Beschäftigung

Nach­hal­tig und sozi­al zurück in den ers­ten Arbeits­markt

Der „welt.garten“ der Caritas Kärnten beim Kloster Wernberg bringt  langzeitarbeitslose Menschen in Beschäftigung.

Nach­hal­tig und sozi­al zurück in den ers­ten Arbeits­markt Lydia Grafschafter (Fachanleitung „welt.garten“), Hausoberin Sr. Maria Luise Wagner, Provinzoberin Sr. Pallotti Findenig, Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig, Christina Staubmann (Bereichsleiterin Beschäftigung und Betriebe, Caritas), Peter Wedenig (AMS), Caritasdirektor Ernst Sandriesser, Leo Kudlička (KA), Winfried Süßenbacher (Verein „Klosterschatz“) und Ina Wurzer vom „welt.garten“. (von links)

© Caritas/Johannes Leitner

"KLICK Kärnten" auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen
Anzeige

Frau­en und Män­ner, die ger­ne arbei­ten möch­ten, denen der Zugang zum Arbeits­markt aber durch ver­schie­dens­te Umstän­de nicht mög­lich ist, blü­hen bei der Bewirt­schaf­tung eines Gemüse‑, Kräu­ter- und Obst­gar­tens sowie der Ver­ede­lung und des Ver­kau­fes der Bio-Pro­duk­te auf.

För­de­rung von Land und AMS Kärn­ten

Das erfolg­rei­che Pro­jekt, das es dank Katho­li­scher Akti­on, Klos­ter Wern­berg und Ver­ein „Klos­ter­schatz“ seit 2010 gibt, wird von Land Kärn­ten und AMS Kärn­ten geför­dert. Frau W. ern­tet im „welt.garten“ Toma­ten, die sie selbst ange­sät und denen sie wäh­rend des Mul­chens beim Wach­sen zuge­se­hen hat. Die drei­fa­che, allein­er­zie­hen­de Mut­ter Anfang 30 arbei­tet ger­ne hier. „Ich bin geer­det und wie­der selbst­be­wusst, mir geht es gut. Die kör­per­li­che Belas­tung ist nicht immer ein­fach, das Arbei­ten mit der Hand und in fri­scher Luft dafür schön“, erzählt die gelern­te Kon­di­to­rin. Sie war fast fünf Jah­re daheim, als ihr das AMS die Teil­nah­me am Pro­jekt emp­fahl, das lang­zeit­be­schäf­ti­gungs­lo­se Men­schen mit Qua­li­fi­zie­rung und Beglei­tung zurück in den ers­ten Arbeits­markt brin­gen soll. „Ich habe Trau­ma­ti­sie­ren­des erlebt. In mei­nen frü­he­ren Beruf konn­te ich nicht mehr, weil ich es in geschlos­se­nen Räu­men kaum mehr aus­hal­te und sich die Arbeits­zei­ten mit der Betreu­ung mei­ner Kin­der nicht ver­ein­ba­ren lie­ßen.“ Dass Frau W. nach ein paar Mona­ten Pro­jekt­teil­nah­me einen Job fix in der Tasche hat, macht sie „glück­lich“. Stär­kung auf beruf­li­chem Weg

Pro­jekt “welt.garten” als Gebot der Stun­de

Cari­tas­di­rek­tor Ernst Sand­ries­ser ist die Nach­hal­tig­keit ein Her­zens­an­lie­gen. Auch des­halb hält er Pro­jek­te wie den „welt.garten“ für ein Gebot der Stun­de. „Mit dem loka­len und regio­na­len Anbau von Nah­rungs­mit­teln und der Ver­sor­gung vie­ler Men­schen mit Pro­duk­ten in Bio­qua­li­tät gelingt es uns, einen Bei­trag zur öko­lo­gi­schen Nach­hal­tig­keit zu leis­ten. Indem wir den Beschäf­tig­ten ein pas­sen­des Umfeld, Stär­kung mit­tels Grup­pen­ar­beit sowie Gewin­nung von Kom­pe­ten­zen und Refle­xi­on ermög­li­chen, sodass sie den Wie­der­ein­stieg in den Arbeits­markt meis­tern kön­nen, sind wir auch sozi­al nach­hal­tig“, sag­te Sand­ries­ser.

Zur­zeit bewirt­schaf­ten sie­ben lang­zeit­er­werbs­ar­beits­lo­se Frau­en und Män­ner in Voll- bzw. Teil­zeit aus dem Groß­raum Vil­lach den „welt.garten“, einen Gemüse‑, Kräu­ter- und Obst­gar­ten auf den Grün­den des Klos­ters. Sie ver­ar­bei­ten, ver­edeln und ver­kau­fen mit fach­li­cher und sozi­al­päd­ago­gi­scher Beglei­tung die Pro­duk­te – alle­samt in Bio­qua­li­tät. Tee, Öle, Eli­xie­re, Natur­kos­me­ti­ka, Kräu­ter­salz & Co fin­den in Gas­tro­no­mie, Han­del und Klos­ter­la­den begeis­ter­te
Abneh­mer.

För­de­rung für fünf Stel­len

Von Land und Arbeits­markt­ser­vice wer­den pro Jahr (Sai­son März bis Novem­ber) fünf Voll­zeit­stel­len geför­dert. Die Kos­ten des Beschäf­ti­gungs­pro­jek­tes belau­fen sich heu­er auf 193.000 Euro. Rund 172.000 gibt es als För­der­sum­me, rund 21.000 Euro sind selbst zu erwirt­schaf­ten. Für Lan­des­haupt­mann-Stell­ver­tre­te­rin Gaby Schau­nig, Arbeits­markt- und Sozi­al­re­fe­ren­tin, sind Pro­jek­te wie die­ses not­wen­dig, um lang­fris­tig (Re-)Integration in den Arbeits­markt zu ermög­li­chen: „Lei­der bekom­men nicht alle Men­schen die­sel­ben Chan­cen am Arbeits­markt und vie­le sehen sich mit Vor­be­hal­ten kon­fron­tiert. Umso wich­ti­ger sind arbeits­mark­po­li­ti­sche Maß­nah­men wie der ‚welt.garten‘, die Men­schen Per­spek­ti­ven geben und Selbst­ver­trau­en schen­ken.“ Um die Her­aus­for­de­run­gen der nächs­ten Jah­re bewäl­ti­gen zu kön­nen, brau­che man schon jetzt jede Arbeits­kraft. Arbeits­markt­pro­jek­te könn­ten nur eine Säu­le sein, dar­über hin­aus müs­se es gelin­gen, Hür­den und Vor­ur­tei­le abzu­bau­en. Schau­nig sieht Bund, Wirt­schaft, Län­der und AMS gefor­dert, noch enger zusam­men­zu­ar­bei­ten und in
den Kärnt­ner Pro­jek­ten einen ein­drucks­vol­len Beweis, wie das gelin­gen kön­ne.

Brei­tes Auf­fang­netz am zwei­ten Arbeits­markt

Laut AMS-Chef Peter Wede­nig kön­ne man in Kärn­ten auf ein brei­tes Auf­fang­netz am zwei­ten Arbeits­markt bau­en, mit viel­fäl­ti­gen Pro­jek­ten, die den spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen Lang­zeit­ar­beits­lo­ser gerecht wer­den. „Der ‚welt.garten´ ist hier ein wert­vol­ler und wich­ti­ger Bau­stein.“ Auch aktu­ell, bei einer guten Arbeits­markt­la­ge und bei einem Arbeits­kräf­te­man­gel, brau­che es die­ses Netz­werk mit star­ken Part­nern, gemein­sa­men Initia­ti­ven und ent­spre­chen­den finan­zi­el­len Mit­teln, um Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit nach­hal­tig zu bekämp­fen und die Pro­jekt­teil­neh­men­den wie­der in den ers­ten Arbeits­markt zu inte­grie­ren, erklär­te Wede­nig.

Gute Ver­mitt­lungs­quo­te

Die Katho­li­sche Akti­on (KA) hat den „welt.garten“ 2010 als gemein­nüt­zi­ges Beschäf­ti­gungs­pro­jekt ins Leben geru­fen und es heu­er an die Cari­tas „im Sin­ne noch ver­netz­te­rer Arbeit und in Erwar­tung wert­vol­ler Syn­er­gien hin­sicht­lich ihres mag­das LOKAL in Kla­gen­furt und den Erfah­run­gen aus den wei­te­ren bei der Cari­tas ange­sie­del­ten Beschäf­ti­gungs­pro­jek­ten und Betrie­ben“ über­ge­ben, sag­te Leo Kud­lič­ka von der KA. Der „welt.garten“ ist ein Pro­jekt der Cari­tas mit Klos­ter Wern­berg und Ver­ein „Klos­ter­schatz“, der die Pro­duk­te ver­treibt. In Sum­me hät­ten bis zum Jahr 2022 rund 100 Mit­ar­bei­ten­de im „welt.garten“
gewerkt und 30 bis 40 wie­der auf dem ers­ten Arbeits­markt Fuß fas­sen kön­nen. „Ein schö­ner Erfolg“, sagt Pro­jekt­in­itia­tor und „Klosterschatz“-Obmann Win­fried Süßen­ba­cher. Als das Pro­jekt sei­ner­zeit an das Klos­ter her­an­ge­tra­gen wor­den sei, habe man sich schnell dafür begeis­tern kön­nen, meint Haus­obe­rin Sr. Maria Lui­se Wag­ner, denn die „Arbeit ging den Schwes­tern zuneh­mend schwe­rer von der Hand“.

„Vie­le Men­schen möch­ten arbei­ten, kön­nen aber nicht“

Cari­tas­di­rek­tor Sand­ries­ser dankt Land, AMS und allen Part­ne­ren für die gelun­ge­ne Koope­ra­ti­on und sagt zur Lang­zeit­be­schäf­ti­gungs­lo­sig­keit: „Die ver­brei­te­te Mei­nung, dass alle Men­schen Arbeit fin­den könn­ten, indem sie nur wol­len müs­sen, ist falsch!“ Das weiß auch Chris­ti­na Staub­mann als Bereichs­lei­te­rin für Beschäf­ti­gung und Betrie­be bei der Cari­tas Kärn­ten: „In unse­rer täg­li­chen Arbeit bemer­ken wir, dass vie­le Men­schen arbei­ten möch­ten, aber durch ver­schie­dens­te Umstän­de wenig Mög­lich­kei­ten haben; etwa, weil sie den Anfor­de­run­gen des Arbeits­markts hin­sicht­lich Qua­li­fi­ka­tio­nen nicht genü­gen oder weil sie die so wich­ti­ge Care-Arbeit über­neh­men und damit nicht aus­rei­chend fle­xi­bel oder auf­grund von Krank­heit nicht zur Gän­ze ein­satz­fä­hig sind.“ Um Men­schen zu hel­fen, die es auch in posi­ti­ven Arbeits­markt­pha­sen bei
der Job­fin­dung beson­ders schwer haben, brau­che es laut Sand­ries­ser und Staub­mann gemäß dem Cari­tas-Prin­zip „Wir las­sen nie­man­den zurück“ dau­er­haf­te und lang­fris­ti­ge arbeits­markt­po­li­ti­sche Maß­nah­men. Staub­mann: „Beschäf­ti­gung ist nicht nur der bes­te Schutz vor Armut, son­dern hat auch eine wich­ti­ge iden­ti­täts­stif­ten­de Wir­kung. Wir wol­len Men­schen am Ran­de der Erwerbs­ge­sell­schaft wie­der errei­chen und sie zur Teil­ha­be am Arbeits­pro­zess
ermu­ti­gen.“

30.08.2023 13:00
Anzeige
Nach­hal­tig und sozi­al zurück in den ers­ten Arbeits­markt Lydia Grafschafter (Fachanleitung „welt.garten“), Hausoberin Sr. Maria Luise Wagner, Provinzoberin Sr. Pallotti Findenig, Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig, Christina Staubmann (Bereichsleiterin Beschäftigung und Betriebe, Caritas), Peter Wedenig (AMS), Caritasdirektor Ernst Sandriesser, Leo Kudlička (KA), Winfried Süßenbacher (Verein „Klosterschatz“) und Ina Wurzer vom „welt.garten“. (von links)

© Caritas/Johannes Leitner