Kommentar
Der “Überstunden-Kaiser” im Klagenfurter Magistrat
Vom „heimlichen Bürgermeister“ bis hin zum ungekrönten „Überstunden-Kaiser“ – lauter Bezeichnungen, die der Klagenfurter Magistratsdirektor Dr. Peter Jost in den letzten Monaten über sich ergehen lassen musste.
© Red/KK
Kritiker meinen allerdings, dass der bestens verdienende Spitzenbeamte diese Titel führen sollte. Es handelt sich dabei keinesfalls um eine billige Neid-Debatte. Schließlich steht dem ranghöchsten Beamten eben ein entsprechendes Gehalt zu. Es geht um die teuren „Nebengeräusche“, also um zusätzlich bezahlte Tätigkeiten bzw. um eine Unzahl von Überstunden! Es darf die Frage gestellt werden, warum Jost für Überstunden, wie andere Spitzenmanager auch, keine „günstige“ Pauschale erhält. Der zunächst durch einen Notfallparagrafen vom Bürgermeister im Amt verlängerte Direktor lässt Erinnerungen an einen ehemaligen Geschäftsführer einer Kärntner Wohnbaugesellschaft hochkommen, der seinerzeit plötzlich eine Million Schilling Überstunden eingefordert hat. Mit anderen Worten: Da hätte der Tag wohl 26 Stunden umfassen müssen.
Zurück zu Jost, der ohnehin in der höchsten Gehaltsstufe 9 angesiedelt ist und im Jahr 2022 rund 270.000 Euro brutto erhalten hat. 2022 sollen es 800 Überstunden gewesen sein. Interessant dabei: Allen anderen Magistratsmitarbeitern wurde von der Magistratsdirektion Überstunden ausdrücklich verboten! Ebenso müssen sich Abteilungsleiter um Stellvertreter kümmern. Und der vorbildliche Herr Jost? Der machte bei den Überstunden doch eine einzige Ausnahme: Bei einem Projektkoordinator und Ex-FP-Spitzenpolitiker, dem Insider allerdings keine „Arbeitswut“ nachsagen können. Das hat mit Freunderlwirtschaft aber sicher nichts zu tun…

Mittlerweile wurde die Stelle für einen neuen Magistratsdirektor ausgeschrieben, gewisse Namen sind schon durchgesickert. Hoffentlich sind künftig mögliche Zulagen genau geregelt. Was und wieviel Jost noch erhalten wird, soll die Öffentlichkeit nicht erfahren. Schließlich geht es um viel Steuergeld, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Vor über 15 Jahren gab es schon eine „Causa Jost“ – und eine strittige Zulage von knapp 1500 Euro im Monat. Der damals suspendierte Direktor wurde rehabilitiert und kehrte gestärkt in sein Amt zurück. Wir erinnern uns an die Millionen-Unterschlagungsaffäre im Rathaus – unter Bürgermeisterin Mathiaschitz. Man suchte krampfhaft Verantwortliche dafür. In der Privatwirtschaft wäre das glasklar: Ein Geschäftsführer hat in so einem Fall die Verantwortung zu tragen – auch für einen untreuen Mitarbeiter. Aber halt – wir sind ja im Klagenfurter Magistrat.



