio­na­len und inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen des öster­rei­chi­schen Par­la­ments wahr. Ich beru­fe also nicht nur die Sit­zun­gen ein und lei­te die­se, son­dern bin auch Bot­schaf­te­rin für Kärn­ten und unse­re Bun­des­län­der auf natio­na­ler Ebe­ne.

Wie sind sie hier gelan­det?

Die Mit­glie­der des Bun­des­ra­tes wer­den von den Län­dern bestellt. Also wur­de ich vom Land Kärn­ten als Ver­tre­te­rin im Bun­des­rat ent­sandt. Nach­dem der Vor­sitz alle sechs Mona­te von Bun­des­land zu Bun­des­land wech­selt und Kärn­ten im zwei­ten Halb­jahr 2023 an der Rei­he ist, bin ich qua­si hier gelan­det.

Wie geht es ihnen als Frau in der Poli­tik?

Dem Prä­si­di­um des Bun­des­ra­tes ste­hen erst­mals in sei­ner Geschich­te drei Frau­en vor. Das ist eine sehr erfreu­li­che Ent­wick­lung. Wir müs­sen den­noch mehr Frau­en für poli­ti­sches Enga­ge­ment begeis­tern, för­dern und unter­stüt­zen. Ich möch­te vor allem jun­gen Frau­en für poli­ti­sche Ämter moti­vie­ren.

Was gefällt ihnen an ihrer Arbeit?

Dem Bun­des­rat vor­zu­ste­hen ist vor allem eine gro­ße Ehre. Die Begeg­nun­gen und Gesprä­che mit einer Viel­zahl ver­schie­de­ner Per­sön­lich­kei­ten ist ein ganz beson­de­res Pri­vi­leg. Dafür bin ich sehr dank­bar.

Wel­che The­men­be­rei­che wollen/können sie ange­hen, was ist ihnen wich­tig?

Wir wid­men die­se Prä­si­dent­schaft dem Schwer­punkt „Kin­dern Per­spek­ti­ven geben“.  In Zei­ten der Teue­rung sehe ich es als mei­ne wich­tigs­te Auf­ga­be, sich den Kin­dern und Jugend­li­chen zuzu­wen­den. Sie trifft die aktu­el­le Situa­ti­on der Teue­rung beson­ders hart und ich möch­te die Ein­kom­men zuguns­ten der Fami­li­en dahin len­ken, unse­ren Kin­dern ein unbe­schwer­tes und gleich­be­rech­tig­tes Auf­wach­sen zu ermög­li­chen.

Zu tun gibt es der­zeit mehr als genug: Teue­rung, Ener­gie- und Kli­ma­kri­se, Poli­tik­ver­dros­sen­heit, gera­de hat man es als Poli­ti­ker nicht leicht, oder? 

Gera­de des­halb ist es umso wich­ti­ger, für die jun­ge Gene­ra­ti­on ein­zu­tre­ten. Wir kön­nen der Poli­tik­ver­dros­sen­heit nur mit Über­zeu­gungs­ar­beit ent­ge­gen­tre­ten, im Gespräch, aber vor allem durch För­de­rung poli­ti­scher Bil­dung bei jun­gen Men­schen. Sie haben ein Recht auf Mit­be­stim­mung und sol­len demo­kra­tisch erwach­sen wer­den.

Das Wahl-Deba­kel zum SPÖ-Vor­sitz war nicht gera­de för­der­lich, um die Gunst der Wäh­ler zu gewin­nen. Wie will man die­se Schlap­pe aus­mer­zen?

Die SPÖ hat nun mit Andi Babler einen neu­en Vor­sit­zen­den gewählt. Ihn gilt es mit vol­ler Kraft zu unter­stüt­zen, damit die SPÖ wie­der eine füh­ren­de Rol­le zum Woh­le aller Men­schen in Öster­reich ein­nimmt.

Wenn es heißt, der Bun­des­rat wäre poli­tisch „zahn­los“ – was ant­wor­ten Sie dar­auf?

Der Bun­des­rat ist kei­nes­wegs zahn­los, er hat bei­spiels­wei­se ein Veto­recht bei Geset­zen, die die Län­der­kom­pe­ten­zen betref­fen. Der Bun­des­rat ist inte­gra­ler und wich­ti­ger Bestand­teil unse­rer Ver­fas­sung. Als Län­der­kam­mer prü­fen wir, ob die Geset­ze im Ein­klang mit den Inter­es­sen der Bun­des­län­der ste­hen und bil­den so das geleb­te Prin­zip des Föde­ra­lis­mus ab. Dar­über hin­aus ist der Bun­des­rat die Zukunfts- und Euro­pa­kam­mer Öster­reichs. Vie­le Geset­zes­in­itia­ti­ven und inhalt­li­che Vor- und Bewusst­seins­ar­beit gehen vom Bun­des­rat aus.

 

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Vize­prä­si­den­tin des Bun­des­ra­tes Mar­git Göll (ÖVP), Bun­des­rats­prä­si­den­tin Clau­dia Arpa (SPÖ), Vize­prä­si­den­tin des Bun­des­ra­tes Doris Hahn (SPÖ) (von links)
© Peter Lech­ner

Wie eng ist Ihre Abstim­mung mit dem Natio­nal­rat und mit der Lan­des­po­li­tik?

Die Arbeit im Bun­des­rat kor­re­spon­diert natur­ge­mäß mit der des Natio­nal­ra­tes. Ande­rer­seits den­ken wir, als vom Land­tag ent­sand­te Abge­ord­ne­te, auch immer die Sicht der Län­der und ihre Inter­es­sen mit. Es ist somit das geleb­te Prin­zip des Föde­ra­lis­mus, wie es auch Hans Kel­sen (Anm.: 1881 – 1973, „Vater der Ver­fas­sung“ Öster­reichs nach dem Ers­ten Welt­krieg) in unse­rer Ver­fas­sung vor­ge­se­hen hat.

Und mit wel­chen ande­ren Frak­tio­nen im Bun­des­rat kön­nen Sie am bes­ten?

Als Bun­des­rats­prä­si­den­tin habe ich eine unab­hän­gi­ge und par­tei­über­grei­fen­de Funk­ti­on. Das erfor­dert ein gerech­tes Maß für jede Sei­te. Per­sön­lich ist es mir wich­tig, mit allen Frak­tio­nen eine gute Arbeits­ba­sis zu fin­den. Es ist das Wesen unse­rer Demo­kra­tie, unter­schied­li­che Mei­nun­gen zu hören und zu dis­ku­tie­ren, aber immer den nöti­gen Respekt gegen­über allen zu wah­ren.

 

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Was möch­ten sie in Zukunft kon­kret umset­zen?

Das Mot­to unse­rer Prä­si­dent­schaft ist, „Kin­dern Per­spek­ti­ven geben“. Zu die­sem Schwer­punkt wer­den wir im Okto­ber eine par­la­men­ta­ri­sche Enquete abhal­ten, die sich umfas­send dem Lebens­be­reich von Kin­dern Jugend­li­chen wid­met. Die Bekämp­fung von Armut, die Ermög­li­chung chan­cen­ge­rech­ter Bil­dung und Zukunfts­per­spek­ti­ven für Kin­der wer­den zen­tra­le The­men sein.

Wel­che Hobby´s haben sie abseits der Poli­tik? Wo trifft man sie in ihrer Frei­zeit? Hat man als Poli­ti­ker über­haupt Zeit für sich?

In den nächs­ten Mona­ten gibt es tat­säch­lich nicht viel Frei­zeit. Aber man kann mich ger­ne im Par­la­ment besu­chen, oder bei der vie­len Gele­gen­hei­ten in mei­ner Hei­mat­ge­mein­de, im Lavant­tal und in Kärn­ten tref­fen. Wenn es doch ein­mal eine Pau­se gibt, gehe ich ger­ne wan­dern oder lese.

Kur­zer Steck­brief

Name: Mag. Clau­dia Arpa

Gebo­ren: 12.11.1967 in Feld­kir­chen in Kärn­ten

Wohn­ort: Frantschach-St.Gertraud

Aus­bil­dung: Sozi­al­ma­na­ge­rin mit Aus­bil­dung im Umwelt­schutz, Pfle­ge- und Alten­hei­men

Aktu­el­le Posi­ti­on: Bun­des­rats­prä­si­den­tin

Fami­li­en­stand: ver­hei­ra­tet

Hob­bys: wan­dern, lesen

Vor­gän­ger: Bun­des­rat Gün­ter Kovacs (Bur­gen­land)

01.08.2023 19:00
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